Ende März ist der Tangermünder Manfred Beckmann im Stendaler Krankenhaus verstorben. Im Oktober wäre er 60 Jahre alt geworden. Mit seinen kleinen und großen Kunstwerken hat er sich in der Stadt und Region selbst ein Denkmal gesetzt.

Tangermünde l Als "Manne" war er den meisten Tangermündern bekannt. Manfred Beckmann gehörte seit mehr als 20 Jahren zum Bild der mittelalterlichen Stadt. In Stendal geboren, verbrachte er hier die meiste Zeit seines Lebens. "Zu DDR-Zeiten hat er wohl in vielen Betrieben der Stadt gearbeitet", erzählt Oma Schönwald. Die Mutter von Gastronom Tiemo Schönwald, in allen Häusern liebevoll Oma genannt, war in den letzten Lebensjahren des talentierten Mannes so etwas wie dessen Anker. Sie hatte ihn stets im Blick, wusste mit ihm umzugehen.

Mitte der 1990er Jahre, als Familie Schönwald nach Tangermünde kam und mit den Exempel-Gaststuben den gastronomischen Grundstein für sich legte, war Manfred Beckmann einer von denen, die fast täglich bis zur Schließzeit das Lokal besuchten. Sein Herz schlug für die Malerei. Wann und wo immer er konnte, sah man ihn in der Stadt, im Exempel, später vor der Zecherei St. Nikolai sitzen und malen. "Er nahm dazu auch Kaffee oder Rotwein", berichtet Oma Schönwald. In den vergangenen Jahren kam er meist zum Frühstück und blieb bis spät in den Abend in einer der Schönwaldschen Gasträume sitzen.

"In der Nikolaikirche konnten wir ihn nachts einschließen."

Oma Schönwald

"In der Nikolaikirche konnten wir ihn nachts einschließen", weiß Oma Schönwald noch heute. Viele Tage, Wochen, Monate hat er dort zugebracht. Allerdings nicht, um mit Kaffee oder Rotwein zu malen. Hier widmete sich Manne der Gestaltung der Wände und Decken - ein Meisterwerk, mit dem er der Erlebnisgaststätte am Neustädter Tor zum passenden Ambiente verhalf.

Doch nicht nur hier, auch im Grete-Minde-Keller, in der Gaststätte am Neustädter Platz, eine Außenwand in der Stendaler Straße, Bücher, Zeitschriften und sogar das Elbelandmuseum in Buch tragen seine Handschrift. "Er war mit sich selbst sehr kritisch", verrät beispielsweise Renate Classe. Sie ist seit 15 Jahren Mitarbeiterin des Zentrums für Ökologie, Natur- und Umweltschutz (Zönu) in Buch. Unter dem Dach des Museums hatte Manne Beckmann vor Jahren begonnen, den Flusslauf der Elbe an die Dachschräge zu malen. "Immer wieder hat er Teile seiner Arbeiten übermalt, weil er damit nicht zufrieden war", erinnert sie sich. Letztendlich kam der Tangermünder mit der Elbe bis an die deutsch-tschechische Grenze. Zuletzt gestaltete er Vitrinen im Museum mit seiner Malerei.

Im neuesten Hotel der Stadt Tangermünde, den Exempel-Schlafstuben, hat Manfred Beckmann sich selbst ein Denkmal gesetzt. "Mannes Maleratelier" nennt sich ein Hotelzimmer. Es trägt seine Handschrift. Hier hat der leidenschaftliche Künstler sich an Wänden, in Bildern, in Objekten ausgetobt. Es gewährt einen kleinen Einblick in sein vielseitiges Können, ist genauso ungewöhnlich gestaltet wie die anderen Zimmer.

Im Hotel stehen auch viele Arbeiten von Manfred Beckmann - wenige von ihnen vollendet, weil seine Gesundheit es ihm zuletzt nicht mehr erlaubte, mit Tinte, Farbe oder Getränken zu zeichnen.

Wo Manfred "Manne" Beckmann seine letzte Ruhestätte fand, weiß nur dessen Bruder, der diese Entscheidung, vom Amt beauftragt, vor kurzem treffen musste.