Hinter den Türen der Adolph-Menzel-Straße 18 atmet man Kultur. Es ist das Zuhause des Kunstplatte-Vereins, der von und mit jungen Leuten lebt. Welcher Ort wäre geeigneter, um das Ergebnis eines "KinderStärken"-Projekts von Kindern für Kinder zu präsentieren - einen ganz speziellen Kulturführer.

Stendal l Stuhlreihen zieren den Raum, in dem ansonsten Theaterproben laufen, Ausstellungen vorbereitet, Workshops erdacht werden. Das Publikum, das darin Platz nimmt, ist ein überwiegend junges. Wenige Erwachsene darunter, unter anderem der Stendaler Oberbürgermeister Klaus Schmotz. Die Mischung ist gut und gewollt, denn es geht um Kinder. Vielmehr um das, was die Hansestadt Stendal ihnen zu bieten hat.

Neun Tipps, sieben Clubs und rund 20 Vereine

Mit dieser Frage begannen sich rund 30 Mädchen und Jungen der Grundschulen "Petrikirchhof" und "Juri Gagarin" vor einem halben Jahr zu beschäftigen. Eingeladen dazu hatte sie der Verein "KinderStärken", für den Maria Burkhardt und Johanna Kloss die jungen "Kulturdetektive" um sich scharten. Der Name dieser Arbeitsgemeinschaften - an jeder der Grundschulen entstand eine - wurde Programm. Die Kinder machten sich auf die Suche nach Kultureinrichtungen oder kulturvollen Orten der Stadt, von denen sie vermuteten, dass es Spannendes für Mädchen und Jungen ihres Alters zu entdecken, tolles zu erleben geben könnte. Und wie es sich für Detektive gehört, wurden sie nicht nur fündig, sondern dokumentierten ihre "Recherchen" in Bild und Text. Am Ende stand das Manuskript für den ersten Kinder- und Jugend-Kulturführer für die Hansestadt Stendal.

Neun ausführliche Kulturtipps der Kids sind darin zu finden, sieben Jugendclubs und zehn weitere Kultureinrichtungen der Stadt aufgelistet - alle mit Adressen, Kontaktdaten und Öffnungszeiten. Und wem das noch nicht reicht: Als Bonus die Adressen von 20 Vereinen, in denen Kinder und junge Leute gern gesehen sind.

Druckfrisch und noch in Kartons verpackt, steht die erste Auflage nun neben der im Kunstplatte-Probenraum aufgespannten Leinwand. 200 Exemplare ist sie stark, und möglich geworden dank der Unterstützung der PwC-Stiftung Jugend, Bildung, Kultur.

"Der ist richtig gut geworden"

Noch wissen die Kinder nicht, wie sie aussieht, verschwenden in diesem Augenblick wohl auch kaum einen Gedanken daran. Lampenfieber ist angesagt, denn während die Bilder aus den mit Kinderaugen ausgewählten Kulturtempeln der Stadt auf die Leinwand geworfen werden, sind immer zwei aus der jeweiligen Arbeitsgemeinschaft gefordert, zu erzählen, warum gerade dieser Ort in den Kulturführer kam, was einen Besuch dort empfehlenswert macht. So raten Marc und Justin, elf- und zehnjährige Gagarin-Schüler - zu einem Bummel durch die Stendaler Innenstadt. "Schön", so ihr Fazit, aber: "Schade, dass es keinen Spielplatz in der Innenstadt gibt, darum Note 2."

Es folgen das Uenglinger Tor, der Hartungswall, die Stadtbibliothek, das JFZ, das Theater der Altmark, in dem man auch selber mitspielen kann, so erfuhren die Minidetektive, das Kinder- und Erlebnis-Museum, in dem sie gern länger geblieben wären, und und und.

Dann ist er da, der große Moment, in dem die jungen Stendaler Kulturdetektive ihren Kinder- und Jugend-Kulturführer zum ersten Mal in den Händen halten. Die Augen leuchten beim Durchblättern. Ein glückseeliges Lächeln, fast wie das zu Weihnachten. Das spontane Urteil: "Der ist richtig gut geworden", bringt es Jonas, 10 Jahre jung und Petrikirchhofschüler, auf den Punkt.

Broschüre gibt es auch zum Runterladen

Das findet übrigens auch Stendals Stadtoberhaupt: "Dieses Heftchen ist was ganz Neues, haben wir in Stendal noch nie gehabt. Habt ihr toll gemacht. Ein wunderbarer Anfang. Macht weiter auf der Schiene", ermutigt Klaus Schmotz die jungen Kulturdetektive. Die sind natürlich stolz, vergessen darüber aber nicht, wem sie die tolle Broschüre und die spannenden Detektiv-Wochen bis dahin zu verdanken haben. Kaum, dass Schmotz das Mikrophon aus der Hand gelegt hat greift es sich der neunjährige Mika: "Ich möchte noch sagen, dass es mit Johanna und Maria sehr viel Spaß gemacht hat. Es war toll." Und ehe sich die beiden Frauen versehen, hat jede von ihnen auch schon ein Dankeschön-Blumenbukett in der Hand.

Erhältlich ist der Kinder- und Jugend-Kulturführer in der Tourist-Information und im Rathaus. Zum Runterladen gibt es ihn auf der Internetseite des KinderStärken-Vereins unter www.kinderstaerken-ev.de

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