Wie viel Kraft und Mühe in den vergangenen Monaten in ein Sanierungskonzept für das Tangerhütter Traditionsunternehmen TechnoGuss geflossen ist, lässt sich nur schwer sagen. Eines aber steht inzwischen fest: Es konnte erfolgreich umgesetzt werden, eine mögliche Insolvenz in Tangerhütte ist vorerst vom Tisch.

Tangerhütte l Es war ein Kraftakt, den angeschlagenen Tangerhütter Gießereibetrieb "Techno Guss" nach Wirtschaftskrise und der Insolvenz eines Großkunden mit immensen finanziellen Einbußen wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen. Und nur ein Sanierungskonzept, in dessen Rahmen unter anderem die Gläubiger, in dem Fall mehrere Banken, auf einen Teil ihrer Forderungen verzichteten, konnte wieder für vernünftige Strukturen sorgen.

Ende 2013 sei die Lage in der mehr als 170 Jahre alten "Hütte", wie das Eisenwerk im Volksmund heißt, "prekär" gewesen, erklärt Geschäftsführer Rüdiger Schulz im Volksstimme-Gespräch. Auch das bedrohliche Wort Insolvenz soll im Raum gestanden haben. Dass der langjährige Leiter des Werkes jetzt wieder optimistischer in die Zukunft schauen kann, hängt vor allem aber auch mit Jamshid Yektai, Inhaber und Hauptgesellschafter der "TechnoGuss", zusammen.

Frisches Geld, um liquide zu bleiben

Jamshid Yektai holte schon im Jahr 2002 die Traditionsgießerei aus der Insolvenz heraus, jetzt hat er - gemeinsam mit seiner Familie - durch das Einlösen persönlicher Bürgschaften und einen neuen Kredit - rund 2,5 Millionen Euro für das Tangerhütter Werk zur Verfügung gestellt. Damit wurde der vereinbarte Teilschuldenerlass bei den Banken finanziert, aber auch die Eigenkapitalquote des Unternehmens erhöht, um liquide zu bleiben.

Ein Schritt, mit dem sich der gebürtige Iraner, der heute in Süddeutschland lebt, erneut sehr deutlich hinter den Traditionsstandort gestellt habe, wie Ortsbürgermeister Gerhard Borstell zusammenfasst.

"Er engagiert sich wiederholt für Tangerhütte und das berührt uns sehr", sagt er. Gerhard Borstell hatte in den vergangenen Monaten sehr intensiven Kontakt zum Werk gehalten, viele Gespräche geführt und mitgefiebert, dass das durch Externe erarbeitete Sanierungskonzept auch greift. Dass es Erfolg hatte, freut ihn ebenso wie Rüdiger Schulz. Dieser ist seit über 40 Jahren im Betrieb und tut viel dafür, dass der Traditionsstandort, in den seit 2002 rund 20 Millionen Euro investiert worden sind, auch in Zukunft Bestand hat.

Die Nachfolger für viele schon bald in den Ruhestand gehende Mitarbeiter werden bereits angeworben oder eingearbeitet. "Wir bauen eine echte Nachwuchstruppe auf", sagt Schulz. Von der Buchführung bis in die einzelnen Produktionsbereiche sind bereits junge Leute dabei, seit mehreren Jahren unterstützt das Unternehmen auch junge Fachkräfte im Studium, die sich dann an die "TechnoGuss" binden.

Die spezialisierte Handformgießerei, die nach Kundenwunsch arbeitet und hochmoderne Technik von den Kernschießautomaten bis zur Schmelztechnik verwendet, produziert derzeit rund 10 000 Jahrestonnen Guss für Antriebstechnik, Industriearmaturen und allgemeinen Maschinenbau rund um die Welt und hat noch Kapazitäten.

185 Mitarbeiter plus sieben Auszubildende sind derzeit im Werk beschäftigt. Ausbildungen werden in den Bereichen Gießereimechaniker und Modellbauer angeboten, die Unterstützung angehender Diplom-Ingenieure für Gießereitechnik ist Bestandteil des Unternehmenskonzeptes.

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