Stendal (vs/ta) l Mit dem Abschluss in der Tasche sollte es losgehen. Etwas mit Autos machen, Berufskraftfahrer oder auch im Verkauf, das waren Tims Berufsvorstellungen. Doch auf seine Bewerbungen erhält Tim nur Absagen. Tim droht zu resignieren. Doch hier kommt Michael Seidemann, Filialleiter des Autohauses B&K in Stendal ins Spiel. Im Rahmen eines Projektes, das der Geschäftsführer der Firma bundesweit ins Leben gerufen hat, möchte die Firma genau denjenigen Jugendlichen eine Chance geben, die nicht zu den begehrten Olympioniken eines jeden Unternehmens gehören. Auf die Frage nach dem Warum sagt Seidemann: "Jeder hat eine Chance verdient und jeder ist in irgendetwas gut. Unsere Aufgabe ist es herauszufinden, was es ist."

"Jeder ist in irgendetwas gut." - Michael Seidemann, Filialleiter B&K

Auf der Suche nach einem Jugendlichen, der es im Leben nicht ganz so einfach hat, dem nicht alles in den Schoß fällt, nimmt Seidemann Kontakt mit der Comenius-Schule auf. Fünf Jugendliche aus dem Produktiven Lernen kommen für eine Ausbildung als Kfz-Service-Mechaniker (eine zweijährige Ausbildung) in Frage. Doch von den fünf jungen Männern erscheint nur Tim zum Vorstellungsgespräch. "Das hat uns gleich gezeigt, dass er motiviert ist und es wirklich will", so Seidemann. Tim bekommt seinen Ausbildungsvertrag zum Kfz-Service-Mechaniker. Das war im Jahr 2012.

Doch der anfängliche Traum vom "Traumjob" scheint zu platzen. Die Noten in einem prüfungsrelevanten Fach sind schlecht, in den anderen Fächern steht er eins oder zwei. Anlass für Seidemann sofort Kontakt mit der Berufsschule, dem Sozialarbeiter des Projekts und der Arbeitsagentur aufzunehmen, denn der große Notenunterschied muss seine Gründe haben. In den gemeinsamen Gesprächen mit allen Beteiligten wird klar, dass Tim in einer eher leistungsschwachen Klasse unterrichtet wird und sich wohl angepasst hat.

Doch für Michael Seidemann und vor allem für Tim Ludwig kommt ein Aufgeben nicht in Frage. Ziel ist es, dass Tim den Abschluss macht. Nach kurzem Überlegen steht fest, Tim wiederholt das zweite Lehrjahr. Hilfe bekommt er neben seinem Ausbildungsbetrieb auch von der Arbeitsagentur Stendal. Sie unterstützt Tim durch die ausbildungsbegleitenden Hilfen. "Das ist eine Art Nachhilfeunterricht, der speziell auf die Förderbedarfe des Jugendlichen eingeht und das Ziel hat, den Auszubildenden auf die Prüfung vorzubereiten", erklärt Markus Nitsch, Chef der Stendaler Arbeitsagentur.

Nitsch freut sich zudem über das besondere Engagement des Arbeitgebers. "Es gibt bereits viele gute Beispiele in der Region, in der sich die Arbeitgeber immer mehr für ihre Auszubildenden einsetzen und mehr Zeit in die Ausbildung investieren. Doch gerade diese positiven Einstellungen wie in Tims Fall, brauchen wir einfach noch mehr." Wenn alles gut läuft, steigt Tim nach dem zweiten Jahr in die weiterführende Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker ein. Eine Ausbildung, die ihm weitaus größere Chancen auf dem späteren Arbeitsmarkt einräumt. Auf die er ohne dieses Projekt wohl aber nie eine Chance gehabt hätte.

Tim Ludwig ist überglücklich über das ihm entgegen gebrachte Vertrauen. "Ich fühle mich hier wohl in diesem Unternehmen und werde sehr unterstützt. Ich werde alles dafür tun, diese Ausbildung zu beenden."