Die Polizei hat am Dienstag in Stendal, Goldbeck, Hassel und Tangermünde die Wohnungen und Wohnnebenräume von acht Männern durchsucht. Dabei wurde Diebesgut aus mehreren Einbrüchen gefunden, die die Bande in den vergangenen Monaten begangen haben soll.

Stendal l Im Februar wurden aus der Goldbecker Sekundarschule 15 Computer gestohlen, im März aus dem Schützenhaus der Goldbecker Gilde mehrere Luftdruckgewehre, im Mai Luftdruckwaffen aus dem Vereinshaus des Stendaler Vereins Diana. Hinzu kamen mehrere Einbrüche in Betriebe und in das Goldbecker Gerätehaus. Wegen dieser Häufung von Einbrüchen in einem Gebiet und erster Hinweise auf eine agierende Diebesbande entschloss sich Kriminalhauptkommissar Sven Miehle, Leiter des Revierkriminaldienstes im Polizeirevier Stendal, eine interne Ermittlungsgruppe - "das ist keine Sonderkommission, wie oft nach außen dargestellt" - zu bilden. Im Polizeialltag nichts Alltägliches, denn mehrere Kollegen werden damit an nur einen Fall gebunden.

Vor gut zwei Monaten nahm die Ermittlungsgruppe, zu der fünf Mitarbeiter gehören, die Arbeit auf. Vor einigen Tagen lagen ausreichend Ergebnisse - auch nach einer Telefonüberwachung - vor, um beim Amtsgericht Stendal den Antrag zu stellen, die Wohnungen und Wohnnebenräume von acht Tatverdächtigen durchsuchen zu dürfen. Das Amtsgericht erließ den Beschluss. Am frühen Dienstagmorgen rückten rund 40 Polizeibeamte aus, die eine Hälfte Schutzpolizisten, die andere Kriminalpolizisten. Unterstützung gab es auch vom zentralen Einsatzdienst.

Zwischen 5 und 14 Uhr wurden Wohnungen in Goldbeck, Tangermünde, Stendal und Hassel durchsucht. Dabei wurde diverses Diebesgut gefunden, darunter die Computer aus der Goldbecker Schule und einige der Waffen. Insgesamt gestohlen worden waren mehr als 20 Luftdruckpistolen und -gewehre, "gefunden wurde nicht einmal die Hälfte", sagte Kriminalhauptkommissar Sven Miehle. Zu den Funden gehören hochwertiges Angelzeug, Werkzeugkoffer, eine Bandsäge, ein Lautsprecher und anderes mehr.

Beschuldigte zum Großteil nicht polizeibekannt

Vier der acht Beschuldigten wurden daheim angetroffen, die anderen waren oder sind auf Montage, im Urlaub oder konnten in einem anderen Bundesland von der Polizei festgestellt werden. Bei den Tatverdächtigen handelt es sich um Männer im Alter zwischen 19 und 28 Jahren, überwiegend noch nicht polizeibekannt. Die vier angetroffenen Männer wurden erkennungsdienstlich behandelt und vernommen, wegen fehlender Haftgründe aber wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Die Beschuldigten waren zum Teil geständig, informierte Marco Neiß, Sprecher des Stendaler Polizeirevieres. Einige von ihnen sind berufstätig, einige erwerbslos.

Nach jetzigem Stand konnten der Bande - die in verschiedenen Besetzungen agiert hat - zirka 20 Taten nachgewiesen werden, darunter Einbrüche und auch Dieseldiebstähle. Bei diesen Taten waren rund 20000 Euro Schaden entstanden. Auch wenn noch Vernehmungen und weitere Ermittlungen ausstehen, scheinen die Motive weitgehend klar: Die Täter wollten das Diebesgut verkaufen, um Geld für ihr Leben zu haben. Da bei drei Männern auch Betäubungsmittel in kleineren Mengen gefunden wurden, wird Beschaffungskriminalität nicht ausgeschlossen.

Für den Eigenbedarf wurden die Sachen vermutlich nicht gestohlen. Für einen Verkauf spricht zum Beispiel die große Zahl an gestohlenen Waffen, die bei den Durchsuchungen nicht gefunden werden konnten.

Weitere Straftaten könnten aufgeklärt werden

Hinweise darauf, dass die Bande auch für Einbrüche in Einfamilienhäuser verantwortlich ist, die in dieser Zeit passiert sind, gibt es derzeit nicht. Aber die Ermittlungen könnten weitere Taten mit den Männern in Verbindung bringen. Denn einige wurden erstmals erkennungsdienstlich erfasst. Heißt: Die Polizei hat jetzt ihre Fingerabdrücke, um sie mit Tatortspuren vergleichen zu können, die bisher niemandem zugeordnet werden konnten. Sven Miehle ist beim Blick auf die vielen sichergestellten Beutestücke optimistisch, dass noch weitere Straftaten aufgeklärt werden können.

Das Diebesgut, das bisher zugeordnet werden konnte, soll in den kommenden Wochen und Monaten an die Besitzer zurückgegeben werden, kündigte der Leiter des Revierkriminaldienstes an. Dann bekommen auch die Goldbecker Sekundarschüler ihre Computer zurück, die sie erst kurz vor dem Diebstahl von einem Sponsor geschenkt bekommen hatten. Der hatte seine Technik ausgetauscht und die gebrauchten Computer gespendet. Die Einbrecher hatten wohl von der Einrichtung des Computerkabinettes erfahren und auf reiche Beute gehofft - doch Geräte und Programme waren schon zu alt, um noch einen Käufer für das Diebesgut zu finden. Darum hat die Polizei sie bei der Durchsuchung bei ihnen gefunden.

"Die Kollegen haben eine ganz hervorragende, eine sehr, sehr qualifizierte Arbeit geleistet, die zum Erfolg geführt hat. Und das mit behördenweiter Unterstützung", freute sich der Leiter des Revierkriminaldienstes über das Ergebnis.