Menschen aus rund einem Dutzend Nationen haben sich in Stendal zusammengefunden, um gemeinsam zu beten und ihre Freizeit zu verbringen.

Stendal l Abdulgabar Saeed zieht sein Smartphone aus der Tasche. Darauf ist ein Kompass zu erkennen. "Die Nadel zeigt nach Mekka", sagt der junge Mann aus dem Jemen. Er arbeitet als Arzt in Stendal im Johanniter-Krankenhaus. Wie alle Moslems betet er Richtung Mekka. Ein Foto von der Heiligen Stätte, die sich in Saudi Arabien befindet, hängt an der Wand.

An diesem Freitag um 14 Uhr ist es voll im Stendaler Kulturzentrum der Islamischen Gemeinde an der Friedrich-Ebert-Straße 22. Dort, wo früher mal eine Diskothek beheimatet war und es auch mal einen Postdienst gab, befindet sich nun in den Hinterräumen des Café "Panorama" seit Ende des vergangenen Jahres ein Treffpunkt für Moslems. Sie sprechen nicht von einer Moschee, sondern lieber von einem Kulturzentrum. Auf ein Minarett werden sie ohnehin verzichten. "Wir wollen unsere Nachbarn nicht stören."

Früher existierte dort eine Diskothek

"Es war eine Glückssache, dass wir die Räume gefunden haben", sagt Mohamed Msaik, der zum Vereinsvorsitzenden gewählt wurde. Besonders die zentrale Lage im Stadteil Stadtsee freut ihn.

Seit dem 16. Mai ist die Islamische Gemeinde Stendal unter der Nummer 3854 im Vereinsregister des Amtsgerichts eingetragen. Rund 200Quadratmeter stehen dem Verein in den neuen Räumen zur Verfügung. "Wir haben alles umgebaut und selbst eingerichtet", erzählt Mohamed Msaik, der ebenfalls als Arzt in Genthin arbeitet. Neben einem großen Versammlungsraum, der mit kunstvoll geknüpften blauen Teppichen ausgelegt ist, gibt es eine Küche sowie einen separaten Gebetsraum für Frauen. Bislang mussten die Moslems der Umgebung auf Gemeinden in Berlin, Magdeburg und Wolfsburg ausweichen.

Der große Raum ist voller Männer, die sich hingekniet haben und mit dem Oberkörper schwingen und dabei beten. Nach einiger Zeit löst sich die Runde auf. Es wird Pfeffermintee gekocht. Einige Männer verschwinden gleich wieder, andere stehen in Gruppen zusammen, und wiederum andere hocken sich hin. Zwischendrin springen ein paar Jungen umher.

Freitags kommen 60 bis 70 Menschen zu Gebeten

"Es kann jeder zu uns kommen", sagt Mohamed Msaik. Und er meint damit nicht nur die zahlreichen Muslime aus Stendal und Umgebung. Auch interessierte Stendaler seien herzlich willkommen, sich ein Bild von den Räumlichkeiten zu machen.

Die Stendaler Gemeinschaft verfügt über einen Imam, ein religiöses Oberhaupt. Der Mann kommt aus Ägypten und ist gewissermaßen der Vorbeter. Insbesondere freitags kommen rund 60 Männer und einige Frauen. "Eigentlich müsste man derzeit bei Sonnenaufgang bereits um etwa 4Uhr hier sein", sagt Mohamed Msaik. Viele kommen aber erst in den Nachmittags- und Abendstunden.

Es sind Menschen aus rund einem Dutzend Länder, die sich dort treffen. Wenn nicht Arabisch gesprochen wird, dann verständigen sie sich auf Deutsch. "Wir sind den Deutschen sehr dankbar, dass wir hier sein dürfen", sagt Msaik. Viele der Menschen, die in das Kulturzentrum kommen, hätten in Ländern gelebt, in denen es große Konflikte gibt. "Da weiß man die Toleranz der Deutschen zu schätzen."

   

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