Stendal l Man mag kaum glauben, was die 30 jungen Leute im Alter von 14 bis 20 Jahren neben Schule, Ausbildung und anderen Hobbys leisten können. Aber sie schaffen es. Am Sonnabend präsentierten sie bei der Premiere im Theater der Altmark einmal mehr Laientheater auf hohem Niveau!

Nach den Erfolgen der vergangenen Jahre hatte das Publikum auch nichts anderes erwartet. Dementsprechend war die Premiere im Großen Haus ausverkauft, Karten für weitere Vorstellungen sind ebenfalls gut gebucht. "Oliver!", das Musical von Lionel Bark, nach der Romanvorlage von Charles Dickens, steht in diesem Jahr auf dem Programm.

Glückliches Ende nach Mord und Totschlag

Die Geschichte um Oliver Twist ist recht bekannt: Olivers Mutter stirbt kurz nach der Geburt, der Knabe wächst im Waisenhaus auf, in dem es - wahrscheinlich nicht unüblich in der Mitte des 19. Jahrhunderts - schlimm zugeht. Als Oliver es wagt, nach der kargen Mahlzeit um einen Nachschlag zu bitten, wird er an einen Leichenbestatter verkauft. Nach einem Streit läuft er fort und irrt durch die Straßen von London. Dort trifft er den jungen Artful Dodger, der ihn zu Mr. Fagin bringt. Fagin lässt Kinder als Taschendiebe arbeiten, im Gegenzug bietet er ihnen karge Kost und unbequeme Logis.

Bevor Olivers Karriere als Dieb beginnt, wird er geschnappt. Ein Glück für ihn, denn so kommt er zu Mr. Brownlow, der sich am Ende als Olivers Großvater entpuppt. Es gibt also ein glückliches Ende, nicht jedoch, ohne vorherige Dramatik - inklusive Mord und Totschlag.

Das Stück wird seit 1960, dem Erscheinungsjahr, immer wieder gespielt. Kein Wunder, "Oliver!" weist etliche ohrwurmverdächtige Hits auf: "Brot, herrliches Brot", "Du musst aus fremden Taschen es zieh`n" oder eben der Titelsong "Oliver!" zum Beispiel. Am Theater der Altmark werden die jungen Sänger und Sängerinnen von der Jazzband der Musikerfabrik begleitet. Unter der Leitung von Sebastian Socha sorgen diese für einen grandiosen Sound. Jakob Brenner hatte die Orchesterfassung für die Band umgeschrieben und mit Grzywotz die Lieder einstudiert.

Julian Garz ragt als Mr. Fagin heraus

Bei einem Musical mit komplizierten Choreographien kommt es stets auf die Leistung des gesamten Ensembles an. Und für diese Inszenierung kann man wahrlich von einer tollen Gesamtleistung sprechen. Bei einigen der Jugendlichen darf noch an der Deutlichkeit beim Sprechen und Singen gefeilt werden, andere meistern das wie "alte Hasen". Julian Garz als Mr. Fagin ragt ganz klar heraus mit seiner großen Bühnenpräsenz und seinem tollem Spiel und Gesang. Aber auch Kim Wolf als Oliver oder Annkathrin Hannemann als Dodger überzeugen. Oder Samuel Fischer als fieser Bill, Ronja Lange als Noah, Alexandra Fabich als Gangsterbraut Nancy, David Tyllack als Leichenbestatter/Arzt/Polizist (die Krücken gehörten übrigens nicht zum Drehbuch, sondern sind Folgen eines Eintanzens) - eigentlich hätten sie alle eine Erwähnung verdient, haben sie doch alle zum Erfolg beigetragen.

Das Bühnenbild von Mark Späth ist einfach und effektiv: die Tower Bridge im Kleinformat, davor einige Stege, die als Tische, Särge oder Kellerräume fungieren. Viel Platz zum Agieren.

Tolle Leistung! Hut ab! Keine Frage: Nach zweieinhalb Stunden konnten die jungen Künstler vom Publikum stehende Ovationen entgegen nehmen.

Weitere Aufführungen: Freitag, 16. Mai, und Sonnabend, 17. Mai, jeweils um 19 Uhr.