Ein Fest der Demokratie vor dem Stendaler Landratsamt setzten Bürger, Vereine, Institutionen am gestrigen Donnerstag gegen den Einzug der NPD in den Stendaler Kreistag. Sie wollten zeigen: Wir stehen für Vielfalt und Toleranz im Landkreis, lehnen die braune Ideologie ab.

Stendal l "Nazis raus aus den Köpfen", stand auf einem Plakat, das die Teilnehmer des Festes der Demokratie in die Höhe reckten. Gut sichtbar für Passanten, Kraftfahrer und vor allem für die Mitglieder des neues Kreistages, der sich gestern konstituierte. Das Plakat war die Quintessenz dessen, was die Akteure der Veranstaltung einte, nachdem mit Heiko Krause ein NPD-Mitglied in das Gremium eingezogen ist.

"Wir zweifeln nicht die Legalität der Wahl von Herrn Krause an", machte dann auch Daniela Schröder vom Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit im Landkreis Stendal, das zum Fest aufgerufen hatte, deutlich. Aber man müsse auf den Einzug der NPD in den Kreistag reagieren, denn sie tue der Region nicht gut. Schröder forderte dazu auf, sich mit den Positionen der NPD nicht nur im Kreistag auseinanderzusetzen und sich für ein respektvolles Zusammenleben einzusetzen. So könne das Gedankengut der NPD aus den Köpfen verbannt werden.

Bunte Mischung nichtallein am Megaphon

Ähnlich äußerte sich Michael Kleemann am Megaphon. Zu Demokratie und Freiheit zähle auch, dass die NPD zu Wahlen antreten könne, sagte der Superintendent und erklärte: "Die Gesinnung muss raus aus den Köpfen." Mittel dafür seien unter anderem ein Rechtsstaat, eine fundierte politische Bildung, der Willezur politischen Verantwortung.

Eine, die politische Verantwortung übernimmt, ist Silvia Gohsrich, die für die Grünen im Kreistag sitzt und sich gestern vor der Konstituierung zu Wort meldete. "Trauer und Besorgnis" fühle sie angesichts des Mandats für die NPD. Bürger hätten die Partei gewählt, obwohl sie "weit weg von einer freiheitlich-demokratischen Gesinnung" sei. Mit diesen Bürgern müsse nun gesprochen werden, "um sie wieder in unsere Mitte zu nehmen".

Ohne Megaphon, aber nicht weniger lautstark als andere Redner forderte Lothar Zahn von der "Kulturschmiede" Polkau in seiner gewohnt poltrigen Art: "Wir müssen unsere Stimmen für Generationen erheben, die noch nicht geboren sind."

Das geschah beim Fest, das etwa 200 Besucher verbuchte. Wolfgang Patzig, Prorektor der Fachhochschule Magdeburg-Stendal, beispielsweise mahnte die Pflicht an, die Grundrechte zu schützen. Alexander Netschajew, Intendant der Theaters der Altmark, meinte, es mache Mut, das Flagge für die Demokratie gezeigt werde, und wartete mit Versen des Kabarettisten Hanns-Peter Hüsch über schleichenden Rassismus auf.

Bunt war nicht nur die Mischung der Redner. Es gab auch einige bunte Spiele gegen braune Gesinnung. So beim Würfeln oder bei der Gestaltung eines Transparentes mit in Farbe getauchten Händen. Seine Botschaft letztlich: "Hände hoch für die Demokratie."

Platzverweis für Heiko Krause

Diesem Anspruch wollen sich im übertragenem Sinn auch die Fraktionen des neuen Kreistages stellen. Landrat Carsten Wulfänger (CDU) verlas während des Festes deren gemeinsame Erklärung. Es erfülle die Fraktionen mit großer Sorge, dass eine rechtsextreme Partei wieder einen Sitz im Kreistag hat, heißt es darin. Und weiter erklären sie: "Wir alle sehen es als dringliche Aufgabe, die Menschen, die von der Demokratie in unserem Land enttäuscht sind, für uns zurückzugewinnen." Dafür sei ein "sachorientiertes, engagiertes sowie kritisch-konstruktives Wirken aller Fraktionsmitglieder im Kreistag Stendal von größter Wichtigkeit." Eine Zusammenarbeit mit Mitgliedern der NPD, lehnen die Fraktionen "kategorisch" ab, so die Erklärung, über die im Kreistag selbst kein Wort verloren wurde.

Der NPD-Abgeordnete Heiko Krause war übrigens Zaungast des Demokratiefestes, wurde von den Organisatoren von der angemeldeten "Festmeile" verwiesen.

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