"Ritter Roland" wird am 20. Juni erstmals von seinem Sockel steigen und in einem Open-Air-Theaterspektakel seine Geschichte erzählen. Er tut das auch vor den Toren der Stadt Saragossa, die derzeit auf dem Hof des TdA entstehen.

Stendal l Bis vor gut zwei Wochen war es noch der Theaterhof. Dort wo Lieferfahrzeuge an die Rampe fahren, um Bühnenbilder für Tourneen zu verladen, dort wo Gastensembles des Theaters der Altmark ihre Requisiten "anlanden", steht der Betrachter nun "auf dem Platz vor den Stadttoren von Saragossa", behauptet Aud Merkel. Und schaut man auf die Rückfront des TdA-Gebäudekomplexes, die diesen "Platz" begrenzt, ist man geneigt, der Leiterin des TdA-Projektes "Ritter Roland" zu glauben.

Die Illusion ist nahezu perfekt

Von den weiß getünchten Wänden des Hauses ist kaum noch etwas zu sehen. Festungsmauern sind darauf entstanden, Säulengänge zu erahnen, so echt, dass man hindurchschreiten möchte. In der Ferne ragen Türme und Berge hoch auf. Palmen wachsen aus dem Nichts hinter der Stadtmauer von Saragossa. Ihre Wedel ragen über die Zinnen der Befestigungsanlagen. Das Hirn gaukelt dir vor, du stündest vor den Toren der Stadt vergangener Jahrhunderte.

Die Illusion ist nahezu perfekt. Es ist das Bühnenbild für das Open-Air-Theaterspektakel "Ritter Roland", das am Freitag kommender Woche Premiere haben wird. Geschaffen hat es der Graffiti-Künstler Michael Braune, einer der Besten seines Fachs, dessen Kunst ihn nach Mexiko ebenso wie nach Dänemark, nach Australien oder Portugal, nach Polen und Kuba führt.

Dass er nun in Stendal sein bisher größtes Projekt verwirklicht, hat wenigstens zwei Gründe. Erstens ist Braune in Stendal geboren (1976), sprayte in seiner Jugend hier, machte hier Abitur, zog von hier aus in die Welt und kehrte hierher zurück. Zweitens war es die Idee des Technischen Direktors des Theaters der Altmark, Andreas Lerch, das Bühnenbild als Graffito entstehen zu lassen. Beides traf sich, fand Unterstützer im Theaterförderverein und in der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt, und Michael Braune freute sich, so eine tolle Herausforderung angeboten zu bekommen. Seit zwei Wochen ist er dabei sie umzusetzen. Die eine Kunst - Braunes Graffiti - verwoben mit der anderen Kunst - der des Theaters. Ein Projekt, das zu präsentieren sich alle Beteiligten freuen. Und das sind ziemlich viele. Von rund 80 Akteuren spricht Projektleiterin Aud Merkel, die wenigsten von ihnen sind Ensemble-Mitglieder des Theaters der Altmark. Leute aus Stendal sind es, die in dem Stück über ihren Schutzpatron Roland mitspielen. Stolz auf die Geschichte ihrer Stadt wird mitschwingen. Die Akteure kommen aus verschiedenen kulturell aktiven Vereinen der Stadt, sie sind Karnevalisten, singen im Theaterchor oder gehören zu den "Junggebliebenen Altmärkern".

Zeit Karls des Großen wird lebendig

"Den letzten Hellebardenkrieger haben wir mit einem Zeitungsaufruf gefunden", sagt Aud Merkel lächelnd, und lädt ein zu einem kleinen Ausflug in die Welt von "Ritter Roland", dessen Geschichte das Open-Air-Theaterspektakel erzählt.

Eine Geschichte, die sich so oder ähnlich zugetragen haben könnte, denn sie basiert auf dem mittelalterlichen Rolandslied. Demnach war Ritter Roland ein Neffe von Karl dem Großen, jenes Herrschers, der im Jahr 778 mit seinem fränkischen Heer die Stadt Saragossa belagerte. Dorthin muss Roland, um den Segen Karls für die Hochzeit mit seiner geliebten Kunigunde zu erhalten.

So wird er am 20. Juni für die Premiere von "Ritter Roland" erstmals von seinem Sockel vor dem Rathaus steigen. Sein Weg nach Saragossa - in diesem Fall auf den Hof des Theaters der Altmark - wird nicht nur steinig, sondern mit Abenteuern gepflastert sein. Und dann, endlich vor den Toren Saragossas angekommen, Karl dem Großen und seinem Traum vom Glück mit Kunigunde so nah, muss er noch weitere Herausforderungen bestehen. Die Stendaler und alle altmärkischen Theater- wie Rolandfreunde und jeder Neugierige kann es live miterleben - erstmals am 20. Juni, nochmals am 22., 28. und 29. Juni, jedes Mal ab 19 Uhr und jeweils auch vor der traumhaften Kulisse, die Michael Braune auf die tristen Theatermauern gezaubert hat.

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