Stendal l Bequem haben es sich die beiden Störche gemacht, die auf einem Strommast an der Gardelegener Straße vis-a-vis dem Umspannwerk sitzen. Der Verkehr, der zu ihren Füßen rollt, scheint sie wenig zu beindrucken. Ebenso wenig wie die drei Kühe, die 100 Meter weiter am Gras kauen. Storchenidylle in Stendal.

Noch vor wenigen Tagen allerdings wirkten die Adebare alles andere als ruhig, schien ihr Nestbau in eine Sisyphusarbeit auszuarten. Das Material, mit dem das Paar auf dem Mast sein Zuhause errichten wollte, fand keinen Halt. Darauf machte Ende April unser Leser Stefan Kloth aufmerksam. Und er regte an, die Tiere mit einer Nisthilfe bei der Wohnungssuche zu unterstützen.

Auch Renate Lippert, die in Nachbarschaft der Störche wohnt, wünschte sich Hilfe für das Paar. "Vor Jahren hatten wir hier auf diesem Gelände sogar zwei Storchennester", erinnerte sie sich im Gespräch mit der Volksstimme. Wie sie weiter berichtete, mussten die aber weichen, weil die Pfähle marode waren. Seither, so Lippert, habe sie sich an einige Stellen gewandt, um Störche in diesem Bereich wieder heimisch werden zu lassen.

Nun ging alles ganz schnell. Am letzten Apriltag taten sich kreisliches Umweltamt und die Stadtwerke Stendal zusammen. Mit einem Hubwagen wurde eine Nisthilfe, bestehend aus einem Metallaufsatz und einem Flechtwerk, auf den Mast gesetzt. "Das ist zwar nicht unser Alltagsgeschäft, aber wir helfen gern", sagte Stadtwerkesprecher Rolf Gille.

Zum Alltagsgeschäft gehört solch Hilfe schon eher für das Umweltamt. "Wir haben schon eine ganze Reihe von Nisthilfen angebracht", erklärte Rainer Diebel. Und der Sachgebietsleiter Naturschutz fügte an, so eine Nisthilfe sei keine Gewähr für eine Ansiedlung von Störchen. Es sei eine Erleichterung, ein Angebot an die Vögel.

Bei den Tieren an der Gardelegener Straße handele es sich um junge Störche, die "hier üben", meinte Diebel. Vielleicht mit Erfolg. Dann könnten sie die Nisthilfe im kommenden Jahr wieder in Beschlag nehmen und dort auch Junge aufziehen. Aus Diebels Sicht bietet das Gelände eine gute Nahrungsquelle für Störche. Diebel: "Sie bevorzugen nicht, wie viele glauben, Frösche, sondern Regenwürmer. Und da ist der Wahrburger Sportplatz, der regelmäßig gemäht wird, eine gute Adresse."