Neben den Steuerhebesätzen (lesen Sie auch rechts auf dieser Seite) sind die Schuleinzugsbereiche das zweite Thema, an dem sich Stadträte und Verwaltung in der gegenwärtigen Ausschussrunde reiben. Im Kultur-, Schul- und Sportausschuss setzte es am Dienstagabend vielstimmige Kritik an den vorgeschlagenen Einzugsbereichsänderungen.

Stendal. Das Problem ist nicht mit einem Federstrich lösbar: Die Grundschullandschaft gerät mehr und mehr aus dem Gleichgewicht. Stendaler ziehen von einem Stadtviertel ins andere, in ländlichen Ortsteilen gibt es immer weniger Kinder – einmal festgelegte Einzugsbereiche sind nicht mehr in der Lage, den Bestand einer Schule zu sichern, oder sie überfordern die Kapazität einer anderen Schule.

"Wir wollen, dass alle Schulen in Stendal, auch die Landschulen, eine Chance haben", begründete Barbara Janssen vom Amt für Jugend, Sport und Soziales im Fachausschuss die Vorschläge für Änderungen in den Schuleinzugsbereichen. Sie sehen Verschiebungen vor allem zugunsten der nicht ausgelasteten, aber mit viel Aufwand sanierten Stadtseegrundschulen vor. Die Grundschule Nord, deren Kapazität herabgesetzt werden musste, um die beantragten Fördermittel für den Umbau zu bekommen, und die stark nachgefragte Ganztagsgrundschule an der Goethestraße würden im Gegenzug Einzugsbereiche verlieren.

Nicht jede vorgeschlagene Zuordnung einer Straße zu einer Schule ist in den Augen vieler Auschussmitglieder ein Glückstreffer. Roon- und Seestraße künftig in die Stadtseegrundschule statt in die Goethestraße? "Das kann so nicht bleiben", meinte Astrid Bleißner (FDP). Von einem "Sturm der Entrüstung" in ihren Dörfern sprach gar Christel Güldenpfennig, Ortsbürgermeisterin von Dahlen mit Dahrenstedt, Gohre und Welle. Statt in die Ganztagsgrundschule nach Stendal sollen die Kinder künftig nach Börgitz gefahren werden, "ans äußerste Ende des Stadtgebiets", wie Güldenpfennig protestierte.

Die Ortsbürgermeisterin und Stadträtin schlug vor, die Einzugsbereiche nicht so starr zu gestalten, sondern "am Rand" etwas durchlässiger zu machen. Das sah Marco Philipp, der Vorsitzende des Stadtelternrats, der im Ausschuss Rederecht erhielt, ähnlich. Wenn eine Schule noch freie Kapazitäten habe, müsse es ihr leichter gemacht werden, Kinder aus anderen Bereichen aufzunehmen, sagte er.

Wegen der großen Nachfrage plädierte FDP-Stadträtin Astrid Bleißner für eine zweite Ganztagsgrundschule in Stendal. Die Stadt würde schon wollen, aber die Zustimmung im Land sei nicht sicher, entgegnete Barbara Janssen. Die Verwaltungsmitarbeiterin versicherte, dass das Fachamt für alle Vorschläge in Sachen Schuleinzugsbereiche dankbar sei. Zwei Lesungen seien vorgesehen, Zeitdruck gebe es nicht.