Seit 2008 ist ein riesiger Windpark mit 48 "Mühlen" südlich von Stendal zwischen Buchholz, Lüderitz und Windberge in Planung. Seit der Gemeindegebietsreform wird Stendal von diesen Plänen direkt berührt: Sechs der Windräder sollen im Bereich Buchholz und damit auf dem Gebiet der Hansestadt stehen.

Stendal. Auch wenn Susann und Thomas Schwarzlose von Seiten des städtischen Planungsamts nicht gerade Entgegenkommen gespürt haben – sie sind zuversichtlich, dass sich demnächst auch in Buchholz Windräder drehen werden. Das Ehepaar, das das Planungsbüro FEFA in Hohenberg-Krusemark betreibt, ist seit 2008 mit der Projektierung eines der größten Windparks im Landkreis Stendal befasst. 48 Räder sollen zwischen Buchholz und Windberge beiderseits der B 189 und womöglich der A 14 rotieren und 336 Millionen Kilowattstunden Strom – ausreichend zur Versorgung von 96 000 Haushalten – produzieren. Sechs dieser Windmühlen werden auf Buchholzer und damit Stendaler Flächen stehen.

Deshalb unterrichteten die beiden Schwarzloses in dieser Woche den Ausschuss für Stadtentwicklung über ihre Pläne, deshalb müssen sie mit der Hansestadt einen Gestattungsvertrag abschließen. Und da gebe es wohl Differenzen mit dem Planungsamt, wie sich Thomas Schwarzlose vor dem Ausschuss beschwerte. "Wir könnten das Ding einfach durchklagen", sagte er. Er sei aber mehr für ein Einvernehmen. Immerhin habe das Amt den Vertrag jetzt an die Kommunalaufsicht weitergeleitet, was er als Fortschritt bewertete.

Die beiden Planer schilderten dem Ausschuss verlockende Aussichten – wenn auch nicht unbedingt auf die samt Rotorblättern 150 bis 180 Meter hohen Windräder, die auch von Stendal aus gut zu sehen sein werden. Mindestens 1000 Meter Abstand zu den Rändern der Orte sind allerdings vorgeschrieben "Das sind hohe, weithin sichtbare Bauwerke. Das streiten wir nicht ab", sagt Thomas Schwarzlose. "Aber sie liefern umweltfreundlichen Strom." Und – das sind die verlockenden Aussichten – Geld, auch für Grundstückseigentümer und Kommunen.

Schwarzlose spricht von 750 Flurstücken und 450 Eigentümern, die im gesamten Gebiet des Windparks betroffen sind und mit denen Pachtverträge abgeschlossen wurden. Insgesamt können sie, wenn sich die Räder irgendwann drehen, Jahr für Jahr mit 1,9 Millionen Euro Pacht rechnen. Die Kommunen wiederum können, wenn auch erst nach mehreren Jahren, Einnahmen aus Gewerbesteuern einplanen. Mindestens 70 Prozent der Gewerbesteuer, erklärten die Planer aus Hohenberg-Krusemark, müssen die Betreibergesellschaften des Windparks dort zahlen, wo sie ihren Strom produzieren. Schließlich würde auch noch Arbeit in die Region kommen, denn die Anlagen müssten alle halbe Jahre gewartet werden.

Das gesamte Investitionsvolumen des Windpark bezifferten sie mit 250 Millionen Euro.