Auf Verkehrseinschränkungen bis mindestens zum Ende des Jahres müssen sich Kraftfahrer in Stendal einstellen. Anfang kommender Woche starten umfangreiche Bauarbeiten in der Osterburger Straße.

Stendal l Die Altmarkmetropole befreit sich von einem Nadelöhr. Die Bahnunterführung in der Osterburger Straße, die vor mehr als 120 Jahren entstand und inzwischen mit ihren Fahrbahnenge von lediglich fünf Metern zum Verkehrshindernis avancierte, wird geweitet. Möglich macht es eine neue Eisenbahnbrücke. Der 1700-Tonnen-Koloss, der neben der Gleisanlage in der Mannsstraße vorgefertigt wird, soll Anfang August einschweben und installiert werden.

"Das Einschieben der Brücke selbst wird zwischen anderthalb und zwei Stunden dauern", erklärt Thomas Weigl. Wie der Projektleiter der Deutschen Bahn (DB) berichtet, sei für die Brückenerneuerung eine Totalsperrung auf der Eisenbahnstrecke Stendal-Wittenberge vom 1. bis zum 11. August vorgesehen. In dieser Zeit sind Abriss der alten Brücke, der Neuaufbau und weitere Arbeiten wie Kabelverlegungen und Wiederherstellung der Oberleitungen vorgesehen. Am 11. August sollen dann die erste Züge über die neue Brücke rollen.

"Die Gesamtfertigstellung ist für den 15. Mai 2015 vorgesehen."

Helmut Trommer, Tiefbauamt

"Das ist eine stramme Terminschiene. Das ist eine anspruchsvolle Technologie", ist sich Weigl bewusst. Mit der neuen Brücke wächst die Breite des Durchlasses von 7 auf 13,20 Meter. 7,20 Meter davon misst die Fahrbahn, so dass sich dort zukünftig Fahrzeuge problemlos begegnen können.

Der Brückenbau ist eingebettet in den letzten Sanierungsabschnitt der Osterburger Straße. 450 von insgesamt 6000 Meter stehen noch aus. Sie umfassen die Strecke zwischen Borghardtstraße und Straße der Demokratie. Fahrbahn, Rad- und Fußwege werden ebenso erneuert wie Regenwasser- und Abwasserkanal, Sicherheitsstreifen und Parkflächen angelegt. Das braucht seine Zeit. "Die Gesamtfertigstellung ist für den 31. Mai 2015 vorgesehen. Ziel ist es, dass die Osterburger Straße bis zum Ende dieses Jahres einseitig befahrbar ist", sagt Helmut Trommer, Sachgebietsleiter im Stendaler Tiefbauamt.

Das deutet die Dimension der Straßenbauarbeiten und der Auswirkungen auf den Verkehr an. Immerhin passieren durchschnittlich rund 9000 Fahrzeuge täglich die Osterburger Straße, machen sie damit zu einer der wichtigsten Verkehrsadern Stendals. Und die wird nun für Monate teilweise abgeklemmt.

Nachdem seit April Stadtwerke und Abwassergesellschaft vorbereitende Arbeiten nahe der Brücke vornehmen, soll es nun am Montag, 2. Juni, in die Vollen gehen. Dann ist die Osterburger Straße zwischen Pappelweg und Straße der Demokratie nur noch einseitig, nämlich stadteinwärts, befahrbar. In die andere Richtung, also von Süd nach Nord, dürften Ortskundige den Weg über Bergstraße, Galgenberg und Pappelweg nehmen.

Trommer orientiert auf eine großräumige Umleitung über die B 189 und die Arneburger Straße. Zum einem, weil die Durchlässigkeit der innerörtlichen Ausweichstrecke eingeschränkt ist. Zum anderen, weil die Verkehrseinschränkungen noch wachsen. So wird ab 16. Juni die Osterburger Straße zwischen Mannsstraße und Straße der Demokratie dicht gemacht, müssen Fahrzeuge aus Richtung Borstel über Mannsstraße und Bergstraße die Innenstadt ansteuern. Damit ist es ab 10. Juli auch vorbei. Dann ist die Osterburger Straße im Bereich zwischen Pappelweg und Straße der Demokratie komplett gesperrt.

"Das bedeutet auch für den Busverkehr erhebliche Veränderungen."

Hans-Dieter Schröter, Stendalbus

"Das bedeutet auch für den Busverkehr erhebliche Einschränkungen und Veränderungen", macht Hans-Dieter Schröter von Stendalbus deutlich. Das betrifft die Stadtlinien 901, für die im Zuge der Bauarbeiten eine Ersatzhaltestelle in Krankenhausnähe eingerichtet wird, 902 und 903 sowie die Linie 950 von Stendal nach Osterburg/Seehausen, die über den Galgenberg geführt werden muss.

Für Schröter und seine Kollegen von Stendalbus keine leichte Situation, aber eine die sie mit dem Wissen in Kauf nehmen, dass das Nadelöhr Eisenbahnbrücke beseitigt wird.