Nachdem schon am Mittwoch im Tangerhütter Stadtrat Rufe nach dem Einsatz des Technischen Hilfswerkes (THW) in Schelldorf laut geworden waren, rückten die Helfer in Blau nun am gestrigen Sonntag tatsächlich in dem kleinen Elbedorf an – auf Drängen der Einwohner. Bürgermeisterin Birgit Schäfer hatte in der Vorwoche noch darauf hingewiesen, dass das THW nur im Katastrophenfall eingesetzt werden könnte, der aber nicht vorliege.

Schelldorf. Mehrmals hatten Vertreter des Ordnungsamtes und des Hochwasser-Krisenstabes im Landkreis in den vergangenen Tagen Schelldorf besucht, besonders vom Wasser in Mitleidenschaft Grundstücke besichtigt und immer wieder von "normalen" Situationen gesprochen. Anwohner sahen das anders und wiesen deutlich auf die Situation vor Ort hin. Auch die Ortsbürgermeisterin des Nachbardorfes Grieben, Rita Platte, setzte sich nach eigener Aussage beim Landkreis dafür ein, dass man die Situation in Schelldorf nicht unterschätzen dürfe.

Noch am Freitagabend rückten Feuerwehrleute aus der Region an, um Wasser aus den tiefsten Stellen des Ortes abzupumpen. Auch am Sonnabendmorgen waren sie noch einmal im Einsatz. Viel brachte dieser Aufwand aber nicht, denn Grund- und Drängwasser ließen die Wasseransammlungen in Keller und Senken weiter steigen, gestern stand sogar ein Teil der Zufahrtsstraße von Grieben im Wasser. Birgit Schäfer sagte über den Einsatz von Feuerwehrleuten vor allem in Schelldorf, Weißewarte und Demker/Elversdorf: "Ohne unsere Wehren wären wir aufgeschmissen gewesen. Wir haben gemacht, was wir konnten!"

In Schelldorf steht das Wasser des Schelldorfer Sees bis zum Rand. Der nimmt normalerweise auch das Oberflächenwasser aus den umliegenden Dörfern mit auf; jetzt, da der Hochwasserpegel der Elbe auf der anderen Seite des Dorfes sinkt, kommt das Drängwasser der Elbe hinzu.

Am Sonnabendnachmittag fiel die Entscheidung des Krisenstabes: Das THW muss anrücken, um mit stärkerer Technik Erleichterung zu schaffen. Bei manchen Einwohnern liegen inzwischen die Nerven blank, denn viel zu lange hat man ihrer Ansicht nach mit diesem Einsatz gewartet. Und der Katastrophenfall ist für sie schon seit fast einer Woche da, seit Kläranlagen ausgefallen sind und Keller voll Wasser stehen.

"Dieses Mal ist es richtig heftig"

Auch Horst und Helga Stengel aus Schelldorf, die schon so manches Hochwasser erlebten, haben in diesem Jahr erstmals seit langem wieder richtig viel Wasser im Keller "Das war nicht mal 2002 so, dieses Mal ist es schon richtig heftig.", erzählt Helga Stengel. Sie waren gestern Nachmittag mit dabei, als das THW am Sielgraben eine große Tauchpumpe vom Typ Flyt einsetzte, um das Wasser dort, an der tiefsten Stelle, über den Deich in die Elbe abzupumpen. Auch das LHW und Fachberater vom Landkreis, das Ordnungsamt der Stadt Tangerhütte, Tangerhüttes Wehrleiter Gerry Michlik und Bürgermeisterin Birgit Schäfer waren vor Ort dabei. Letztere hatte Brötchen für die Helfer dabei, der Ortschaftsrat stellte Kaffee.

Mit schwerem Gerät rückte das THW am Schelldorfer Deich an. Unterstützung gab es auch von Christian Plötze vom Griebener Hof, der mit Traktor und Schaufel den Boden für das Aufstellen des THW-Kranes ebnete. Nach einem ersten Probelauf wurde kurz darauf entschieden: Die Pumpe soll zunächst 24 Stunden laufen, um ein weiteres Ansteigen des Wassers im Ort zu verhindern. 12 000 Liter pro Minute zieht das Gerät, das am Vortag noch in Bernburg im Einsatz gewesen war, aus dem Siehlgraben, in den der Schelldorfer See läuft, inzwischen aber auch das stehende Wasser aus dem Ort fließt.

Die THW-Ortsverbände Stendal, Salzwedel und Halberstadt waren mit jeweils zwei Vertretern zur Stelle. Aber auch Schelldorfer packten mit an, stapelten Sandsäcke, die kurzerhand aus dem Wildpark Weißewarte herangeschafft worden waren – zur Absicherung der Wasserschläuche, die über den Deich verlegt wurden.

   

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