Stendal l Max Kunze ist schlichtweg entsetzt, wie sich die Außenwände des Winckelmann-Museums nach der Sanierung mittlerweile präsentieren. Als Präsident der Winckelmann-Gesellschaft hatte er in den vergangenen Monaten immer wieder bei der Stadt als Eigentümer des Gebäudes interveniert. Er wollte verhindern, dass die Wände und auch die Fachwerkbalken in Okerfarbe gestrichen werden und Holzfenster eingesetzt werden, die wie "Plastikfenster" aussehen, so Kunze.

Haus wurde zu DDR-Zeiten vor dem Abriss bewahrt

Die Gesellschaft, die das Gebäude bereits seit den 1970er Jahren saniert hatte, hätte lieber einen "mediterranen Stil" gesehen. "Das haben wir bei unserem eigenen Gebäude vor rund acht Jahren auch schon gemacht, da hat die Denkmalbehörde ohne Probleme mitgespielt", sagte Kunze. Das Haus der Winckelmann-Gesellschaft befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Museum. Wer sich auf den Hinterhof des Museums begibt, hat nun beide Stile nebeneinander.

Für Kunze hat der Hof des Museums nach der Umgestaltung "den Charme eines Gefängsnishofes" bekommen. Aus seiner Sicht sei bei der Sanierung des Hauses der Gedanke verfolgt worden, den Stil des 18.Jahrhunderts - die Lebzeit von Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) - aufzugreifen. "Das Gebäude ist aus dem 20. Jahrhundert, es gibt nichts zu rekonstruieren. Die Winckelmann-Gesellschaft habe das Gebäude in den 1970er und 1980er Jahren vor dem Abriss bewahrt und zu einem zweistöckigen Museum ausgebaut, sagt Kunze. Die Denkmalbehörde zu DDR-Zeiten hatte bereits den Abriss genehmigt.

"Der Straßenzug Winckelmannstraße ist überwiegend von Fachwerkhäusern des 18.und 19. Jahrhunderts geprägt", sagt Stadtsprecher Klaus Ortmann. Die Museumsfassade füge sich nun "stilistisch und städtebaulich in die vorhandene Bausubstanz ein".

Im August 2013 war für die Sanierung der Fachwerkfassade und die Erneuerung der Fenster eine Genehmigung durch die Untere Denkmalbehörde - also die Stadt selbst - erfolgt. Das städtische Hochbauamt hatte die Maßnahme beantragt. Man habe sich mit der Oberern Denkmalbehörde in Halle/Saale abgestimmt, teilte Ortmann auf Nachfrage mit. "Wer nun vor dem Haus steht, hat den Eindruck, dass Winckelmann in besseren Verhältnissen aufgewachsen ist", sagt Kunze. Tatsächlich sei der spätere Archäologe und Altertumsforscher in ärmlicher Umgebung in einer kleinen Schusterwerkstatt groß geworden. "Es wäre einfach gewesen, das historische, kleine Gebäude farblich und baulich an der jetzt doppelstöckigen Museumsfassade hervorzuheben", sagte Kunze. In dieser Woche wurde die sogenannte Schusterstube mit einem leicht beigefarbenen Ton gestrichen. "Das ist albern", findet der Professor. "Das war nicht unsere Intention."

Nach Angaben von Kunze werde man im September den Tag des offenen Denkmals (14. 9.) dazu nutzen, um eine öffentliche Diskussion zur Denkmalpflege und im Speziellen zur Umgestaltung des Winckelmann-Museums organisieren. Man werde dafür auch noch mit Experten der Uni Magdeburg sprechen.

Überlegungen zur Rathaus-Fassade laufen

Beim Thema Fassadengestaltung zerbrechen sich in Stendal derzeit auch einige Leute die Köpfe, wie demnächst das Rathaus gestaltet werden soll. "Es werden verschiedene Farbschichten aufgetragen", sagt Stadtsprecher Klaus Ortmann. Welcher Farbton letztlich gewählt werde, stehe noch nicht fest. "Die Endfassung wird erst im Herbst zu sehen sein." Eine Entscheidung trifft auch hier die Denkmalschutzbehörde der Stadt. "Dies geschieht in enger Abstimmung mit der Oberen Denkmalbehörde", sagt der Stadtsprecher. Es werde allerdings "keine gravierenden Abweichungen vom Vorhandenen" geben. Das Rathaus solle sich im Farbton an die Umgebung anpassen.

 

Bilder