Das Johanniter-Krankenhaus Genthin-Stendal ist fest in der Altmarkmetropole verwurzelt. 1861 öffnete es seine Pforten, um Menschen in Not zu helfen. Die Zeiten haben sich gewandelt; der Anspruch ist geblieben. Volksstimme stellt in einer Serie Personen vor, die dem Krankenhaus ein Gesicht geben. Heute: Pfleger Johannes Schulz.

Stendal l "Ich trage schon einen Inventarstempel", deutet Johannes Schulz lächelnd an, dass er zu den Urgesteinen des Johanniter-Krankenhauses gehört. 1981 nahm der Kleinauer - ein Dorf bei Arendsee - hier seine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Krankenpfleger auf, blieb danach in der Klinik und kam 1987 auf die Intensivstation, kurz ITS. Inzwischen ist er Leitender Pfleger der Station und der Anästhesie mit 50 Mitarbeitern .

Auf der Suche nach einer "sinnvollen Tätigkeit" sei er vor rund 33 Jahren ans Krankenhaus gekommen. Es habe ihm gefallen. Wichtig sei ihm auch gewesen, dass er an einem kirchlichen Haus arbeitet. Schließlich habe er die "Intensivstation als mein Interesse entdeckt", erinnert er sich. Zwei Gründe führt er dafür ins Feld. Zum einen verknüpfe die Arbeit auf der ITS Technik und Medizin.

"Stress macht nicht immer krank. Er kann Reserven aktivieren."

"Beim Einsatz von Hightech kann man sich nie entspannt zurücklehnen. Da muss man auf dem neuesten Stand sein", sagt Johannes Schulz. Zum anderen stehe er angesichts der Vielfalt der Krankenfälle stets vor der Frage, "was kommt auf mich zu". Das führe zu einem Stressreiz. "Stress", so der Krankenpfleger, "macht nicht immer krank. Er kann auch Reserven aktivieren. Das ist für mich positiver Stress."

Reserven auszuschöpfen in der Arbeit, ist für Schulz und seine Mitstreiter wichtig. "Wir sind zuständig dafür, dass der Patient überlebt", macht er klar. Intensivversorgung sei "Überwachung, Beatmung, lebenswichtige Medikamente". Keine Frage, die Mitarbeiter der ITS tragen eine hohe Verantwortung. "Es braucht Zeit, in der Intensivmedizin Fuß zu fassen", ist sich Johannes Schulz sicher und schätzt ein: "Mindestens zwei Jahre für die Einarbeitung. Um die fünf Jahre braucht man, um sie sicher zu beherrschen." Einen hohen Stellenwert misst er der Teamarbeit bei: "Nur Teamarbeit hilft das Überleben der Patienten zu sichern."

1100 Patienten aus 15 Fachabteilungen werden durchschnittlich pro Jahr auf der Stendaler Intensivstation betreut. Nach größeren Operationen, nach lebensbedrohlichen Fällen wie Herzinfarkten. Überschaubar sei Zahl von Unfallopfern, erklärt Johannes Schulz auf Volksstimme-Nachfrage. "Nach der politischen Wende, als viele auf schnelle Autos umstiegen, war die Rate der Unfallpatienten auf der ITS ungleich höher."

Die Mehrzahl der Patienten verbringt nur wenige Tage auf der Intensivstation, viele nur eine Nacht. Aber es gibt auch Kranke, die bis zu 60 Tage dort umsorgt werden müssen, um deren Leben die Ärzte und das Pflegepersonal ringen. Aus der Sicht von Johannes Schulz sind drei Komponenten für das Überleben entscheidend: Medizin, Gott und der Wille der Patienten. Hin und wieder melden sich ehemalige Patienten, bedanken sich für die Arbeit. Die Station habe auch schon einmal eine Karte erhalten mit der einfachen Botschaft "Ich lebe noch", gibt Johannes Schulz eine Anekdote preis. Dann sagt er: "Die Dankbarkeit der Patienten ist mein Erfolgserlebnis."

"Man kann nicht jeden Tod mit nach Hause nehmen."

Aber nicht immer können Versorgung und Betreuung auf der Intensivstation oder einer der anderen Stationen des Krankenhauses Leben retten. "Sterben gehört zum Leben dazu", macht Johannes Schulz deutlich. Besonders wohl auf seiner Station. "Abgebrüht" dürfe man aber nicht werden, sagt er. Allerdings "kann man nicht jeden Tod mit nach Hause nehmen". Dennoch brechen sich Emotionen Bahn, wenn Patienten sterben, die er über eine lange Zeit betreut hat oder die noch sehr jung sind, gesteht Johannes Schulz ein.

Nicht nur angesichts seiner täglichen Arbeit empfindet der Altmärker, der im vergangenen Monat seinen 50. Geburtstag feierte, die gegenwärtige Debatte um Einsparungen im Gesundheitswesen als "nervend". Sicher müsse auch ein Krankenhaus auf Wirtschaftlichkeit achten, aber die medizinische Betreuung und der Kampf um das Leben von Patienten dürfe nicht an Euro und Cent gemessen werden.

Johannes Schulz, der wie seine Kollegen im Schichtdienst arbeitet, weil er auch als leitender Pfleger "den Kontakt zu den Patienten nicht missen" möchte, teilt die Fotografie als Hobby mit seiner Lebensgefährtin. Der Bellinger sammelt zudem Kameras, und in Mußestunden greift das Johanniter-Urgestein gern zu einem Buch.