Im Landkreis Stendal sind derzeit 55 Biogasanlagen und 241 Windkraftanlagen in Betrieb. Weitere sollen hinzukommen. Einige davon sind genehmigt und schon im Bau, für andere läuft derzeit noch das Genehmigungsverfahren.

Stendal l Es gibt immer mehr Maisfelder - das zumindest sagen viele, wenn es zum Beispiel um den Bau neuer Biogasanlagen geht. Ein subjektiver Eindruck, den Wolfgang März, Mitglied der Kreistagsfraktion Landwirte für die Region und Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, so nicht stehen lassen möchte. "Es findet keine Vermaisung statt", sagte er am Dienstag während der Sitzung des Kreis-Umweltausschusses. Anlass für die Diskussion war der Vortrag von Markus Mösenthin vom Kreisumweltamt, der über Biogasanlagen und Windkraftanlagen im Landkreis Stendal sprach. Der Eindruck, dass es mehr Maisfelder gebe, liege vermutlich an der Konzentration in bestimmten Gebieten des Kreises, meinte der Landwirt Wolfgang März.

Laut Statistischem Landesamt wurden im vergangenen Jahr im Landkreis Stendal auf 20202 Hektar Silomais angebaut - von den insgesamt 108725 Hektar Ackerland, das es im Landkreis gibt. Für die laufenden Biogasanlagen würden laut einer Berechnung Mais und Futterrüben von einer Fläche von 10434 Hektar benötigt - die Hälfte also der ausgewiesenen Maisanbaufläche.

Vier Wind-Vorranggebiete sind ausgelastet

Derzeit sind 55 Biogasanlagen in Betrieb - zwischen 2001 und 2013 wurden zirka 108,5 Millionen Euro dafür investiert -, weitere zehn sollen nach jetzigem Stand folgen. Zum Teil sind sie bereits genehmigt und befinden sich im Bau, für andere läuft noch das Genehmigungsverfahren. Gibt es Überlegungen im Landkreis, eine Obergrenze für die Gesamtzahl festzulegen, wollte Christine Paschke (Linke) wissen. "Eine solche Grenze gibt es nicht, das ist dem Markt überlassen", antwortete Markus Mösenthin. Aber: Potenzielle Investoren stellen sich mittlerweile schon die Frage, ob es nach den neuen Vorgaben des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) des Bundes noch lohnt. Bis auf eine Anlage zur Methanisierung (Aufbereitung des Biogases zur Erdgasqualität) dienen die Anlagen der Stromgewinnung aus Biogas.

Grüner Strom wird auch mit Windrädern erzeugt. Im Landkreis sind in den 13 Vorranggebieten derzeit 227 Windkraftanlagen in Betrieb (installierte Leistung: 391,2 Megawatt). 31 weitere sind genehmigt und werden zum Teil gerade gebaut. Geplant und beantragt sind nochmals 93 Anlagen, 55 davon allein bei Hüselitz. Zu hundert Prozent ausgelastet sind die Vorranggebiete Badingen/Querstedt, Arneburg/Sanne, Baben/Bertkow/Hohenberg-Krusemark und Storbeck. Fast ausgelastet sind die Gebiete Krevese mit 95 Prozent sowie Fischbeck und Erxleben mit jeweils zirka 90 Prozent. Neben den Windanlagen in den Vorranggebieten sind noch 14 kleinere Anlagen in Betrieb, die außerhalb der Gebiete liegen, weil sie schon vor deren Festlegung errichtet wurden.

In den meisten Fällen sind die Unternehmen der Investoren und Betreiber nicht in der Altmark ansässig. Dennoch sollte immer darauf geachtet werden, "dass Geld in die betroffenen Orte fließt", sagte Arno Bausemer (FDP) während der Diskussion im Kreis-Umweltausschuss. Dessen Vorsitzender Eduard Stapel (Bündnis 90/Die Grünen) griff dies auf als Empfehlung an den Wirtschaftsförderungsausschuss, sich einmal damit zu befassen, wieviel Geld aus den Erträgen der Windkraftanlagen in der Region bleibt. Dabei könnte auch darüber gesprochen werden, wie es künftig geregelt werden sollte.