Im Frühjahr wurden drei Stendaler in die Lungenklinik nach Lostau eingewiesen, weil sie sich mit Tuberkulose infiziert hatten. Das Gesundheitsamt des Landkreises Stendal meldet für das aktuelle Jahr bereits sechs Fälle.

Stendal l Ein 23-Jähriger, ein 25-Jähriger und ein 26-Jähriger zogen sich in der Hansestadt eine Tuberkulose zu, wie das Gesundheitsamt mitteilt. Es handle sich hierbei um drei zusammenhängende Fälle.

Die drei Stendaler, die dem Drogenmilieu zuzuordnen sind, haben sich laut Gesundheitsamt durch die gemeinsame Nutzung einer Wasserpfeife angesteckt und wurden Ende Februar und Anfang März in die Lungenklinik in Lostau eingeliefert. Dies bestätigt auch Chefarzt Dr. Jost Achenbach aus der Lungenklinik: "Es ist richtig, dass wir im Frühjahr auch jüngere Patienten hatten, alle über 18 Jahre."

Ungefähr 30 bis 50 Patienten werden jährlich in Lostau mit Tuberkulose eingeliefert, so Achenbach. "Die Patienten werden isoliert und bekommen eine medikamentöse Behandlung sowie eine korrekte Ernährung. Ein mögliches Suchtverhalten versuchen wir natürlich zu beeinflussen", sagt der Chefarzt.

Tuberkulose kann immer wieder kommen

"Alle Erkrankten aus dem Landkreis werden nach Lostau überwiesen", erzählt Amtsärztin Iris Schubert. Für Tuberkuloseinfektionen besteht eine gesetzliche Meldepflicht. "Meist erfolgt die Meldung durch den Hausarzt oder sogar schon durch das Labor an uns."

Nachdem das Gesundheitsamt darüber informiert wurde, werden alle Personen ausfindig gemacht, die in den letzten sechs Monaten mit dem Erkrankten Kontakt hatten, sagt Schubert. Ein enormer Aufwand. Kranke haben eine Mitwirkungspflicht. Es sei unterlassene Hilfeleistung, wenn er dieser Pflicht nicht nachkommt und jemand stirbt, mahnt die Amtsärztin. "Schließlich ist Tuberkulose gut mit Antibiotika behandelbar. Problematisch sei ein Rückfall durch eine Alttuberkulose. "Das Bakterium gelangt in die Lunge und verteilt sich über die Lymphe durch das Blut im ganzen Körper." Wenn das Immunsystem schwächele, könne die Krankheit wieder ausbrechen. Eine Impfung gegen die Krankheit gibt es nicht.

Die Gefahr sich beispielsweise im Supermarkt oder in der Diskothek mit dem Bakterium zu infizieren sei gering, gibt Schubert Entwarnung. "Man müsste sich schon acht Stunden in einem Raum mit einem Erkrankten aufhalten, ohne zu lüften. Sonst reiche die Konzentration des Bakteriums, das man einatmen könnte, nicht aus, um krank zu werden. Da die Krankheit durch Bakterien verursacht wird, die durch die Atemwege in die Lunge aufgenommen werden, ist sie nur durch die Luft, aber nicht durch Speichel oder andere Körperflüssigkeiten übertragbar.

"Seit Jahren sind die Zahlen der Neuinfektionen gleichbleibend", erzählt die Amtsärztin. Im Vorjahr waren es im Landkreis Stendal acht Infizierte, lediglich 2007 gab es eine Tuberkulosewelle mit 19 Fällen. "Die Infektion hatte sich damals in einem Altersheim ausgebreitet", sagt Schubert.

Seit Anfang des Jahres wurden dem Gesundheitsamt sechs Fälle aus dem gesamten Landkreis gemeldet. Besonders ältere Menschen, Kinder, Schwangere und Menschen mit einer chronischen Erkrankung wie beispielsweise Asthma oder HIV seien besonders gefährdet.

"Überall auf der Welt kommen Tuberkuloseinfektionen vor", erläutert Schubert. Sogar in hochentwickelten Ländern, wie Deutschland gibt es jedes Jahr rund acht Neuinfektionen auf 100000 Einwohner. In Entwicklungsländern liege die Rate bei rund 400 Tuberkuloseerkrankungen, erklärt die Amtsärztin. Und sie fügt an: "Weltweit gibt es etwa neun Millionen Neuerkrankte jährlich, von denen zwei Millionen daran versterben." Man rechne, dass ein Drittel der Weltbevölkerung mit dem Tuberkuloseerreger infiziert ist, die meisten werden aber nicht krank.

Trotz eines offenen Europas könne man, dennoch nicht von einer Tuberkulosewelle in den nächsten Jahren sprechen, so Schubert. "Jeder Asylbewerber wird auf Tuberkulose untersucht", erzählt die Amtsärztin.

Symptome zeigen sich erst nach sechs Monaten

Das Problem sei, dass man nicht sofort krank werde, wenn man sich angesteckt hat. Bis die Krankheit sich durch erste Symptome wie hartnäckigen Husten äußere, dauere es bis zu sechs Monaten. Die Krankheit lasse sich kaum von einer normalen Erkältung unterscheiden. "Erst auf dem Röntgenbild oder im Labor kann die Diagnose gestellt werden."

"Von Tuberkulose sind besonders Menschen mit einem geschwächten Immunsystem betroffen. Rauchen, Alkoholismus oder andere Drogen sind nicht hilfreich für eine Ausheilung", erklärt Achenbach. Auch Schubert ist überzeugt, dass eine gesunde Lebensweise der beste Schutz ist. "Man sollte unbedingt auf den Impfschutz achten, denn jede Impfung, sei es eine Grippeschutzimpfung, trainiert das Immunsystem", gibt die Amtsärztin mit auf den Weg.

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