Stendal (mr) l Der gestrige Volksstimme-Bericht über die zugespitzte Personalsituation in der Rettungsleitstelle ruft die Politik in der Altmark auf den Plan: Vertreter von Linken und SPD fordern Sondersitzungen der Fachausschüsse. Beide Landräte verabredeten gestern, bei einem Treffen die aktuelle Lage zu beleuchten.

"Ich bin empört und entsetzt", sagte die Vorsitzende des Sozialausschusses des Stendaler Kreistags, Helga Paschke (Linke). "In unseren Sitzungen hat die Verwaltung mit keinem Wort angedeutet, dass es Engpässe gibt", kritisierte sie, dass damit die Möglichkeit vertan worden sei, "in aller Ruhe über die Probleme zu reden".

Paschke fordert verbindliche Standards

Paschke kündigte an, dass es "auf dem schnellsten Wege" eine Sondersitzung des Sozialausschusses geben werde -"das sind wir den Mitarbeitern der Rettungsleitstelle und der Bevölkerung schuldig". Noch vor der Bildung des neuen Kreistags müssten verbindliche Standards festgeschrieben werden. Die Klietzerin bedauerte, dass damit auch die Zusammenlegung "diskreditiert" werde: "Ich habe eine größere Leitstelle immer befürwortet, aber dieser Zustand ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker."

Der ehemalige Stendaler Landratsbewerber und aktuelle Kreistags-Spitzenkandidat der SPD, Lars Schirmer, forderte gestern "bei der Tragweite" eine Sondersitzung des Kreis-, Vergabe- und Personalausschusses. "Zusätzlich sollte dem neu konstituierten Kreistag in seiner ersten regulären Sitzung eine Auswertung zum Stand und den eingeleiteten Maßnahmen zur Verbesserung vorgelegt werden."

Dass es Anlaufschwierigkeiten bei einer Zusammenlegung gibt, ist für Salzwedels Landrat Michael Ziche (CDU) "nicht ungewöhnlich". Beide Leitstellen hätten früher "mit unterschiedlichen Systemen" gearbeitet. Ziche bekräftigte, dass eine personelle Ausstattung mit drei Kräften am Tag "unbedingt" abgesichert werden müsse. Bei akuten Engpässen an Wochenenden habe er gestern seinem Amtskollegen Carsten Wulfänger (CDU) geschulte Kräfte aus dem Raum Klötze angeboten.

Ziche: Gleicher Aufwand für den Rettungsdienst

"Wir wollen beim Rettungsdienst kein Geld einsparen, sondern betreiben ihn mit dem gleichen Aufwand wie bisher", betonte Ziche. Mit der Zusammenlegung könnten indes die höheren Kosten aufgefangen werden, die von den Kassen nicht mehr gedeckt werden.

Grundsätzlicher ist indes die Kritik der Bundestags- und Kreistagsabgeordneten Katrin Kunert (Linke): "Hier hat irgendwer seine Hausaufgaben nicht gemacht." Sie zielt dabei neben Landrat Wulfänger auch auf den Zweiten Beigeordneten Sebastian Stoll und erinnerte an dessen Berufung im Kreistag vor einem Jahr, bei der es um "Postenschacherei statt Kompetenz" gegangen sei: "Das Ergebnis sieht man jetzt."