Die Veterinärmedizin-Studentin aus Bangkok schnuppert seit Mai in der Altmark buchstäblich Praxisluft. Schon als Schülerin hatte sie ein halbes Jahr in Stendal verbracht.

Stendal l Wiedersehen macht Freude. Besonders, wenn der Kontakt zur Gastfamilie nie abgerissen ist. Phatchanok Sungthong, genannt "Khing", aus dem südthailändischen Phuket ist wieder "Gastkind" bei den Krumsiegs in Stendal.

"Vor sieben Jahren besuchte uns Khing das erste Mal. Damals war sie Au-Pairs-Mädchen", erinnert sich Gastvater Jens Krumsieg. Die Beziehung zwischen Khing und ihrer Gastfamilie ist nach wie vor vertraut. "Meine Frau, meine Tochter und ich standen regelmäßig mit Khing via Email oder Skype in Kontakt", sagt Krumsieg.

"Khing ist ein aufgeschlossenens Mädchen mit großen Sympathien für Deutschland."

Jens Krumsieg, Gastvater

Die 23-Jährige studiert in Bangkok Veterinärmedizin, für drei Monate ist sie nun wieder nach Stendal gekommen, um hier ein Berufspraktikum zu absolvieren. Den Vorschlag, praktische Erfahrungen in der Altmark zu sammeln, unterbreiteten Krumsiegs ihrer derzeitigen Gasttochter. "Khing ist ein aufgeschlossenens Mädchen mit großen Sympathien für Deutschland", erzählt Jens Krumsieg. Was hätte da näher gelegen, als eine Reise in das altbekannte Stendal.

Um einen Praktikumsplatz in der Tierarztpraxis Bormke kümmerte sich Jens Krumsieg. "Unser Hund ist Patient dort, da bin ich mit dem Arzt ins Gespräch gekommen", sagt Krumsieg. Ein Visum der Deutschen Botschaft in Bangkok ermöglichte die Einreise. Außerdem organisierte er für Khing einen weiteren Praktikumsabschnitt beim Landesamt für Verbraucherschutz im Fachbereich Veterinärmedizin.

"Ich habe zwei Wochen lang verschiedene Zuchtbetriebe in der Altmark besucht", berichtet Khing. Dort habe sie medizinische Proben von den Tieren entnommen und später im Labor ausgewertet. Bei den Tagestrips fiel Khing wieder die schöne altmärkische Landschaft ins Auge. "Die Orte sind eine gelungene Mischung aus alten und neuen Häusern", meint sie.

In der Tierarztpraxis assistiert Khing Ingo Bormke bei seinen Untersuchungen oder kleineren OPs. "Letztens habe ich Ingo bei der Liedoperation eines Hundes geholfen", erzählt Khing. Ingo Bormke ist sichtlich zufrieden mit der großartigen Unterstützung aus Fernost.

"Es ist interessant, mal zu hören, was die Kollegen in Asien tun."

Ingo Bormke, Tierarzt

Nicht nur, dass die junge Thailänderin eine große Hilfe in Ingo Bormkes Praxis ist, der Tierarzt freut sich auch darüber, mit Khing über Studien und Fälle aus Asien sprechen zu können. "Es ist interessant, mal zu hören, was die Kollegen in Asien tun", sagt Bormke. In tropischen Gefilden hätten es Tierärzte manchmal mit ganz anderen Kalibern zu tun. So zum Beispiel mit Äffchen oder exotischen Reptilien.

Ingo Bormke ist neben den Haustieren seiner Patienten noch für die Zootiere im Stendaler Tiergarten zuständig. Bei seinen Zoobesuchen nimmt der Veterinär Khing regelmäßig mit. "Wenn ich zurück nach Bangkok reise, habe ich auf jeden Fall eine Menge gelernt", meint Khing. Zumal sie sich in ihrem Veterinärstudium noch nicht ganz schlüssig ist, welche Tiere ihr Steckenpferd werden sollen.

Auch konnte Khing in Stendal ihre Deutschkenntnisse erweitern. "Vor sieben Jahren konnte ich besser Deutsch sprechen, in der Zwischenzeit habe ich vieles wieder verlernt", sagt die 23-Jährige. In ihrer Schule habe sie weder Englisch noch Deutsch gelernt, das kam alles während ihres Au-Pairs-Aufenthalts und später an der Uni.

"In Deutschland sagen die Leute, was sie denken."

Khing, Auslandspraktikantin

Auch, wenn Khing nur mühsam die "schwere" Deutsche Sprache lernt, gefallen ihr Land und Leute ungemein. "In Deutschland sagen die Leute, was sie denken", erzählt sie. Die Deutschen haben ihrer Meinung nach ein offenes Gemüt. Als Khing 2007 und 2008 in Stendal war, nahm sie am Unterricht des Privatgymnasiums der Hansestadt teil. Mit einigen ihrer ehemaligen Mitschüler habe sie sich in den vergangenen Wochen schon getroffen. "Viele sind leider nicht mehr in der Stadt", bedauert Khing.

Aber auch sie weiß heute noch nicht, wann sie ihr Weg das nächste Mal in die Altmark führen wird. Zunächst einmal steht eine Reise nach Rom an, danach arbeitet Khing weiter in Ingo Bormkes Praxis, bis am 27. Juli ihr Flieger zurück nach Thailand geht.

Dort muss Khing noch weitere zwei Jahre studieren, bis sie ihren Bachelorabschluss in der Tasche hat. Danach kann sie sich vorstellen, noch ein Masterstudium ranzuhängen oder gar ihren Doktor zu machen. "Dann würde ich gerne zum Studieren nach Europa kommen", sagt die Studentin. Ihre Präferenzen liegen dabei aber nicht in Sachsen-Anhalt. Wien steht ganz oben auf ihrer Wunschliste, ansonsten München. Zukunftspläne möchte Khing gerne mit ihrem Freund machen. Der lebt allerdings in Australien.