Lydia Bäthge hat bewiesen, dass Frauen im Handwerk durchaus was erreichen können. Das Bundesbildungsministerium fördert ihre Meisterausbildung mit 6000 Euro.

Stendal l In ihrer Werkstatt zwischen Schraubstock und Gelenkorthesen ist Lydia Bäthge ganz in ihrem Element. Die 24-jährige Orthopädietechnikerin aus Osterburg arbeitet seit sechs Jahren im Atelier für technische Orthopädie (AtO) in Stendal. Dort hat sie auch ihre Ausbildung gemacht. Die Gesellenprüfung bestand sie mit "sehr gut" und erhielt dafür ein Weiterbildungsstipendium des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Damit sollen begabte Absolventen einer Lehre, die nicht älter als 25 Jahre sind, unterstützt werden.

"Da musste ich mich ranhalten, ich werde ja bald 25", sagt Lydia, die sich bis dahin noch nicht sicher war, ob sie ihren Meister tatsächlich in Angriff nehmen will. Allerdings gebe es in der Branche keine andere Aufstiegschance.

Nach dem Abitur eine Lehre begonnen

Nach ihrem Abitur stand für Lydia fest, dass sie im Handwerk arbeiten möchte. Sie absolvierte ein Praktikum im AtO und begann daraufhin eine Lehre in dem Betrieb. "Man muss schon hinterher sein, wenn man die Prüfungen gut bestehen möchte", meint Lydia. Eine gewisse handwerkliche Begabung sei unabdingbar, neben Mathe müsse auch Anatomie gepaukt werden.

Als Gesellenstück fertigte Lydia einen Allgöwer-Apparat, eine Form der Beinschiene zur Entlastung von Unterschenkel und Fuß. "Dass ich meine Gesellenprüfung sehr gut bestanden hatte, ging automatisch ans Ministerium weiter", erinnert sich die 24-Jährige. Den Förderungsantrag stellte sie im Dezember 2013 und erhielt im Februar 2014 die Zusage. Mit maximal 6000 Euro wird die Orthopädietechnikerin vom Ministerium in ihrer Meisterausbildung unterstützt. Der Förderungszeitraum geht bis Dezember 2016. "Ein Ansporn für mich, bis dahin fertig zu werden", meint Lydia. Das Geld fließe in Fortbildungskurse sowie die damit verbundenen Spesen. Innerhalb der zwei- bis dreijährigen Ausbildung werden Lydia zufolge rund 16000 Euro für solche Kurse fällig. Über ein Drittel der Kosten seien durch das Stipendium abgedeckt, den Rest müsse die junge Frau aus eigener Tasche zahlen. "Ich habe Meister-BAföG beantragt, damit sind bis zu 2000 Euro pro Jahr mehr drin", sagt sie.

Straffe Planung bis zum Meister notwendig

Damit sie ihr Ziel, bis 2016 den Meistertitel in der Tasche zu haben, erreicht, muss Lydia Bäthge straff planen. Die Weiterbildungsseminare finden zum Teil nur einmal im Jahr statt. "Wenn man da einmal krank ist, wird es schwierig, den Stoff nachzuholen", meint die Osterburgerin. Ganz nebenbei muss Lydia ja auch noch als Orthopädietechnikerin bei AtO arbeiten. Gerade repariert sie eine Oberarm-Unterarm-Schiene. Die Seminare muss sie eng mit ihrem Arbeitgeber abstimmen.

Lydia Bäthge möchte auch künftig gerne in der Altmark arbeiten. Sie hofft, auch als Meister weiter für AtO in Stendal tätig sein zu dürfen. Den Schritt in die Selbstständigkeit könne sie sich zwar vorstellen, dazu fehle ihr jedoch Kapital.