Stendal l Bereits seit vielen Jahren wird zum Schauspiel unter freiem Himmel im lauschigen Gerberhof eingeladen, jetzt feierte "Eine Mittsommernachts-Sex-Komödie" Premiere. Entstanden ist das Stück nach dem gleichnamigen Woody-Allen-Film, der wiederum - man ahnt es -angelehnt an Shakespeares "Sommernachtstraum" ist.

Angelika Hofstetter, vielen als Schauspielerin am TdA bekannt, hat für dieses Stück die Seiten gewechselt und Regie geführt. Um es gleich vorweg zu nehmen: Sie hat mit ihrer Inszenierung ins Schwarze getroffen.

Gar nicht so seicht, wie es am Anfang scheint

"Eine Mittsommernachts-Sex-Komödie" hat alles, was ein Sommerstück braucht. Es ist witzig und es ist leichte, jedoch nicht seichte Kost. Außerdem liegt man mit dem Thema rund um Liebe und Sex nie falsch, ist es doch stets aktuell, und jeder kann mitreden.

Die Handlung erscheint zunächst recht übersichtlich: Die Paare André und Adrian, Maxwell und Dulcy, Leopold und Ariel treffen sich in einem Landhaus. Allerdings könnten die sechs Personen unterschiedlicher nicht sein.

Gastgeber André (urkomisch: Maik Rogge) ist ein liebenswerter, etwas verschrobener Typ, seine Gattin Ariel leicht naiv und bieder (herrlich gehemmt: Annett Siegmund).

Der erfolgreiche Arzt Maxwell auf der anderen Seite ist ein notorischer Frauenheld (charmant jungenhaft: Michael Putschli), dessen Motto lautet: "Die Ehe ist der Tod der Hoffnung." Die blutjunge Krankenschwester Dulcy seine sexy und offenherzige Gespielin (wunderbar unbeschwert: Simone Fulir).

Das dritte Pärchen besteht aus dem älteren, vergeistigten Professor Leopold (grandios selbstverliebt rezitierend: Volker Wackermann) und seiner schönen Ariel (musenhaft: Michaela Maxi Schulz).

Schräge Figuren, pointierte Bemerkungen

Es dauert nicht lange, bis in dieser Mittsommernacht ein aberwitziger Reigen aus Verlieben und Entlieben, Hoffnung und Enttäuschung, Offenbarungen und Vertuschungen einsetzt. Ein Verwirrspiel erster Güte entwickelt sich. Die Zuschauer kommen oftmals kaum mit dem Lachen und Schmunzeln hinterher. Das Finale schließlich ist ein glückliches Ende der besonderen Art. Die sechs Schauspieler der "Mittsommernachts-Sex-Komödie" sind durchweg sehr überzeugend in ihren Rollen. Über all dem bunten Treiben stets der typische Woody-Allen-Humor: trocken, sehr pointierte Bemerkungen. (André: "Vielleicht sollten wir zu einem Hypnotiseur gehen? Dann könnten wir wieder anfangen miteinander zu schlafen. Du wärst allerdings dann in Trance!")

Angelika Hofstetter hat ihre Sommernacht in die DDR der 70er Jahre verlegt. Die 70er Jahre sind eine stimmige Entscheidung der Regie. Ausstatter Mark Späth hat neben den Kostümen für diverse Spielstätten rund um den Gerberhof gesorgt: Haus, Waldlichtung, Pool, Ufer... alles ist vorhanden auf kleinstem Raum.

"Eine Mittsommernachts-Sex-Komödie" verspricht einen sehr amüsanten Abend in wunderschöner Atmosphäre. Hingehen!

Nächste Vorstellungen im Gerberhof sind am: Donnerstag, 29. Mai, 18 Uhr, Freitag, 30. Mai, 20 Uhr und Sonntag, 1. Juni, 18 Uhr; Karten unter: 03931/635777