Der Absprung von rund 300 Fallschirmjägern über dem Klietzer Truppenübungsplatz sollte gestern einen der Höhepunkte der derzeit im norddeutschen Raum stattfindenden Großübung "Jawtex" bilden. Dichte Wolken machten der Planung einen Strich durch die Rechnung.

Klietz l Die Enttäuschung ist groß! Nicht nur bei den Soldaten, die schon in voller Montur und den fünf Transport-Flugzeugen sitzen und auf dem Weg nach Klietz sind, sondern auch bei der versammelten Presseschar. Auf dem Feldflugplatz warten sie mit Fotoapparaten und Kameras darauf, dass ein Dröhnen in der Luft von den nahenden Flugzeugen kündet, Fallschirmjäger zum Sprung ansetzen und in sicherem Abstand vor ihnen landen. Zunächst heißt es nur, dass sich die Ankunft aufgrund der Witterungsverhältnisse verzögert. Doch dann tritt Brigadegeneral Gert Gawellek vor die Beobachter und teilt mit, dass der Absprung nicht erfolgen kann. "Die Luftwaffe hat das so entschieden." Die dichten Wolken hängen zu tief und man dürfe die Gesundheit der Soldaten nicht gefährden. Das sei auch für die Fallschirmjäger enttäuschend, "denn auch für die Soldaten ist so eine Übung nicht alltäglich". Presseoffizier Hauptmann Philipp Graf ergänzt, dass bei Absprüngen ein paar verstauchte Knöchel einkalkuliert werden, "aber unter diesen Bedingungen ist die Gefahr, dass Schlimmeres passiert, einfach zu groß".

Feldflugplatz wird trotzdem "angegriffen"

Auch, weil der Springer bei so einem Automatiksprung aus 400 Metern Höhe den Fallschirm kaum steuern kann - bei einer Übung müssen deshalb alle Bedingungen stimmen, um das Risiko so gering wie möglich zu halten.

Das Übungsszenario hatte vorgesehen, dass zunächst per Hubschrauber in großen Paketen Waffen und Munition abgeworfen werden. Aus fünf Flugzeugen fliegen dann rund 300 Soldaten an und springen in drei Landezonen ab. Sie formieren sich und begeben sich zu ihrem Ziel: ein Feldflugplatz, der von feindlichen Kräften besetzt ist. Er soll im Gefecht zurückerobert werden.

Ohne die erhofften Fotos und Filme mussten die Gäste den Platz wieder verlassen. Die Übung allerdings geht weiter. Wieder am Boden am Stützpunkt der Brigade im niedersächsischen Hohn, müssen sich die Fallschirmjäger in Bussen nach Klietz begeben. Gut fünf Stunden nimmt die Fahrt in Anspruch. Die Soldaten werden auf der Freifläche, auf der sie eigentlich am Vormittag landen sollten, abgesetzt. Und dann geht alles so weiter wie geplant.

Bis Ende der Woche dauert die Übung noch an. Involviert sind über 100 Luftfahrzeuge und 1280 Soldaten der Luftwaffe, 1100 Soldaten des Heeres und 500 Marinesoldaten auf drei Schiffen. Elf Nationen sind beteiligt. Das Üben von gemeinsamen Verfahren ist Anliegen von Jawtex.

Neuer Kommandant ab Juni im Einsatz

Zu den Beobachtern gehörte neben ausländischen Soldaten, die gegenwärtig in Deutschland ausgebildet werden, auch der Kommandant des Klietzer Truppenübungsplatzes, Oberstleutnant Roman Jähnel. Er ist seit Herbst 2013, als Oberstleutnant Jörg Wiederhold unverhofft die Leitung des Truppenübungsplatzes in Bergen übernehmen sollte und Klietz verlassen musste, mit der Verantwortung über die drei zur Kommandantur gehörenden Plätze Klietz, Altengrabow und Lehnin beauftragt worden. Nun ist die Nachfolge geklärt: Am 19. Juni wird Oberstleutnant Michael Vormwald, zuletzt Stellvertreter in Bergen, Kommandant in Klietz.

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