Die schnellstmögliche, DIN-gerechte Sanierung des Treueldeiches am Sandkrug bei Bertingen/Rogätz, fordern Stadtratsmitglieder aus Tangerhütte seit der Flut 2013. Gestern war anstelle von Landwirtschaftsminister Aeikens Staatssekretärin Anne-Marie Keding vor Ort, um sich ein Bild zu machen und mit den Bedenkenträgern ins Gespräch zu kommen.

Bertingen l Würde der Treueldeich bei einem Extrem-Hochwasser brechen oder überspült werden, könnten Tangerhütte und die in der Tangerniederung befindlichen Dörfer zu einem großen Teil im Wasser versinken. Nicht erst seit dem Deichbruch 2013 bei Fischbeck und den nahegelegenen Erfahrungen in Weißewarte hat man in der Region Tangerhütte Angst vor einem solchen Szenario.

Deshalb machen sich Stadtratsmitglieder wie Wolfgang Kinszorra, Michael Nagler und Thomas Kruse schon seit Längerem für eine umgehende Sanierung des Treuels stark. Baumstümpfe und Bäume im Deichkörper, fehlende Tonabdichtungen, nicht DIN-gerechte Maße und Anlagen und weitere Mängel hatten sie in einem Schreiben an den Landesbetrieb für Wasserwirtschaft und Hochwasserschutz (LHW) und das Landwirtschaftsministerium benannt. Dass der Deich nicht den geltenden DIN-Vorschriften entspräche, räumte auch Keding vor Ort ein. Gleichzeitig sagte sie: "Das Verständnis für die Sorgen vor Ort ist da, deshalb bin ich heute hier, aber wir müssen auch schauen, wo die Prioritäten zu setzen sind".

Gegen eine Aussage aus dem LHW, der Treueldeich sei relativ sicher, wehren sich die Tangerhütter Räte. Auch Landtagsabgeordneter und Stadtrat Detlef Radke nahm sich der Kritik an und hatte das Landwirtschaftsministerium zu einem Vor-Ort-Gespräch eingeladen. Die Ratsmitglieder sehen eine Gefahr für bis zu 10 000 Menschen in der Tangerniederung. In die eiszeitlich gebildete Niederung, könnten bei einem Deich- oder Grundbruch (Unterströmen des Deiches in nahe gelegene Kies-Seen) große Mengen des Elbewassers abfließen, fürchten sie.

Von ausweichenden Antworten des LHW sprach Kinszorra und forderte konkrete Auskünfte ein. Keding erklärte: "Wir sagen Ihnen das, was wir wissen, aber wir wissen auch nicht alles." Sie nahm immer wieder den Flussbereichsleiter des Landesbetriebes für Wasserwirtschaft und Hochwasserschutz (LHW), Hans-Jörg Steingraf, in Schutz und wiederholte vor Ort das Versprechen der Landesregierung, bis 2020 alle Deiche DIN-gerecht zu sanieren. Das forderte auch Denis Gruber, stellvertretender Landrat im Landkreis Stendal, der noch einmal die Tangerniederung aus Richtung Tangermünde, aber auch den Treuel als Gefahrenpotenzial für den Süden des Landkreises benannte.

Dass auf der kompletten Länge des Treueldeiches (4,4 Kilometer), samt des 2002 als Notdeich erreichteten Abschnittes Handlungsbedarf bestehe, wurde vor Ort bestätigt. Aufgrund der Hinweise der Tangerhütter Stadträte wurde nun eine Voruntersuchung für ein geplantes Standsicherheitsgutachten des Treueldeiches vorgezogen. Die Ergebnisse sollen voraussichtlich im Juli auch dem Tangerhütter Stadtrat zugänglich gemacht werden.

Geplant ist der Ausbau des Treueldeiches ab 2017. Die Vorplanungen sollen 2016 beginnen. Dass im Fall des Treuels auf der bisherigen Trasse gebaut werden soll, habe Vorteile, erläuterte Sven Schulz, Geschäftsbereichsleiter Betrieb und Unterhaltung beim LHW. Immerhin sei dadurch ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren und eine große Zeitersparnis bei der Planung möglich.