Stendal l Birgit Jaenecke weiß genau, wovon sie redet, wenn sie über Pubertät spricht. Die Sozialpädagogin in der Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Paritätischen erinnert sich zum einen gut an die Zeit, da ihre Tochter "morgens aufgestanden ist, das Gesicht zur Faust geballt". Zum anderen hat sie beruflich ebenfalls mit dem Thema zu tun. In ihrem Büro sitzen häufig Eltern, die sich nicht mehr zu helfen wissen, wenn das geliebte Kind mit einem Mal "völlig ausbricht".

Ein Patentrezept für den Umgang mit Pubertierenden hat Jaenecke leider trotzdem nicht. Sie kann jedoch informieren und Tipps geben. Und das ist es, worum es beim Elternfrühstück in der Osterburger Straße geht. Während Erziehende sich mit Brötchen und Kaffee stärken, können sie sich in angenehmer Atmosphäre austauschen. Und Rat bei Birgit Jaenecke und Mitveranstalterin Jenny Glistau, Psychologin in der Beratungsstelle, suchen.

Mehrere Jahre anhaltender Ausnahmezustand

Premiere feierte das Elternfrühstück im April mit dem Thema "Trotzphase". Damals war der Zuspruch derart groß, dass der Platz in der geräumigen Mansarde kaum reichte. Das zweite Elternfrühstück am Dienstagmorgen - mit dem schönen Titel "Vorsicht, Teenager in der Pubertät" - war weniger gut besucht, was vielleicht den vorangegangenen Feiertagen geschuldet war. Sicherlich jedoch nicht weniger informativ und hilfreich für "betroffene Eltern".

Durch die Pubertät, diesen "mehrere Jahre anhaltenden Ausnahmezustand" - wie der Psychologe Hartmut Kasten es nennt - müssen alle Jugendliche auf dem Weg zu ihrer Reife. Und damit auch alle, die mit diesen jungen Menschen zu tun haben. Bei den Mädchen beginnt diese Phase des körperlichen und seelischen Umbruchs im Durchschnitt mit 12, also zwei Jahre früher als bei ihren männlichen Artgenossen. Dementsprechend sind Mädchen meist mit 17 schon wieder "erträglicher", während Jungen oft noch mit 19 mittendrin stecken.

Bei einigen Jugendlichen verläuft die Pubertät beinahe unbemerkt, bei anderen muss man sich auf heftige Stimmungsschwankungen, mangelnde oder übertriebene Körperhygiene, undeutliches Vor-sich-hin-Grummeln, Beleidigungen, Regelverstöße und vieles mehr einrichten.

Dritte Veranstaltung soll im September folgen

Die beiden Veranstalterinnen machen klar, dass es nicht die Pubertät an sich gibt. Jeder Teenager reagiert beziehungsweise pubertiert anders. Und es gibt nicht den ultimativen Tipp für betroffene Mütter und Väter. Hier heißt es schlicht: Nerven bewahren. "Überhören Sie, was nicht unbedingt angesprochen werden muss. Halten Sie keine Vorträge!" sind zwei sicherlich hilfreiche Hinweise, die die Sozialpädagogin geben kann. Ebenso wie die Erinnerung, dass man nichts persönlich nehmen soll. "Das Kind grenzt sich nicht von Ihnen ab, sondern von Erwachsenen an sich!" Stattdessen sollten Eltern darauf achten, flexibler zu sein und dem Kind mehr Autonomie zu gewähren.

"Und in einigen Jahren mit etwas Abstand", so Jaenecke "kann man sich zurückerinnern: Weißt du noch wie du damals..." Ja, es gibt ein Leben nach der Pubertät! Diesen Trost konnten die Teilnehmer des Elternfrühstücks mit nach Hause nehmen. "Bis dahin braucht man viel Humor!", so das Fazit einer Mutter.

Im September wird voraussichtlich das dritte Frühstück stattfinden, ein Thema steht noch nicht fest.