Steinfeld l "In die Feuerwehr bin ich 1964 wegen eines Jagdscheines eingetreten", erzählte Walter Köhn (80) am Sonnabend am Rande der Jubiläumsfeier. Zu DDR-Zeiten war es nicht gern gesehen, dass Privatleute im Besitz von Jagdscheinen sind. "Ich wurde aufgefordert, in die Kampfgruppe einzutreten, wenn ich den Jagdschein behalten wollte", erinnerte sich der 80-jährige. Das wollte er auf keinen Fall. Er bot die Mitgliedschaft in der Feuerwehr an und hatte erst einmal Ruhe vor Partei und Staat. Gut zwei Jahre später wurde Walter Köhn in Steinfeld Wehrleiter. Den Jagdschein gab er in den Folgejahren ab, weil in der DDR über die Mitgliedschaft in einer zivilen Jagdgesellschaft die "persönliche politische Eignung" entschied. Das wurde überprüft. Köhn schien da eher ungeeignet. "In der Partei war ich ja nie", erklärte der Steinfelder.

Steinfelds Wehrleiter Andreas Budde blickte zum Jubiläum unterhaltsam und kurzweilig auf die 120-jährige Historie der Feuerwehr zurück. Er erinnerte an eine Verpflichtung der Hauseigentümer vor über 160 Jahren, Wassereimer und Personal für den Brandschutz zur Verfügung zu stellen. "Jedes Haus stellt einen Löscheimer und eine Person. Das wünschte man sich heute noch", bemerkte Kreisbrandmeister Ringhard Friedrich.

Budde berichtete weiter von etlichen Einsätzen, von Nachtstreifen, mit denen die Kameraden 1981 die Wahlen absichern mussten, von einem Fahrzeug der Feuerwehr Steinfeld (Oldenburg) nach der Wende, das so viel geschoben wie gefahren wurde, weil es nie ansprang, und von Investitionen in das Gerätehaus und in neue Fahrzeugtechnik. Wer Details erfahren wollte, konnte in der mächtigen Chronik der Steinfelder Feuerwehr blättern.

Überrascht wurden die feiernden Kameraden von den "Kling Stones". In edlen Kostümen musizierten sie zu Marschmusik vom Band unter anderem mit Betonkübeln, Waschbrett und Kondomen. Ein Gaudi für alle Beteiligten, bei dem die "Stones" natürlich nicht ohne Zugabe entlassen wurden.