Stendal l In der Zeit zwischen Wahlergebnis und erster Sitzung des Kreistages wird viel geredet. Natürlich nicht in der Öffentlichkeit. Aber über Pfingsten "glühten die Drähte", wie Insider berichteten. Und auch an diesem Wochenende dürften die Telefongesellschaften ihre Freude haben - wenngleich jetzt einige Strippenzieher nur noch zu verhindern suchen, was sich aber längst anbahnt.

Wie es derzeit ausschaut, dürften Landwirte und FDP mit ihrem neuen Bündnis (Volksstimme berichtete) das beste aus ihrer Situation gemacht und sich politisches Gewicht verschafft haben. Bitter für den CDU-Strategen Wolfgang Kühnel - er blitzte bei beiden ab. Christdemokraten und SPD konnten nach derzeitigem Stand bei den Bündnis-Runden letztlich keinen direkten Zuwachs für ihre Fraktionen erreichen.

Zweiter Verlierer dieser ersten politischen Pokerrunde sind indes die Grünen. Ihre zwei Vertreter kamen auf keinen gemeinsamen grünen Zweig - Eduard Stapel setzt die Zusammenarbeit mit den Linken fort, Neueinsteigerin Sylvia Gohsrich bleibt zunächst einmal Einzelkämpferin.

Dass Gohsrich - wie für den Stadtrat geplant - auch im Kreistag mit der CDU ein Bündnis schmiedet, wäre nicht vermittelbar gewesen. Die Parteilose ist zwar persönlich bekennende A-14-Anhängerin, was bei den Grünen schon nicht ganz einfach ist. Aber eine Union mit der CDU auf Kreisebene hätte einen Aufstand der Basis bedeutet. Gohsrich dürfte in ihrer Einzelrolle allerdings in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Spannend wird sein, ob die Kreistagsfraktionen von SPD und Linke in der neuen Wahlperiode mehr gemeinsame Schnittmengen entdecken. Einige Signale deuten darauf hin. Zumal in der SPD jetzt eigentlich alles auf Lars Schirmer als künftigen Fraktionschef hinausläuft. Der hatte vor anderthalb Jahren als denkbar knapp unterlegener Landratskandidat zur Stichwahl bereits eine breite Allianz diesseits der CDU bilden können. Mit Schirmer käme auch eine neue Generation an die Spitze.

Kein Wunder, dass die Telefon-Diplomatie hier sogar seltsame Blüten treibt. Einige in der CDU würden Schirmer liebend gerne verhindert wissen, denn dass dessen Kurs nicht "Weiter so" heißt, ist hinlänglich bekannt.

Auch das künftige Bündnis von Landwirten und Liberalen könnte ein belebendes Element in der neuen Wahlperiode werden. Die drei Fraktionen könnten die CDU problemlos überstimmen - selbst wenn nicht alle mitmachen.