Tangermünde l "Es wird immer schwieriger, einen Schützenkönig oder eine Schützenkönigin zu finden", machte Klaus Köppen am Sonnabend deutlich. Der Vorsitzender der Schützengilde Tangermünde von 1702 weiß, wovon er spricht. Er gehört zu jenen, die die Gilde nach der Wende wieder mit Leben erfüllten, an Traditionen anknüpfen wollten.

"Mehr als 60 Mitglieder waren wir nie", sagte er. Derzeit zähle die Gilde 41. Doch Jugendliche gebe es da nicht. "Zeiten, in denen wir auf Kreis- oder Landesebene mitsprechen konnten, sind 15 Jahre her", erinnerte sich der Gildechef. Weshalb das so ist, weiß er auch. Auflagen und Gesetzlichkeiten würden es kaum möglich machen, jemanden zu finden, der ehrenamtlich dazu bereit ist, der Jugend die Schützentradition näher zu bringen, mit ihr zu trainieren.

Deshalb zeigte sich Köppen froh darüber, dass "wir immer noch ein Schützenfest feiern".Auch wenn es nicht mehr drei Tage gehe, wie noch in den 90ern. Wichtig sei, die Tradition zu wahren. Und das ist den elbestädtischen Schützen in dieses Jahr noch einmal gelungen.

Wieder hat die Gilde eine Königin. Nachdem Gabriele Querfurth wenige Minuten zuvor Krone und alles andere Zubehör abgelegt hatte, erhielt all das ihre Schwiegertochter. Anne Querfurth heißt die aktuelle Schützenkönigin Tangermündes. Sie hat die Schützen- tradition zusagen mitgeheiratet. Ihr Mann André erkämpfte sich den Königstitel 2009. Schwiegervater Jürgen war 2011 König, dessen Frau Gabriele 2013 Königin.

"Es gleicht einem Lotteriespiel." - Schützegildechef Klaus Köppen über den Sieg beim Vogelkönigsschießen

Jüngstes Mitglied in der Tangermünder Gilde ist Mandy Schönberg mit 19 Jahren. Erich Haake ist mit 94 Jahren der älteste im Bunde. Vor allem die Familien Querfurth, Schönberg, Hoffmann und Köppen sind es, die den Gildegedanken am Leben erhalten. Auch die Gruppe der Vorderladerschützen, seit 15 Jahren in der Gilde aktiv, ist fester Bestandteil des Vereins.

Seit 2005 wird auch Jahr für Jahr um die Vogelkönigskette geschossen. Das Original aus dem Jahre 1902 war privat gefunden worden. In Chroniken fand die Gilde die Tradition, die dahinter steckte. Seitdem wird zu Himmelfahrt nicht nur um die Königsehre gekämpft, sondern im Anschluss daran noch auf einen Holzvogel geschossen. "Wem es gelingt, den Rumpf zu Fall zu bringen, der ist Vogelkönig", erklärte Klaus Köppen das Prinzip. "Es gleicht eher einem Lotteriespiel." In diesem Jahr hatte Michael Kieser das Glück. Er übernimmt die Kette damit von Heiko Müller.

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