Die alten Klärteiche in Kläden haben einst die Abwässer aus der Eigenheimsiedlung aufgenommen. Nach der politischen Wende bekam das Dorf ein Klärwerk. Die Teiche hatten ihre Funktion verloren und vertrockneten. Im vergangenen Jahr hatte ein Klädener Naturfreund eine Idee für das über fünf Hektar große Gelände. Jetzt tummeln sich etliche Wildvögel in dem Terrain.

Kläden l Der Boden ist lehmig und nach dem Gewitterguß vom Vortag aufgeweicht. Kein Untergrund für leichte Sommer-Sandalen. "Ich habe uns extra einen Weg freigeschlagen", erzählt Norbert Schwellnus (55) beim Gang entlang der ehemaligen Klädener Klärteiche. Nebenbei gibt er den Hinweis, das nächste Mal doch besser festes Schuhwerk anzuziehen.

Bis zur politischen Wende haben die insgesamt sieben Teiche die Abwässer der Eigenheimsiedlung aufgenommen. Geplant war sogar, das gesamte Dorf anzuschließen, wie Norbert Schwellnus erzählt. Doch mit dem Ende der DDR war auch das Ende der Klärteiche besiegelt. Kläden erhielt ein Klärwerk. Das über fünf Hektar große Gelände südlich der Ortschaft mit seinen sieben Teichen war sich seitdem zwei Jahrzehnte selbst überlassen. "Da standen meist nur noch 20 Zentimeter Wasser drin", erzählt Schwellnus. "Im Sommer waren die Teiche jedes Jahr komplett vertrocknet."

"Warum verläuft der Graben nicht über das Teichgelände?"

Norbert Schwellnus, Kläden

Im vergangenen Jahr hatte Norbert Schwellnus dann eine grandiose Idee. Entlang des eingezäunten Teichgeländes verläuft ein wasserführender Graben. Der Parkgraben kommt von Osten, ist zum Teil verrohrt, und mündet in den Beesegraben. "Der Graben läuft außen an den Teichen vorbei", überlegte Schwellnus und stellte sich folgende Frage: "Warum verläuft der Graben nicht über das Teichgelände?"

Den Überlegungen folgten Überprüfungen. Der Parkgraben führt nachweislich das ganze Jahr Wasser. Eine wesentliche Grundlage für das Vorhaben. Norbert Schwellnus nahm die Höhen von geplantem Ein- und Auslauf sowie von den Teichen. "Das war eine notwendige Voraussetzung, ob das überhaupt funktionieren könnte", erklärt der gebürtige Büster, der seit 1980 in Kläden lebt.

Nach Absprache mit Ortsbürgermeister Manfred Raatz und mit dessen tatkräftiger Unterstützung begann Norbert Schwellnus im vergangenen Jahr im Spätsommer mit der Umsetzung der Idee. Die Arbeiten führte er fast durchweg in seiner Freizeit aus. "Nach Feierabend oder an den Wochenenden", beschreibt Schwellnus sein uneigennütziges Handeln. "Ich habe nun einmal etwas für die Natur über", erklärt der Angler, Jagdhelfer und Gemeindearbeiter seine Motivation. Als Beschäftigter der Einheitsgemeinde hat er zu großen Teilen in der Natur zu tun und mit ihr umzugehen.

Der Parkgraben speist jetzt fünf Teiche. "Durch den Graben haben die Teiche jetzt wieder richtig Wasser bekommen", ist Norbert Schwellnus die Freude über die gelungene Aktion anzumerken. "Vorher haben hier einige Vögel versucht, zu brüten", schildert Schwellnus seine Beobachtungen. Doch der Waschbär habe alles verhindert. "Das tat mir leid", sagt Schwellnus.

Seitdem die Teiche wieder ausreichend Wasser führen, hat sich eine Vielzahl von Wasservögeln niedergelassen und geschützte Brutplätze eingerichtet. "Da kommt der Waschbär nicht mehr ran", ist sich der Klädener Naturfreund sicher. Zuletzt hat er einen weißen Schwan mit zwei Jungen ausgemacht. "Und im Frühjahr habe ich auf der Wiese nebenan 60 Gänse gezählt", erzählt Norbert Schwellnus.

Aus den alten Klädener Klärteichen ist eine Idylle für die Tierwelt entstanden. Neben den erwähnten Schwänen und Gänsen tummeln sich im Wasser, im Schilf und auf dem gesamten Gelände Blessrallen und -hühner, Haubentaucher, Rohrdommeln, Wildenten, aber auch Frösche, Lurche, Insekten und vieles mehr. Alles ungestört und im Wesentlichen unbeeinflusst vom Menschen. Zwei der insgesamt sieben Teiche wurden bewusst trockengelegt. Sie bilden ein Rückzugsgebiet für das Schwarz- und Rehwild, für den Dachs, den Fuchs aber auch für den ungeliebten Waschbären. In der Umzäunung des Teichgeländes wurden absichtlich einige Lücken gelassen, damit die Tiere Fluchtmöglichkeiten haben. Als ambitionierter Tierfreund ist Norbert Schwellnus auch ein Genießer der Tierwelt. Er zieht sich gern zurück und beobachtet. Dafür hat er sich zuletzt einen Aussichtsturm eingerichtet. Von dem ergibt sich ein wunderbarer Blick auf die neue Teichwelt. Vor allem am Morgen und Abend. "Die Tierwelt zu beobachten, ohne zu stören, das gefällt mir sehr", sagt Norbert Schwellnus.

"Die Tierwelt zu beobachten, ohne zu stören, das gefällt mir sehr"

Norbert Schwellnus, Kläden

Nach 20 Jahren ist anstelle der alten Klärteiche eine Idylle für die Tier- und Pflanzenwelt entstanden. Idee und Umsetzung sind Norbert Schwellnus zu verdanken. Er hat eben "etwas für die Natur über". Nach dem Ausflug in die neue Klädener Teichwelt erweist es sich als beschwerlich, den Lehmboden von den Sandalen zu bekommen. "Wie gesagt, das nächste Mal festes Schuhwerk mitbringen", hat Schwellnus auch für dieses Problem eine Lösung.

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