Manfred Lüder aus Colbitz hat zum Stendaler Roland eine ganz besondere Beziehung. Denn der Steinmetz hat vor 40 Jahren in Magdeburg die Kopie des Original-Rolands angefertigt.

Stendal l Es war für Manfred Lüder schon ein ganz besonderer Moment, als er am Dienstagmittag seinen früheren Kollegen - darunter ehemalige Lehrlinge von ihm - bei der Arbeit zuschaute. Vier Jahrzehnte zuvor war er selbst an dieser Stelle beschäftigt - mit dem Aufstellen des Rolands. Den hatte der Colbitzer gemeinsam mit Volker Deutschewitz aus Magdeburg angefertigt. In Magdeburg, im damaligen VEB Denkmalpflege, heute wieder der Naturstein- und Baubetrieb Paul Schuster GmbH. Diese Firma hat den Roland jetzt abgebaut, dort wird er restauriert. In den vergangenen Jahrzehnten war der Steinmetz und Steinbildhauer Manfred Lüder immer mal wieder in Stendal, gern mit Besuchern, um ihnen den Roland zu zeigen - "seinen" Roland, könnte man ja fast sagen.

Der heute 69-Jährige war dabei, als der 1972 von einem Orkan stark beschädigte Roland aus dem Jahr 1525 abgebaut wurde. Im Magdeburger Betrieb seien extra Vordächer aufgestellt worden, damit der lädierte Original-Roland darunter aufgestellt und zum Kopieren zurechtgemacht werden konnte. "Aus Dresden hat unser damaliger Bauleiter dann die Sandsteinblöcke geholt. Alle Teile wurden aus Rohblöcken gefertigt", erinnert sich Manfred Lüder. Das Altblei aus dem Vorgänger wurde wiederverwendet. Denn weil Blei ein elastischer Werkstoff ist, wurden und werden die Fugen damit ausgegossen. "So brechen die Fugen nicht aus", erklärt er.

Aus Dresden hatten sich die Mitarbeiter auch eine gebrauchte Punktiermaschine besorgt, mit der anhand des Originals Punkte am Rohblock festlegt werden konnten, um ein genaues Abbild des Vorgänger-Rolands zu bekommen.

Darum wurde der neue Roland genau neben dem alten gefertigt. "Ein Jahr haben wir dafür benötigt", erzählt Manfred Lüder. Er und sein Kollege waren auch dabei, als der stolze Recke 1974 auf dem Stendaler Marktplatz seinen Sockel bestieg. Kein Wunder also, dass die heutigen Mitarbeiter den früheren Kollegen angerufen haben, um ihn zu fragen, an welchen Stellen sich die Dübel befinden. Da konnte er helfen.

Allerdings musste er sie auch in ihrem Optimismus, die Figur an einem Tag demontieren zu können, bremsen. Das sei in einem Tag nicht zu schaffen, kündigte er den Arbeitern an. Dass er Recht hatte, sah er am Dienstag selbst. Denn einige Stellen machten den Mitarbeitern der Magdeburger Firma sehr zu schaffen, so dass die Füße bis gestern in Stendal blieben, während der Rest schon am Vortag nach Magdeburg transportiert worden war. Und auch mit seiner Ankündigung, dass die Hacken des Rolands ziemlich tief eingelassen worden waren und damit viel Arbeit bedeuten, behielt der 69-Jährige Recht. Allein die beiden Schuhe machten Arbeit für einen Tag. Darum wird der Sockel erst heute abgebaut.

In Magdeburg wird der Roland in den kommenden Monaten restauriert. Nach einer Runde mit den Fachleuten der Denkmalschutzbehörden wird festgelegt, welche Arbeiten notwendig sind. Unter anderem muss geklärt werden, ob das bisherige Schwert aus Eichenholz ersetzt werden muss, weil es schon zu stark angegriffen ist, sagt der 54-jährige Firmenchef Frank Schuster - auch einer von Manfred Lüders ehemaligen Lehrlingen.

 

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