Oberbürgermeister Klaus Schmotz hat gestern die Kartusche geöffnet, die am vergangenen Donnerstag im Sockel des Rolands gefunden worden war. Spektakulär war der Inhalt allerdings nicht.

Stendal l Der Oberbürgermeister machte es spannend. Nachdem alle ihre Fotos von der geschlossenen Messingkartusche gemacht hatten, öffnete er die Röhre. Gemeinsam mit Tilo Stolzenhain vom Stadtarchiv, beide fachmännisch mit weißen Handschuhen ausgestattet, holte Klaus Schmotz in seinem Dienstzimmer den Inhalt heraus und breitete ihn auf weißem Tuch aus. Nach einem ersten Blick schätzte der Oberbürgermeister ein: "Der historische Wert der gefundenen Dokumente ist überschaubar." Und: Die Geschichte der Hansestadt Stendal muss nicht umgeschrieben werden.

Zwei kommunalpolitische Broschüren, mehrere Münzen (allerdings keine seltenen Sammlerstücke), ein Text zur Historie des Stendaler Rolands und einige Fotos kamen zum Vorschein - bis auf die Fotos noch gut erhalten, allerdings etwas feucht. Denn die beiden Teile der Kartusche waren nur zusammengesteckt worden, dadurch konnte Feuchtigkeit eindringen. Die hat auch die Fotos zerstört, auf einem ist aber noch schwach ein Gerüst vor dem Roland zu erkennen. Bei einem Heft handelt es sich um das "Programm der Stadt Stendal zur Vorbereitung des 25. Jahrestages der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik". Die zweite Broschüre dokumentiert "Materialien der 23./VI./74 Tagung der Stadtverordnetenversammlung" und beinhaltet den Jahres- und Haushaltsplan 1974 sowie den Plan zur Förderung der Initiative der Jugend für das besagte Jahr.

Und dann bewachte Ritter Roland in den vergangenen vier Jahrzehnten auch noch eine Abhandlung über seine Geschichte. Mit dem Stadtsiegel versehen und vom Bürgermeister unterschrieben - zu lesen ist die Unterschrift wegen der Nässeschäden nicht mehr, aber es muss sich um Bürgermeister Hans Warna gehandelt haben - wird der Nachwelt über den Roland zu Stendal berichtet. Der Leser erfährt, dass der 1525 errichtete Roland laut Inschriften in den Jahren 1698, 1837, 1926 und 1938 renoviert wurde. Es folgten weitere Restaurierungen, unter anderem 1955 ausgeführt vom Magdeburger Bildhauer Fritz Mänicke.

Nachdem ein Orkan im Jahr 1972 dem alten Roland den Arm mit Schwert abgerissen hatte und es sich zeigte, dass die Witterungseinflüsse der Steinfigur stark zugesetzt hatten, gab der Rat der Stadt Stendal beim VEB Denkmalpflege Magdeburg, Steinmetzabteilung, eine Kopie in Auftrag. Die wurde im Jahr 1974 anlässlich des 25. DDR-Geburtstages aufgestellt.

Zeitzeugnisse kommen auch in neuen Sockel

Die gefundenen Dokumente werden jetzt getrocknet, dann schaut sie sich Tilo Stolzenhain noch einmal genauer an. Dann wird auch entschieden, was mit dem Fund passieren soll.

Fest steht hingegen schon jetzt, dass eine neue Kartusche in den Sockel eingelassen wird, wenn im Herbst der Roland wieder zurückkehrt. Derzeit wird die Sandsteinfigur in einem Magdeburger Fachbetrieb gereinigt und restauriert (wir berichteten). Die Kartusche soll dann aber besser verschlossen werden, um den Inhalt vor Nässe zu schützen. Welcher Inhalt es genau sein wird, das steht jetzt noch nicht fest. Vermutlich werden aber Berichte über den Abbau und die Restaurierung ihren Weg in die Kartusche finden.