Der Stendaler Theaterpreis ist schon zu einer kleinen Institution geworden und wurde am Pfingstmontag feierlich an Angelika Hofstetter verliehen.

Stendal l "Sie sind unsere wahren Zuschauer und lassen sich selbst bei heißen Temperaturen vom Schauspiel unseres Ensembles gefangen nehmen", freute sich Stendals Theaterintendant Alexander Netschajew am Montag über das treue Publikum, das am Pfingstmontag in das Große Haus gekommen war. Die Besucher erlebten nicht nur die letzte Vorstellung von "Der Besuch der alten Dame", sondern verfolgten im Anschluss auch die Verleihung des diesjährigen Theaterpreises.

"Es geht nicht darum, den Besten zu küren, sondern die besonderen Leistungen eines Einzelnen stellvertretend für das ganze Team zu würdigen", sagte Daniela Frankenberg, Vorsitzende des Theaterfördervereins. Eine fünfköpfige Jury hatte sich im Vorfeld der Entscheidung alle Stücke der diesjährigen Spielzeit angesehen und konnte sich auf einen Namen einigen.

Bevor Jurymitglied Ulrich Nellessen den oder die Auserwählte verlas, erinnerte er an die Bedeutung von Bildung in der Gesellschaft. Zu dieser gehöre auch das Theater. "Wir sollten uns nicht vom Wort Subvention verleiten lassen, sondern die Förderung als Investition ansehen", sagte der Theaterfreund und bekannte: "Die Preisvergabe war keine leichte Entscheidung. Eigentlich hätte man den Preis elf Mal vergeben müssen - alle Schauspieler hätten ihn verdient." Sie würden die Bildung an den Mann bringen, auf der Theaterbühne, in Schulen, Kindergärten und an anderen Orten.

Stadt war im Theaternicht vertreten

Zu diesem Kreis der Bildungsarbeiter in Stendal gehört seit der Spielzeit 2011/2012 auch Angelika Hofstetter. Sie stand mit am Montag nicht nur als Claire Zachanassin in "Der Besuch der alten Dame", sondern auch als diesjährige Preisträgerin auf der Bühne. Die Jury hatte sie nicht nur mit der Leidenschaft für ihre Berufung "Theater", sondern auch mit der Liebe zur Sprache überzeugt. Das sei der zweite Preis, den ich erhalte. Den ersten hatte sie im Grundschulater bei einem Sportfest erhalten - da war sie dritte von Vieren geworden, sagte Hofstetter gerührt.

Die gebürtige Münchnerin steht seit 20 Jahren auf der Bühne und reiste für ihre Engagements quer durchs Land. Sie absolvierte ihre Ausbildung an der Schauspielschule in Hamburg. Es folgten Engagements am Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau, am Mainfrankentheater Würzburg und am Münchner Volkstheater.

Seit drei Jahren ist sie in Stendal und war unter anderem als Irina Umnitzer in "In Zeiten des abnehmenden Lichts", Fräulein Mondschein in "Die Drei von der Tankstelle" und Ruth / Krankenschwester in "Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt". Theater heißt für sie nicht nur auf der Bühne zu spielen, sondern Nähe zum Publikum. "Vieles ist heute zeitversetzt und die Kommunikation geht verloren", sagte sie. Ihr echtes Publikum bejubelte sie und kann sich auf den nächsten Streich der Schauspielerin freuen. Sie führte bei "Eine Mittsommernachts-Sex-Komödie" die Regie.

Ein Vertreter der Stadt war bei der Verleihung nicht dabei. "Aus Termingründen", hieß es aus dem Rathaus.