Das letzte Sommerfest der Dobberkauer Grundschüler ist Geschichte. Bevor sie sich nach den Sommerferien in Richtung Bismark verabschieden, lernten sie aber noch einmal ausgiebig ihren baldigen Ex-Schulstandort kennen.

Dobberkau l In kleine Gruppen aufgeteilt, zogen vor wenigen Tagen die Zweit-, Dritt- und Viertklässler aus Dobberkau durch das Dorf. Sie sollten den Ort erkunden, Fragen stellen, Fragen beantworten, schätzen und dabei lernen. Die Aufgaben waren so formuliert, dass die Jungen und Mädchen ihr Wissen aus jedem Unterrichtsfach parat haben mussten. Mehrere Stationen hatten die Pädagogen um Schulleiterin Silvia Falk vorher ausgesucht. Da begann bereits die Knobelei für die Kinder. Die Orte waren nämlich nicht benannt, sie waren umschrieben.

Die Frage nach dem höchsten Gebäude Dobberkaus führte die Schüler selbstverständlich zur Kirche. Hier war unter anderem mathematisches Wissen verlangt. Die Kinder mussten die Höhe schätzen und die Fenster zählen. Auch dem Ortsbürgermeister Dieter Wein statteten die Jungen und Mädchen ihren Besuch ab und stellten ihm Fragen. Nachdem sie in der Gaststätte ihren Durst gelöscht hatten, ging es weiter.

Wissen aus dem Sachkundeunterricht war am Storchennest ebenso gefragt wie am Hort, wo zehn Pflanzen bestimmt werden mussten. Auf dem Sportplatz musste ein Schatz gehoben werden und nach ihrem "Lieblingsort" befragt wussten die Kinder gleich, dass es sich nur um die Schule handeln konnte. Auf dem Spielplatz wurden die Sinnesorgane getestet. Es galt alle Geräusche aufzuschreiben, die sie hörten.

Die Schneider waren die ersten Lehrer

Viel über die Historie Dobberkaus lernten die Jungen und Mädchen von Herbert Wickert in dessen Heimatstube. Sozusagen aus erster Hand erfuhren sie viel über die jüngere Geschichte der Schule. Der mittlerweile 81-jährige Wickert war nämlich selbst einmal Schüler im Dorf und konnte noch aus der Zeit berichten, als vier Jahrgänge gemeinsam in einem Klassenraum unterrichtet wurden und es für alle acht Jahrgänge nur einen Lehrer gab. Zuerst war die Schule in einem Gebäude im Dorf untergebracht. Später wurde in dem 1939 erbauten Jugendheim unterrichtet. Heute ist darin der Hort untergebracht. Nicht zuletzt der Initiative von Günther Preuß sei es zu verdanken gewesen, dass 1967 eine damals sehr moderne Schule neu gebaut wurde. Fortan lernten die Kinder aus Beesewege, Möllenbeck, Schorstedt, Dobberkau, Grävenitz und Hohenwulsch dort gemeinsam.

Noch genau kann sich Herbert Wickert an Paul Pfeil erinnern. Dieser war zwischen 1902 und 1947 Dorfschullehrer, Chronist und Heimatforscher in Dobberkau. Gemeinsam mit seinen Schülern erkundete er die Gemarkung, grub unter anderem Urnen aus und baute eine Sammlung auf.

Laut Wickert, der sich in Dobberkau auch viele Jahre als Elternratsvorsitzender engagierte, geht übrigens am 18. Juli eine weit über 400 Jahre alte Schultradition in Dorf zu Ende. Denn bevor, wie aus seiner Chronik zu erfahren war, im Jahr 1600 als erster Lehrer Hans Polkow erwähnt wurde, waren es lange Zeit davor die Schneider des Dorfes, welche die Kinder unterrichtet hatten.