Stendal l Nicht, dass er mit 91Jahren zu alt dafür wäre! Lediglich aus "ästhetischen Gründen" will Otto Nawrocki nicht mehr bei Leichtathletik-Wettkämpfen antreten. "Wenn man da so manchen Alten sieht... man sollte auch Rücksicht auf die Zuschauer nehmen."

Dabei muss er selbst sich eigentlich nicht verstecken, das wahre Alter sieht man ihm nicht an. Man sieht ihm jedoch eines an: Der Rummel, der um seine Person gemacht wird, ist ihm unangenehm: "Ich bin ein ganz normaler Sportler, der seine Wettkämpfe diszipliniert durchführt. Und damit hat sich´s!" Für diese Einstellung lieben und schätzen ihn Familienangehörige, Freunde und Kollegen. Trotzdem, so ganz normal, im Sinne von alltäglich, ist dieser Sportler nicht.

Ein Film über den Ausnahmesenior

Immerhin begann der Stendaler überhaupt erst mit 80 Jahren, Wettkämpfe zu bestreiten. Und das dann auch sehr erfolgreich. Viele Titel und Medaillen sammelte er in deutschen und internationalen Meisterschaften. Der krönende Abschluss seiner Laufbahn sollte die Teilnahme an den Senioren-Weltmeisterschaften 2013 sein. Das ist der Punkt, an dem Marjin Poels ins Spiel kam. Der niederländische Filmemacher erfuhr durch Stephan Antusch - einem Nawrocki-Enkel - von diesem Ausnahmesenior. "Normalerweise mache ich politische Geschichten. Wollte aber immer schon etwas über Senioren machen... über die Generation, die dafür gesorgt hat, dass wir jetzt so leben, wie wir es tun. In Freiheit." Poels ist von Otto Nawrocki fasziniert, sieht ihn als Inspiration.

Kurz vor Nawrockis 90. Geburtstag beginnen die Dreharbeiten und sollen insgesamt acht Monate dauern. Herausgekommen ist ein 60-minütiger Film mit dem passenden Titel "Unerschöpflich". Am Sonntag war im Uppstall-Kino Premiere. Alle vier SPD-Bundestagsabgeordnete aus Sachsen-Anhalt waren gekommen, um ihren Parteigenossen zu ehren. Und natürlich viele Freunde und Verwandte. Der Kinosaal platzte schier aus allen Nähten, was kein Wunder ist: Immerhin haben Otto und seine verstorbene Ehefrau Gertrud acht Kinder großgezogen.

Dokumentation über Nawrockis Kindheit Welsleben

Es gibt viele Enkel und Urenkel. Nawrockis Familie allein könnte einen Saal füllen. Filmemacher Marjin Poels lässt in "Unerschöpflich" den Protagonisten und viele Bilder für sich sprechen. Es ist eine wohltuend leise, humorvolle Dokumentation über Nawrockis Kindheit in Walsleben, seine Kriegserfahrungen, sein Berufs- und Familienleben. Und natürlich über seine Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft im brasilianischen Porto Allegre, bei dem dieser wirklich unerschöpflich wirkende Athlet tatsächlich dreimal Silber holte. Ein krönender Abschluss seiner Karriere.

Dem Sport an sich bleibt er natürlich treu, nur mit den Wettkämpfen ist jetzt "definitiv Schluss". Marijn Poels hat scherzhaft einen zweiten Teil zum 100. Geburtstag Nawrockis angekündigt. "Ja, das ist gut!" so die Antwort des 91-Jährigen, "vorausgesetzt, du lebst dann noch."

Der Film wird am Sonntag, 18.Mai, um 17Uhr im Uppstall-Kino wiederholt. Reservierung unter Tel. 03931/ 795138. Der Film soll auch als DVD erscheinen.

 

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