Sollte die Raks AG die offenen Forderungen der Stadtwerke nicht bis zum 30. Juni begleichen, wird am 1. Juli das Trinkwasser abgestellt. Das ist das Ergebnis einen Runden Tisches, der gestern zusammenfand.

Stendal l Die Stadtwerke machen Ernst. Nachdem bereits seit Anfang April Warmwasser und Fernwärme abgestellt sind und in der vergangenen Woche der Allgemeinstrom, der unter anderem fürs Treppenlicht sorgt, gesperrt wurde, steht nun die nächste Eskalationsstufe bevor. Bei einem Runden Tisch, an dem Vertreter der Stadt, des Landkreises, der Stadtwerke und Stendaler Vermieter teilnahmen, wurde gestern festgelegt, dass die Stadtwerke die Raks AG letztmalig auffordern, die offenen Zahlungen zu leisten und angemessene Sicherheit für künftige Leistungen zu stellen. Mittlerweile ist von einer sechsstelligen Summe im mittleren Bereich die Rede. Erfolgt die Zahlung nicht bis zum 30. Juni, wird am 1. Juli das Trinkwasser abgestellt. Die Trinkwasserversorgung erfolgt dann nur noch über Nothydranten. Vom Eigentümer der Vermieter in Süd, der Raks AG, war kein Vertreter erschienen.

Umzugswille ist nicht sehr groß

Daniel Jircik, Geschäftsführer der Stendaler Wohnungsbaugesellschaft (SWG), hat volles Verständnis für die Stadtwerke. Schließlich hätten sie die Leistung erbracht und müssten dafür bezahlt werden. Bekämen sie die Summe nicht von den Vermietern, "zahlen irgendwann wir alle durch höhere Strompreise".

Die SWG hat Mitarbeiter in das Wohngebiet geschickt, um Kontakt zu Mietern aufzunehmen und ihnen eine andere Wohnung anzubieten. Dabei mussten sie allerdings feststellen, dass der Umzugswille nicht sehr groß ist. Das kann Jircik nicht nachvollziehen. "Die sagen, dass sie ihren Wohnungsstrom ja bezahlen und sich behelfen können", hat der SWG-Chef erfahren. Im Sommer möge das ja noch gehen, aber wenn wieder kältere Tage kommen, könnte es wieder ungemütlich werden. Zumal nicht abzusehen sei, ob und wann eine Zahlung an die Stadtwerke erfolgt und wann es das nächste Mal zu solch einer misslichen Situation kommt.

Sondersprechstunden der Großvermieter

Auch Mieter, die in der Vergangenheit Zahlungsschwierigkeiten bei der SWG hatten, werden nicht ausgeschlossen. Ratenzahlungen nannte Jircik als Beispiel für das Entgegenkommen, dass die SWG gerade auch als kommunale Gesellschaft zeigen will. Es gibt allerdings eine Ausnahme. "Wer wegen Verhaltensauffälligkeiten, sei es eine Tür eingetreten, den Nachbarn geschlagen oder einen SWG-Mitarbeiter beleidigt zu haben, gekündigt wurde, der bekommt nie wieder eine Wohnung von uns", erklärte Jircik und fügte hinzu: "Und dabei bleibe ich."

In den kommenden Tagen werden weitere Großvermieter Sondersprechzeiten in Süd anbieten. Einig war sich der Runde Tisch, dass auf dem Stendaler Wohnungsmarkt ausreichend angemessener Wohnraum als Alternative zur Verfügung steht

Umzugswillige Süd-Stendaler, die Hartz-IV-Empfänger sind, können auch mit der Unterstützung des Landkreises rechnen. "Der Landkreis Stendal ist verantwortlich für Menschen, die Leistung nach dem SGB II und SGB XII erhalten", erklärte Pressesprecherin Angela Vogel auf Volksstimme-Anfrage. Daher werde es Hilfe beim Umziehen geben, die Form der Unterstützung werde im jeweiligen Einzelfall entscheiden.