Eine umfangreiche Abhandlung über den Treuel, den alten Elbbogen bei Bertingen/Rogätz, hat Hartmut Bernau mit Unterstützung von Albrecht Will in Buchform gebracht. Geologische, wasserbauliche, geschichtliche und ganz persönliche Betrachtungen.

Tangerhütte l Hartmut Bernau (71) aus Burgstall ist als Sohn eines Bäckers in Tangerhütte aufgewachsen. Für ihn wie für Generationen vor ihm gehörte neben dem idyllischen Briest und dem Stadtpark auch der Treuel bei Bertingen zu den beliebtesten Ausflugszielen in der Region. Als er mit der Ahnenforschung in seiner Familie begann, die ab 1650 in der Region auftauchte und zum Teil in Cröchern lebte, stieß er auch immer wieder auf diese besondere Fleckchen Erde.

Der Treuel verdankt seinen Namen dabei der Elbe und der Schifffahrt darauf. Das "Treideln" als Bezeichnung für das Stromaufwärts-Ziehen von Schiffen, die abwärts mit der Strömung unterwegs waren, wurde später zum "Treudel" und "Treuel".

In Zusammenarbeit mit dem Verein "Rogätzer Heimat- und Kulturfreunde" entstand aus seinen Nachforschungen und Interviews nicht nur eine Ausstellung zum Treuel, die im Rogätzer Klutturm zu sehen ist, auch eine Broschüre aus seinen gesammelten Informationen entstand bereits im Vorjahr, herausgegeben vom Rogätzer Verein.

In vielen Stunden Diskussion und Koordination, in denen der Tangerhütter Albrecht Will (Tangerbuchhandlung) Layout und Satz übernahm, aber auch bereichert durch viele Karten, geologische Erläuterungen und Grafiken sowie historische Aufnahmen aus privaten Archiven entstand jetzt eine zweite, in Buchform gegossene, Auflage. Ihr Titel lautet: "Der Treuel - Ein altmärkische Kleinlandschaft".

Enthalten sind neben Erzählungen Älterer, die noch die Fischerhütte am Bertinger Wald oder die schwimmende Schiffsmühle bei Rogätz kannten, auch Aufnahmen wie eine historische Postkarte vom Ausflugslokal "Sandkrug" am Treuel. Welche Bedeutung die Heuernte am Treuel früher hatte, denn durch die Mitbringsel der jahrhundertelang durchströmenden Elbe gab es dort besonders fruchtbaren Boden, und welche Auswirkungen die Elbregulierungen ab 1684 hatten, als der Durchstich durch die sogenannte Störlake die starke Krümmung der Elbe am Treuel begradigen und für die Schifffahrt einfacher passierbar machen sollte, werden erläutert.

Dass die Elbe mit ihrer starken Krümmung am Treuel, die immer wieder mit Eisverstopfungen und Gefahren durch Sandbänke kämpfte, dort Probleme machte, zeigte sich schon im 17. Jahrhundert mehrfach. Die Dörfer Rehhagen und Alt-Bertingen (Bertingen wurde später an anderer Stelle wieder aufgebaut), wurden 1679 von der Flut komplett zerstört. Eine Auflistung von Deichbrüchen und Überflutungen ist am Ende des Buches zu finden und dokumentiert auch die Überflutung der Tangertal-Dörfer vom Treuel aus in den Jahren 1855 und 1885.

"Die Tangerniederung ist ein altes Urstromtal, das bis nach Tangerrmünde reicht."

Hartmut Bernau

Dass sich das Wasser bei Überflutung oder Deichbruch am Treuel das Wasser in Richtung Tangerniederung sucht, ist für Bernau, der sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat, nicht verwunderlich. "Die Tangerniederung ist ein altes Urstromtal, das bis nach Tangermünde reicht und wenn es richtig losgeht, haben wir wieder über einen Meter Wasser in Tangerhütte."

Ein großes Kapitel widmet sich auch dem Kiesabbau, Material und einen kompetenten Gesprächspartner fand Bernau dabei in Wolfgang Haase, Betriebsleiter der Firma "Cemex Kies Rogätz". Er wird den historisch interessierten Burstaller, der sich bis heute selbst als "Tangerhütter" bezeichnet, auch am 21. Juni wieder unterstützen - mit einer Führung durch das Kieswerk.

An diesem Tag bietet Bernau ab 13 Uhr in Zusammenarbeit mit der Interessengemeinschaft "Natur und Geschichte" um den Tangerhütter Hobbyhistoriker Kurt Hübner eine Exkursion zum Treuel an. Auch die Besichtigung der Klutturm-Ausstellung ist geplant. Sein neues, jetzt erstmals in Buch gegossenes Werk "Der Treuel" will der Autor dann im September erstmals öffentlich präsentieren - in einer Lesung die natürlich in der Tangerbuchhandlung stattfinden soll.

Denn mit Albrecht Will habe er großartige Unterstützung bei der Erstellung des Werkes, das zunächst ein Manuskript in Papierform war, bekommen, sagt Bernau. Layout und Satz sowie die Umschlaggestaltung am Computer lagen dann in den Händen Wills. Dieser berichtet, wie ihn selbst das Thema mehr und mehr in den Bann zog: "Ich wusste früher kaum etwas vom Treuel." Und so wie Bernau selbst, der sagt, "Je länger man daran arbeitet, umso interessanter wird es!", sieht es auch Will.

Unterstützung hat Bernau auch von Ehefrau Ute sowie vom Rogätzer Heimatverein, aber auch von vielen anderen Seiten bekommen. Die ersten 50 Exemplare sind gedruckt und in der Tangerbuchhandlung zu bekommen - zum Preis von 14,95 Euro. "Ich habe das Buch aber eigentlich nicht zum Verkaufen gemacht, sondern zunächst für meine Familie, das erste wird mein Enkel - natürlich mit einer persönlichen Widmung - als Hinterlassenschaft seines Opas zur Jugendweihe bekommen", erzählt der frühere Burgstaller Lehrer für Sport, Biologie und Geografie.