Das Unternehmen versucht den Mietern klarzumachen, dass nunmehr Rechnungen bei den Stadtwerken bezahlt wurden. Die Stadtwerke bestätigen den Eingang einer kleiner Summe.

Stendal l Der säumige Vermieter Raks AG in Stendal-Süd versucht ganz offensichtlich, beruhigend auf seine Mieter einwirken zu wollen, nachdem in der vergangenen Woche zwei Stendaler Wohnungsunternehmen offensiv Abwerbung betrieben haben und auch das Jobcenter Hilfe zum Umzug anbot (die Volksstimme berichtete). Mit zwei Anschreiben und Handzetteln an die "sehr geehrten Mieterinnen und Mieter" bezieht ein Vertreter der Raks AG Stellung zur Situation, in der die Stadtwerke am 15. Mai den Allgemeinstrom in den Häusern abgestellt und für den 1.Juli die Einstellung der Trinkwasserversorgung angekündigt haben.

Die Raks AG hat eine geringe Summe überwiesen

In einem der Schreiben an die Mieter behauptet die RaksAG, dass sie ihre Stromrechnung bei den Stadtwerken am 14.Mai beglichen habe. "Es gab einen Zahlungseingang", bestätigte Rolf Gille von den Stadtwerken. Von drei offenen Stromrechnungen sei allerdings nur eine ganz und eine zum Teil beglichen worden. Die Gesamtsumme der Überweisung bewege sich im niedrigen vierstelligen Bereich, so Gille, der bei den Stadtwerken für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Für die Stadtwerke habe es durch den Eingang des Geldes keine gravierende Veränderung gegeben, und es sei bei der Abschaltung des Allgemeinstroms geblieben. Auch die Unterbrechung der Trinkwasserversorgung werde wie angekündigt am 1. Juli erfolgen. Die Raks AG habe rund 141000 Euro an offenen Rechnungen gegenüber den Stadtwerken. "Das türmt sich jeden Monat weiter auf", sagte Rolf Gille der Volksstimme.

Es sei im vergangenen Jahr eine klare Vereinbarung mit dem Vermieter mit eindeutigen Zahlungsfristen getroffen worden. Diese Vereinbarung werde von der Raks AG nicht eingehalten, so Gille. Auch habe man keine Gesprächsbereitschaft erkennen können. Bei einem Runden Tisch zur Problematik in Süd, zu dem Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) eingeladen hatte, waren Vertreter des Landkreises, des Jobcenters, der Stadtwerke sowie der großen Wohnungsunternehmen am 21. Mai erschienen. Von der Raks AG war trotz Einladung kein Vertreter dabei.

Versorgung erst wieder bei "vollständiger Begleichung"

Bei den Stadtwerken wird nunmehr die Linie verfolgt, dass eine Versorgung mit Wärme, Strom und Wasser erst wieder erfolge, wenn die Außenstände vollständig beglichen sind. Für die rund 250 Bewohner der Raks-Blöcke wird es ab 1.Juli Hydranten für die Wasserversorgung geben. Der Runde Tisch gab die Empfehlung an die Mieter aus, ihre Ansprüche gegenüber der Raks zu prüfen und gegebenenfalls Miete oder Nebenkosten zu mindern.

Bei einer turnusgemäßen Gesellschafter- und einer Aufsichtsratssitzung wurden nach Angaben von Gille keine weiterreichenden Entscheidungen gefällt. Geschäftsführer Thomas Bräuer habe die Teilnehmer über die Situation informiert. "Es gibt ja Mitglieder aus Magdeburg, Gelsenkirchen und anderen Orten, die das Geschehen nicht durch die Presse verfolgen können", so Gille.