Geht es um Hochwasserschutz in Deutschland, ist das Hochwasser-Kompetenz-Centrum Köln die richtige Adresse. Das Infomobil machte am Mittwoch in Klietz Station.

Klietz l "Mir hat an Reinhard Vogt gefallen, dass er in Köln den Hochwasserschutz zusammen mit der Bevölkerung betreibt" erklärte Marina Hebekerl von der Bürgerinitiative für Hochwasserschutz im Elb-Havel-Winkel ihre Sympathie für den Leiter des Kompetenzzentrums. Sie hatte den Kölner bei einem Vortrag in Magdeburg erlebt und ihn daraufhin nach Klietz eingeladen.

Wie wichtig es ist, die Bevölkerung beim Hochwasserschutz mitzunehmen, erklärte der Kölner auf der Info-Veranstaltung im Klietzer Landguthotel. Beim Rheinhochwasser 1993 war in Köln ein Schaden von 75 Millionen Mark entstanden. Anderhalb Jahre später folgte das nächste Extrem, es war sogar noch höher - doch der Schaden betrug nur noch 32 Millionen Mark. Auch deshalb, weil die Betroffenen mitzogen. Ölheizungen wurden auf Gas umgestellt, Stromanschlüsse kamen aus dem Keller raus. Auch die Warnung wurde verbessert: Wer will, erfährt, ab welchem Wasserstand sein Grundstück geflutet ist.

Reinhard Vogt ist seit 1977 im Hochwasserschutz tätig, er leitet die Kölner Stadtentwässerungsbetriebe und ist im Ehrenamt Geschäftsführer des Kompetenz-Centrums HKC. In Köln wurde die erste mobile Schutzwand entwickelt, auch gibt es ein Konzept für den Hochwasserschutz. Je nach Wasserstand werden automatisch bestimmte Maßnahmen abgearbeitet - insgesamt sind es um die 5000.

Die Beteiligung der Bevölkerung ist für den Kölner das A und O. Und zwar schon vor den Planungen, erst dann werden diese akzeptiert. Er nannte als Beispiel die geplante Schaffung eines Überflutungsraumes, was wegen eines Mißverständnisses auf Widerstand stieß. Nach einem klärenden Gespräch war das Thema aus der Welt.

In den vergangenen Jahren investierte Köln immerhin 430 Millionen Euro in den Hochwasserschutz. Saniert wurden 65 Kilometer Deiche, es entstanden 11 Kilometer mobile Barrieren - die höchsten sind 4,2 Meter hoch, zwei Polder wurden geschaffen. Ein Polder allein bringt zwar nur wenig, aber die Masse zeigt Wirkung.

"Mit unseren Informationsveranstaltungen wird das Risikobewußtsein der Bürger immer wach gehalten", sagt Reinhard Vogt. Auf Märkten, bei Festen und sogar beim Karneval ist das Infomobil des HKC vor Ort, um über die technischen Schutzmöglichkeiten zu beraten. Zum Sandsack gibt es Alternativen: Plastcontainer, die zusammengesteckt werden. Oder Klappstützen, an die Paletten gelehnt werden - pro Stunde können einhundert Meter aufgebaut werden. Übers Internet kann jeder beim HKC erfahren, wie gefährdet sein Haus ist - dafür wurde der "Hochwasserpass" erfunden.

Die Warnung der Bürger erfolgt in Köln übers Internet, im Fernsehen und im Radio, alle halbe Stunde wird aus der Zentrale berichtet. Plakate werden ausgehangen, es gibt Durchsagen und Sirenenalarme. An einem Tag kann der Rhein um bis zu vier Meter ansteigen.

Vor Ort andere Erfahrungen

Ganz andere Erfahrungen mussten die Betroffenen im Vorjahr bei der Flut im Elb-Havel-Land machen. Manche erfuhren erst bei der nächtlichen Evakuierung von der Gefahr - zum Ausräumen des Hauses blieb keine Zeit mehr, enstprechend hoch war der Schaden. Und Landwirt Otmar Kapl in Scharlibbe bekam für seine 8000-er Schweinemastanlage unzutrefrfende und sich widersprecdhende Prognosen. Die einen sagten, seine Anlage sei nicht gefährdet, andere Prognosen gingen von einem Wasserstand bis zu eineinhalb Meter in den Ställen aus.