Ein Spaziergang durch den Wildpark in Weißewarte ist ein Erlebnis. Was die wenigsten Besucher dabei mitbekommen: Der Betrieb der Anlage ist nach dem Hochwasser nur mit großem Kraftaufwand vom Personal möglich. Mitarbeiter und Förderverein warten auf Geld vom Land.

Weißewarte l Im Sommer 2013 stand im hinteren Teil des Wildparkes Weißewarte noch das Elbewasser, da war der vordere Teil schon wieder geöffnet. Annette Friedebold, Leiterin der Einrichtung, und ihr Team wollten zeigen, dass es weitergeht. Es geht weiter, allerdings seit dem Hochwasser im Juni nur mit einem wesentlich größeren Aufwand an Arbeit. Der Betrieb des Naherholungsgebietes ist nur unter eingeschränkten Bedingungen möglich, denn bisher konnte nur das Notwendigste provisorisch repariert werden. Nach und nach zeigen sich nun aber auch die Folgeschäden der Nässe.

Unterstände für Tiere drohen einzustürzen

Der Wildpark-Fördervereinsvorsitzende Siegfried Arndt macht während eines Rundganges auf die Hochwasserschäden aufmerksam. Gleich gegenüber dem Kassenhäuschen fault der Unterboden des Bahnhofs der Wildparkeisenbahn vor sich hin. Ein paar Meter weiter zeugen Risse im Mauerwerk vom Absacken der Vogelvoliere. Die schwere Technik, mit der gleich nach dem Hochwasser gearbeitet werden musste, zerstörte die Wege. Am Mauerwerk der meisten Gebäude sind unschwer die Schäden durch das Wasser zu erkennen. Viele der Unterstände für die Tiere stehen in Schieflage oder drohen ganz einzustürzen, auch das Storchenhaus kann nicht mehr gerettet werden. Holzpfähle für die Zäune, darunter die für das Luchsgehege, sind durchgefault, versagen ihre Dienste. Der einstige Kräutergarten ist ohne Kräuter, zahlreiche Bäume und Sträucher überlebten die dauerhafte Nässe ebenfalls nicht, die Aufzählung ließe sich fortsetzen.

Der Tierbestand blieb dagegen weitgehend unbeschadet, konnte Annette Friedebold versichern. Nur bleiben in diesem Jahr die Frischlinge aus. Der für den Nachwuchs zuständige Keiler nutzte die "Gunst der Stunde" und trollte sich in den Wald davon.

Spendengelder wurden umgeschichtet

"Unmittelbar nach dem Hochwasser schätzte ein Gutachter den Schaden auf etwa 700 000 Euro", so Arndt. Das Ausmaß der Folgeschäden könne noch nicht beziffert werden, immer wieder treten neue zutage. "Wir haben noch ein Jahr Zeit, um das zu melden", sagt Arndt.

Nicht zufrieden ist er damit, nach wie vor auf die Mittel aus der staatlichen Hochwasserhilfe warten zu müssen. Bereits im Oktober habe die Stadt für den Wildpark rund 600 000 Euro beantragt, eingetroffen sei bisher noch kein Cent.

Rund 41 000 Euro seien bisher trotzdem in die Hand genommen worden, damit es überhaupt weitergehen könne. Zäune wurden notdürftig repariert, der Fußboden des Kassenhäuschens ausgewechselt das Sozialgebäude bekam neue Türen. Allein 11 000 Euro flossen in das Dach der Limikolen-Voliere. "Das war mehr als nötig, der Waschbär hatte sich zuvor schon bedient", begründet Arndt die Investition.

Das bisherige Geld stamme zum Großteil aus Spendenmitteln. Sehr viele der Spender hätten das Geld persönlich vorbei gebracht, wollten es in Futter beziehungsweise in den Ersatz von Tieren investiert wissen, berichtet Arndt. Die Geber hätten sich darauf verlassen, dass für die Beseitigung der direkten Hochwasserschäden die staatliche Hand greife. Nun mussten diese Spenden erst einmal zweckentfremdet, umgeschichtet werden.

Gleiches gilt für 10 000 Euro, die aus der eisernen Reserve des Fördervereins stammten. "Auch das Geld hatten wir für Futter und Tierersatz zurückgelegt", so Arndt. Auch Ersatzneubauten oder Werbematerial sollten damit finanziert werden. Nun sei die Reserve erst einmal aufgebraucht, damit sich der Wildpark überhaupt über Wasser halten kann. Wann endlich die ersten staatlichen Hilfen aus Magdeburg eintreffen? Arndt ist überfragt. Er betont, dass keine "Schlösser" gebaut werden sollen. Es gehe lediglich um die Instandsetzung nach gängigen Standards.

Die Zebus bekommen ein neues Haus

Gleichzeitig machte er darauf aufmerksam, dass durch die Hilfe vieler Wildparkfreunde bereits eine Summe gespart wurde, die wahrscheinlich größer ausfalle als die bisher investierte. Hunderte von Helfern beteiligten sich an Arbeitseinsätzen, räumten auf, wechselten den Sand auf dem Spielplatz, reparierten notdürftig, strichen Gehege und brachten oft Farben und andere Materialien selber von zu Hause mit. Die Autoskooter-Bahn sei beispielsweise das Ergebnis solcher Initiative. Ein Mann opferte für den Wiederaufbau seinen Jahresurlaub.

Auch die Materialspenden von Firmen halfen weiter. Jüngst kam so beispielsweise das Bauholz für ein neues Zebu-Gehege, demnächst soll es errichtet werden. Die Wildparkmitarbeiter und die Freunde des Wildparkes werden sich also weiter durchwursteln wie bisher. Die Hoffnung, dass endlich Geld vom Land kommt, damit Nägel mit Köpfen gemacht werden können, bleibt aber.

   

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