Stendal l Jetzt wird alles anders, könnte man denken. Unter dem Thema "Familie" läutet das Stendaler Theater der Altmark eine neue Spielzeit ein. Und natürlich: es wird neue Inszenierungen geben, neue Premieren, neue Schwerpunkte - natürlich alles familienfreundlich, das verrät ja schon das Motto.

"Familie ist das Wissen, einen unverlierbaren Platz auf dieser Welt zu haben, an dem man immer willkommen ist, sei man Bettler oder Millionär", zitiert Theater-Intentdant Alexander Netschajew zu Beginn der Pressekonferenz die österreichische Psychotherapeutin Elisabeth Lukas. "Das ist natürlich genau das, was sich jeder von seiner Familie wünscht, aber nicht jeder hat", ergänzt er. Deswegen sind die neuen Stücke familienfreundlich angelegt. Das meint nicht nur, dass sie nett und seicht sind. Im Gegenteil.

Shakespeare-Kenner wissen, dass es in seinen Stücken oft hoch hergeht. Auch die große Liebe zwischen "Romeo und Julia" endet tragisch, weil sich der Familienfrieden einfach nicht einstellen will. "Trotzdem, die größte Liebesgeschichte der Welt darf natürlich nicht fehlen", findet Oberspielleiter David Lenard, der das Stück inszeniert. "Das ist auch eine unserer großen Premieren", erklärt Netschajew. Aber auch mit den "Buddenbrooks", inszeniert von Cordula Jung, holt eine große, tragische Familiensaga auf die Bühne.

Doch das TdA wäre nicht das TdA, wenn es nicht vielseitig wäre. Netschajew weiß natürlich genau, dass Dramatik allein die Stendaler nicht zufriedenstellt. "Abwechslung muss schon sein, das ist klar. Komödien kommen beim hiesigen Publikum sehr gut an", erklärt er. "Aber auch die klassischen Stücke sind sehr beliebt. Dass wir allerdings mit dem Stück `In Zeiten des abnehmenden Lichts` so einen Riesenerfolg hatten, hat uns selbst überrascht. Deswegen werden wir das Stück auch weiterhin anbieten, auch bei Gastspielen außerhalb des Theaters."

Familienzwist und andere Streitigkeiten

Aber nicht nur das Stendaler Publikum, auch die Stadt als Träger des Theaters weiß, was es an seinem kulturellen Spielhaus hat. Nachdem der Stadtrat eine feste, finanzielle Grundlage in Aussicht gestellt hat, haben sich die Gemüter des Theater-Ensembles beruhigt, auch wenn sich an der Arbeit selbst nicht viel ändern wird. "Große Sprünge können wir nach wie vor nicht machen. Den Spargedanken haben wir immer im Hintergrund", sagt der Intendant. Dennoch habe man ihm mit der Finanzierung eine Last von den Schultern genommen, "weil jetzt wenigstens die Unterfinanzierung aufgehört hat. Ich bin sehr froh, dass sich die Stadt Stendal so für uns eingesetzt hat".

Übrigens, das wollte er noch anmerken, sei er auch sehr begeistert davon, dass die Stendaler das Jugendtheater so gut annehmen. Das Musical "Oliver", sei vier Mal so gut wie ausverkauft gewesen. "Ein Zeichen dafür, dass wir auch auf die Jugend setzen werden. Das wird sich nicht ändern." Was sich auch nicht ändern wird, ist die Parkplatzsituation gegenüber des Theaters. Was mit der brach liegenden Freifläche, die in städtischer Hand ist, passieren wird, ist noch unklar. "Das ist schon komisch", findet Netschajew. "Wenn man in einer Stadt wie Stendal ein Theater mit 500 Plätzen mitten im Stadtzentrum baut, sollte man auch bedenken, dass die Besucher irgendwo parken müssen, Selbst unsere Gastkünstler fragen uns immer wieder, wo sie parken können. Es ist schon peinlich, dass wir ihnen keine Antwort geben können."

So bleibt eben trotz vieler neuer Premieren auch vieles noch beim Alten.

Mehr Infos unter: www.tda-stendal.com

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