Schmuckelemente an Grabsteinen, Blumenschalen, Fahrräder von Angehörigen, die Gräber besuchen - Diebe gehen auch auf Friedhöfen auf Beutezug. In der Polizeistatistik machen die Fälle nur einen sehr geringen Prozentsatz aus, die Dunkelziffer dürfte aber weit höher sein.

Stendal l Es war ein spektakulärer Fall: Im Oktober 2012 wurden vom Ehrenfriedhof II auf dem Stendaler Friedhof fünf Kupfertafeln gestohlen, auf denen Namen von Gefallenen des Zweiten Weltkrieges stehen. Wahrscheinlich wollten die Täter das Metall zu Geld machen. Vielleicht wurde es ihnen dann aber doch zu "heiß", die Tafeln wurden wenig später bei Osterburg im Wald gefunden und rechtzeitig zum Volkstrauertag im November wieder am Gedenkstein angebracht.

Zu dieser Zeit, im Herbst 2012, hatte es auch auf dem Friedhof I in Stendal Diebstähle von metallenen Ornamenten an Grabsteinen, darunter Rosen, gegeben. Doch seither sind bei der Friedhofsverwaltung keine Fälle mehr bekannt geworden. Was aber immer wieder bekannt und dort gemeldet wird, besonders in der Pflanzzeit, sind Diebstähle von Blumen, Schalen oder Gestecken. Immer wieder hört man davon, hört verärgerte Angehörige, die sich über solche Dreistigkeit und Skrupellosigkeit erregen. Bei vielen Betroffenen bleibt es bei dieser Verärgerung, eine Anzeige bei der Polizei wird nur in wenigen Fällen erstattet.

So wurden für das vergangene Jahr für die Hansestadt Stendal acht einfache Diebstähle auf Friedhöfen und elf besonders schwere Diebstähle von der Polizei aufgenommen, teilte Marco Neiß, Sprecher des Polizeirevieres Stendal, auf Nachfrage mit. Bei den einfachen Diebstählen handelt es sich um das Entwenden zum Beispiel von Blumen oder Grabschmuck. Die besonders schweren Fälle sind die, bei denen der Täter zum Beispiel angeschlossene Fahrräder oder Geräte zur Grab- oder Grünflächenpflege mittels eines Werkzeuges für den Diebstahl aus der Verkettung löst.

In diese Kategorie fällt auch der einzige der Polizei gemeldete Metalldiebstahl im Jahr 2013 auf einem Friedhof: In Groß Schwechten wurde ein Kupferrohr von der Kirche gestohlen. "Die Fallzahl bei den Metalldiebstählen wird insgesamt vermutlich unter fünf liegen", schätzt Marco Neiß. Für die Monate Januar bis Mai dieses Jahres hat die Polizei bisher vier einfache Diebstähle und zwei besonders schwere Diebstähle mit dem Tatort Friedhof registriert.

Dass es nur wenige Diebstähle so auffälliger Dinge wie Rosen von Grabsteinen gibt, könnte nach Einschätzung von Polizei und Friedhofsverwaltung auch daran liegen, dass Diebe oder Hehler ihre "Ware" schwer los werden - weil Schrotthändler mittlerweile aufmerksam reagieren. Das wurde zum Beispiel einem 27-Jährigen aus Osterburg zum Verhängnis. Er wollte einem Schrotthändler eine Messingrose verkaufen, die im Mai 2013 auf dem Calberwischer Friedhof gestohlen worden war. Der Händler informierte die Polizei. Der Täter wurde vor wenigen Wochen zu sechs Monaten Haft wegen Grabschändung verurteilt.