Das Feuer lodert seit dem Wochenende wieder im Lehmbackofen des Stendaler Jugendfreizentrums Mitte. Am Freitagnachmittag nahmen ihn Kinder und Jugendliche nach fast vierjähriger Zwangspause wieder in Betrieb.

Stendal l Es duftet nach Pizza und nach frischem Brot. Duft, der Appetit macht, und die Feuertaufe des sanierten Lehmbackofens locken nicht nur Kinder und Jugendliche auf den Hof des Jugendfreizeitzentrum (JFZ). Begierig lassen sie sich von Loreen Ney und Antje Lucas die dampfenden Pizzen auftun, beißen genüsslich hin-ein. Das Hefebrot indes, eine Mischung aus Dinkel, Weizen, Haferflocken, Hanfsamen, Curry und Salz, muss noch im Ofen backen.

Schwelbrand sorgte für zeitweiligen Ruhestand

Der beendete am Freitagnachmittag sein Zwangspause. "Wunderbar", freut sich JFZ-Leiterin Jutta Schönemann und kündigt schon einmal monatliche Backtage an. Dann soll neben Pizza und Brot auch Kuchen in den Ofen und auf den Tisch kommen. "Sicher Pflaumenkuchen", sagt Schönemann und zeigt auf einen Baum, der auf dem Hof der Jugendeinrichtung wächst und hoffentlich reichlich Früchte tragen wird.

Das JFZ hat Backerfahrung. Schließlich wurde der Lehmofen vor elf Jahren aufgebaut. 2010 dann aber musste er in den Ruhestand versetzt werden, weil ein Schwelbrand ihn beschädigt hatte. Es wurde ein zeitweiliger, allerdings recht langer Ruhestand. "Wir haben nach dem Brand händeringend nach Unterstützern gesucht", erinnert sich Schönemann. Die stellte sich im September 2013 ein. Das Unternehmen Primacom wartete mit einem 1000-Euro-Scheck auf. "Wir wollten uns engagieren und haben bei der Stadt nachgefragt, wo es ein Projekt gibt", erzählt Bereichsleiter Thomas Chojnacki. Aus der Stadtverwaltung kam dann der Ofen-Tipp.

Jugendliche packten bei "Spaßprojekt" tüchtig zu

"Wir sind dankbar für diese Unterstützung", erklärt Stendals Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU). Mit solchen Spenden sei es möglich, Dinge anzupacken, die "außerhalb der Reihe anfallen" und nicht von heute auf morgen zu finanzieren seien. Schmotz ist sich sicher, das Geld sei gut angelegt, und begründet: "Die Kinder sind mit Begeisterung dabei."

Diese Begeisterung offenbaren sie nicht nur beim Backen und Schlemmen. Als der defekte Ofen im April abgetragen wurde, packten viele von ihnen mit zu. Anschließend folgte der Neuaufbau - vornehmlich mit dem alten Material - unter Regie von Markus Grosser aus Miltern, der unter anderem von Dietrich Zosel aus Stendal unterstützt wurde. "Ich möchte Nützliches tun. Dazu bot der Ofenbau eine gute Möglichkeit", sagt Zosel. Grosser spricht von einem "Spaßobjekt". Spaß habe es nämlich bereitet, mit Kindern zu arbeiten und für Kinder zu arbeiten.

Am Freitag genossen sie gemeinsam den Duft nach Pizza und frischem Brot - und natürlich deren Geschmack.

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