Japanische Fachleute berichteten darüber, dass der demografische Wandel bei ihnen im Land bald voll zuschlägt. In Deutschland möchten sie kennenlernen, wie städteplanerisch mit Schrumpfung umgegangen wird.

Stendal l Die japanische Gesellschaft wird in den kommenden Jahren einen starken Schrumpfungsprozess erleben. Die Einwohnerzahl werde bis 2050 von derzeit 130 Millionen auf schätzungsweise 100Millionen sinken, berichtete Professor Takuya Tsuji gestern im Stendaler Rathaus. Der Wissenschaftler aus Tokio war gestern mit zwei Kollegen vom "The 21st Century Public Policy Institute" in Tokio sowie einem Dolmetscher aus Berlin in der Hansestadt zu Besuch, um sich vor Ort den Umgang mit dem Programm Stadtumbau Ost anzusehen und von Mitarbeitern der Verwaltung erläutern zu lassen.

Nach Wirtschaftswunder schrumpft Bevölkerung

"Bei uns gab es in den 1960er und 1970er Jahren ein Wirtschaftswunder und auch danach noch eine starke wirtschaftliche Expansion", sagte General Manager Fumihiko Kamio. Erst jetzt werde den Verantwortlichen bewusst, dass es in naher Zukunft einen starken Bevölkerungsrückgang geben wird. Innerhalb der kommenden 30Jahre werde Japan auf den Stand von 1945 zurückfallen. Dies werde Probleme für die Infrastruktur mit sich bringen, bei Straßen, Brücken, Tunneln, Wasserstraßen, Abwasserleitungen, bei kommunalen Wohnungsgesellschaften und Altersheimen, die bei der immer älter werdenden Gesellschaft immer wichtiger werden würden.

Man wolle sich in Deutschland ansehen, wie man mit den Problemen umgehe, die hier um einige Jahre früher eingesetzt haben, sagte Fumihiko Kamio. Die Delegation, deren Forschungsarbeit von großen japanischen Unternehmen wie Sony, Toyota, Panasonic und Samsung unterstützt werde, hatte sich auch schon in Dessau-Roßlau und Magdeburg umgesehen.

Rundgang durch Stadtsee und Süd

Im Stendaler Rathaus erläuterten Georg-Wilhelm Westrum vom Amt für Stadtumbau und Sanierung sowie Planungsamtsleiter Axel Achilles den asiatischen Gästen, wie insbesondere in den Stadtteilen Stadtsee und Süd vorgegangen wurde, um den starken Bevölkerungsrückgang städteplanerisch aufzufangen. Bei einer Rundfahrt konnten die Japaner sich dann ansehen, in welch großem Umfang Plattenbauten abgerissen und andererseits das Wohnumfeld aufgewertet wurde.

Durch das Projekt Internationale Bauaustellung (IBA), an der auch Stendal beteiligt war, waren die Asiaten überhaupt auf die Hansestadt aufmerksam geworden. "Wir möchten die unterschiedlichen Herangehensweisen in den Orten kennenlernen", sagte Fumihiko Kamio. Während große Städte in Japan erst jetzt mit dem Thema Schrumpfung konfrontiert werden, sei dies in ländlicheren Regionen schon länger der Fall. Menschen seien in die Städte gezogen. Stadtplanerisch müsse nun erst einmal umgedacht werden, dass die Schrumpfung und Überalterung die Metropelen erreiche.