Aufgestylt und im edlen Zwirn feiern die Fachgymnasiasten der Berufsbildenden Schulen in Stendal heute Abend ihren Abiball. Nach zwei Jahren soll die Feier wieder in der schuleigenen Turnhalle stattfinden. Im Vorfeld gab es viel zu tun für die jungen Leute.

Stendal l Die genauen Termine für die Abiturprüfungen standen noch nicht genau fest, da hatten einige Schüler schon ihr Abschlussball-Outfit zusammengestellt. So auch Linda Liermann und Florian Jacobsen. Sie sind in der 13. Klasse am Fachgymnasium der Berufsbildenden Schulen (BBS II) in Stendal. Linda hat ihr Kleid in einem Berliner Modekaufhaus gefunden. "Ich war gerade mit meinen Eltern in der Hauptstadt unterwegs, da haben wir spontan nach einem Kleid gesucht", erzählt die junge Frau aus Wulkau.

"Leichter Stoff und Rücken frei sind beim Kleid beliebt."

Petra Borns

Wie Linda sind wohl auch viele ihrer Mitabiturienten aus der Altmark in die Großstädte zum Shoppen gefahren. Dass umgekehrt daraus auch ein Schuh beziehungsweise ein Kleid werden kann, bestätigt Petra Borns, Geschäftsführerin vom gleichnamigen "Hochzeitsparadies" in Stendal. "Es sind auch schon extra Mädchen aus Berlin angereist, um bei uns zu shoppen", sagt sie.

Im Trend liegen laut Borns gerade Vokuhilakleider. "Vorne kurz und hinten lang wie der bekannte Haarschnitt", sagt Borns. Später könne das Kleid gekürzt auch bei anderen Veranstaltungen getragen werden. Besonders wichtig sei den jungen Frauen Individualität, sodass plötzlich keine Zweite mit dem gleichen Outfit beim Abiball auftaucht.

"Leichter Stoff und Rücken frei sind beim Kleid beliebt", sagt Petra Borns. Dazu silberne Schuhe mit bis zu acht Zentimetern Absatz, manchmal noch eine Schleppe. Im Schnitt würden die jungen Leute gut 200 Euro für ein Kleid ausgeben. Die Männer richten sich, so Petra Borns Erfahrung, oft nach ihren Tanzpartnerinnen.

Lindas Freund, Florian Jacobsen, hat seinen Anzug im Stendaler Modekaufhaus Ramelow zusammengestellt. "Man findet auch was in Stendal", meint er. Dort stöberte auch Tobias Totz. Der 20-Jährige aus Stapel hatte sich zuvor schon einen Anzug in Osterburg besorgt. "Ich brauchte den edlen Zwirn für ein Bewerbungsgespräch", erklärt er. Ob er diesen oder einen anderen Anzug beim Abiball tragen wird, weiß er noch nicht. Auf jeden Fall sucht er noch das passende Hemd für sein Outfit. Dabei schlüpfte er noch in einen Anzug, der ihm bei Ramelow sofort ins Auge fiel.

"Unsere Baukästen werden besonders geschätzt", sagt Tilo Heinemann, Storemanager bei Ramelow und meint damit die Kombination von Jacke, Hose, Krawatte, Gürtel und Hemd. Letztere sollten dem Geschmack der jungen Leute zufolge sportlich, tailliert und farbig sein. Er habe schon erlebt, dass sich Schüler heute sogar für Zeugnisausgaben einen Anzug zulegen.

"Ich bin überrascht, wie klassisch die Outfits gewählt werden."

Tilo Heinemann

Ansonsten sei der zeitlose, klassische dunkle Anzug immer beliebt. "ich bin überrascht, wie klassisch die Outfits gewählt werden", sagt Heinemann. Der Storemanager hat noch einen weiteren Trend erkannt, modische Einstecktücher, passend zur Krawatte. Insgesamt könne die Kombination bis zu 320 Euro kosten.

Tobias freut sich schon, auf dem Abiball mit seiner Freundin tanzen zu dürfen. Aus seiner Familie kommen zehn Personen zu der Feier, darunter seine Eltern und seine vier Geschwister. Die Karte kostet pro Person 25 Euro.

"Darin ist der Preis fürs Buffet schon enthalten", sagt Luise Schulze. Sie gehört zum Organisationsteam des Abiballs. Die Schüler haben die Veranstaltung bereits lange im Voraus geplant. Über eine eigens eingerichtete Facebook-Gruppe stimmen sie sich ab, wollen so auch nach dem Abitur Kontakt halten. "Wir Lehrer sind da außen vor geblieben, die Schüler haben das alles alleine gemanagt", erzählt der Koordinator des Fachgymnasiums, Jens Schößler. Er freut sich, dass der Abiball in der Turnhalle auf dem Schulgelände stattfindet.

"Bei 500 Leuten wäre es woanders eng geworden."

Luise Schulze

Mit der Verpflegung haben die Schüler einen Caterer aus Stendal beauftragt. Eine Security-Firma soll für die Sicherheit der geschlossenen Veranstaltung sorgen. "Da kommen schon einige Euros zusammen", sagt Luise. Aber für dieses unvergessliche Erlebnis, engagieren die Gymnasiasten sich gerne.

Im vergangenen Jahr hatte die Schule ihren Abiball im "Schwarzen Adler", gefeiert. Doch die Turnhalle der BBS bietet laut Luise mehr Platz für die Gäste, die aus der gesamten Altmark und darüber hinaus anreisen. "Bei über 500 Leuten wäre es woanders eng geworden." Außerdem gebe es auf dem Schulgelände einen größeren Parkplatz.Die Organisatoren müssen bei ihren Vorbereitungen vieles beachten. Vor allem müssen die vielen Sicherheitskriterien eingehalten werden, falls die Gäste die Halle schnell verlassen sollten. "Zwei Feuerwehrmänner sind dabei", sagt Luise.

Finanziert werde der Aufwand durch die Einnahmen für die Abiball-Karten sowie von den Schülern selbst. "Wir haben bei Kuchenbasaren etwas eingenommen", erzählt Linda Liermann. Außerdem habe jeder Abiturient regelmäßig einen Klassenbeitrag bezahlt. Damit wird auch der DJ finanziert.

Tobias ist schon gespannt auf die Outfits seiner Mitschüler. "Manche Mädels werden bestimmt wie aus dem Märchenbuch daherkommen", meint er. Die Feier soll an die glamourösen Highschool-Abschlussbälle in den USA heranreichen, so Florian. So sei auch das Programm geplant. Die Abiturienten haben sich für Lehrer und Gäste ganz besondere Überraschungen für den Abend ausgedacht.