Nach der Fusion sieben Arbeitsplätze weniger

Seit dem 10. Dezember 2013 gibt es die Integrierte Leitstelle Altmark für den Brand-, Katastrophenschutz und den Rettungsdienst beider Landkreise.

Am 27. August 2012 hatten beide Landräte eine Zweckvereinbarung für den Aufbau der Zentrale in Stendal unterzeichnet. Von den einst 22 Kräftenin den beiden Leitstellen blieben 15 übrig .

"Äußere Zwänge drängten beide Landkreise zum Handeln", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der beiden Landräte am 27. März 2012.

Druck gab es vonden Krankenkassen. Sie erstatten 14,22 Euro je Einsatz. Beiden Landkreisen entstand dadurch ein jährliches Defizit von fast 200.000 Euro.

330.000 Euro an Kosten für Personal, Betrieb und Unterhalt lassen sich je Kreis nach Berechnung eines von beiden Landkreisen in Auftrag gegebenen Gutachtens mit der gemeinsamen Leitstelle sparen. (mr)

Stendal l "Erhebliche qualitative und wirtschaftliche Vorteile" sollte sie bringen, die "gemeinsame Integrierte Einsatzleitstelle für den Brand- und Katastrophenschutz und Rettungsdienst der Altmark", wie die Rettungsleitstelle offiziell heißt. So steht es in der Zweckvereinbarung, die am 27. August 2012 von den Landräten der beiden Landkreise unterzeichnet wurde.

Wirtschaftlich könnte diese Kalkulation aufgehen. Auf jährliche Einsparungen von 330.000 Euro je Landkreis kommt ein Gutachten, das die Effekte der Zusammenlegung untersucht hat. Doch die Qualität sehen Mitarbeiter ernsthaft in Gefahr.

Kein einziger Tag im Drei-Schicht-System

17 Stellen einschließlich eines Leiters und eines Systembetreuers sind für die Leitstelle vereinbart worden. 15 stehen damit für den Rund-um-die-Uhr-Betrieb in der Leitstelle im Stendaler Hufelandhaus in der Wendstraße 30 zur Verfügung, Als beide Landkreise getrennte Rettungsleitstellen unterhielten, waren es noch 22 (je Landkreis 11).

Einen Drei-Schicht-Betrieb mit je drei Mitarbeitern hatte Altmarkkreis-Ordnungsdezernent Hans Thiele laut Medienvertretern angekündigt, als er im vorigen Jahr am 10. Dezember in den alten Räumen der Klötzer Leitstelle buchstäblich das Licht ausmachte.

Doch in einem Drei-Schicht-System hat die neue Leitstelle noch nie gearbeitet. Schon vor der Flut im Juni 2013 wurde in der damals noch eigenständigen Leitstelle in Stendal werktags vom achtstündigen Drei-Schicht-System auf den Zwölf-Stunden-Betrieb umgestellt. Dabei ist es danach geblieben.

Was jedoch viel schwerer wiegt: Auch die drei Einsatzkräfte je Schicht waren in den vergangenen Wochen mehrfach nicht gewährleistet.

Mindestens in zwei Fällen haben Mitarbeiter dies auch offiziell protokolliert und erklärt, für das Dienstgeschehen unter diesen Umständen keine Verantwortung übernehmen zu können. "Nur zwei Kollegen - bei dem gestiegenen Arbeitsaufkommen ist das nicht zu bewältigen", lautet einer der Vorwürfe aus der Belegschaft. In einem anderen Fall musste der Systemadministrator in den Leitstellen-Dienst wechseln - ohne die dafür notwendige Qualifikation zu haben.

Bis zu fünf Ausfälle durch Krankheit gleichzeitig, dazu ein Mitarbeiter, der bereits seit langem fehlt und eine Kollegin im Mutterschutz - die Personaldecke ist ausgedünnt. Im April konnte nach der Volksstimme vorliegenden Informationen nahezu an einem Drittel der Tage die Dreier-Besetzung nicht gewährleistet werden.

35.000 Anrufe werden pro Jahr erwartet

Die Aufgaben seien in dieser Konstellation einfach nicht zu schaffen, heißt es aus der Leitstelle. So liegt der Volksstimme ein Erfahrungsbericht vor, wonach eine Nachtschicht noch drei Stunden mit der Aufarbeitung der Dienstunterlagen der zweiköpfigen Tagesschicht beschäftigt war.

35.000 Anrufe pro Jahr werden für die gemeinsame Leitstelle erwartet. Da sei das Personal von vornherein zu knapp kalkuliert worden, lautet ein Kritikpunkt von unmittelbar Betroffenen. Mit zwei Kräften sei das Arbeitsaufkommen für das 9000 Quadratkilometer große Gebiet mit seinen gut 210.000 Einwohnern nicht zu bewältigen.

Schon vor den Krankheitsfällen häuften sich die Überstunden. Sie haben sich nach Volksstimme-Informationen auf weit mehr als 100 angehäuft, obwohl noch Ende des vergangenen Jahres Überstunden im dreistelligen Bereich ausbezahlt wurden.

Landratsamt räumt ein: "Lage ist angespannt"

"Das geht nicht mehr lange gut", lautet eine Befürchtung aus der Mitarbeiterschaft. Da werden Erinnerungen an das Jahr 2007 wach, als ein damaliger Mitarbeiter der Stendaler Rettungsleitstelle wegen fahrlässiger Tötung zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt wurde. Er hatte in der Nacht bei einem Notruf die Situation falsch eingeschätzt und einen Rettungseinsatz abgelehnt. Ein tödlicher Irrtum. "Muss es durch Überlastung soweit kommen", fragt sich ein Betroffener, der sich der Volksstimme anvertraut hat.

"Die personelle Lage in der Leitstelle ist angespannt. Die Schichten werden kontinuierlich abgesichert", heißt es aus dem Landratsamt. Und: "Als Ersatz für längerfristig erkrankte Mitarbeiter" werden neue Mitarbeiter eingestellt. Die Besetzung einer Stelle "erfolgt kurzfristig". Eine weitere soll "zu einem späteren Zeitpunkt" besetzt weden.

Dass es auch anders gehen kann, zeigt der Salzlandkreis, der von der Einwohnerzahl etwa gleich groß ist. Dort hat man in der seit diesem Jahr gültigen Satzung ein Drei-Schicht-System mit einer Mindestbesetzung von drei Kräften verbindlich festgeschrieben. In der Zweckvereinbarung der beiden altmärkischen Landkreise fehlt hingegen eine solche Festlegung.