Stendals Pensionsvermieter sind für die landesweite Buchungsplattform der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt (IMG) im Internet offenbar nicht zu begeistern. Das ist das Resultat einer von der Stadt Stendal veranstalteten Informationsveranstaltung am Mittwoch im Rathaus.

Stendal. "Das ist etwas für größere Hotels. Für uns kleine Vermieter kommt das nicht in Frage." Helmut Ramme, der in der Moltkestraße eine Pension unterhält, ließ sich weder von IMG-Mitarbeiter Guido Dietrich, der extra aus Magdeburg angereist war, noch von Oberbürgermeister Klaus Schmotz oder den Mitarbeitern der städtischen Tourist-Information umstimmen. Er beherberge fast ausschließlich Wirtschaftsgäste, also Leute, die hier auf Montage sind; da nütze ihm das Tourismusportal der IMG wenig, argumentierte Ramme.

Ähnlich scheinen auch die anderen Pensionsbetreiber der Hansestadt zu denken. Von den 13 eingeladenen kleinen Vermietern hatten nur zwei Interesse an der Informationsveranstaltung gezeigt. Bereits im Dezember vergangenen Jahres, nachdem sie von der Tourist-Information mehr oder weniger massiv aufgefordert worden waren, mit der IMG einen Vertrag zu schließen und sich in die von ihr betriebene Buchungsplattform aufnehmen zu lassen, hatten Helmut Ramme und Eckhard Müller in der Volksstimme diesen Vorstoß als Versuch gewertet, die Kleinvermieter abzuwürgen. Vor allem die von Tourist-Information und IMG gemeinsam erhobene Vermittlungsprovision von zehn Prozent plus Mehrwertsteuer erregte die Gemüter. "Das riecht doch nach Abzocke pur", hatte sich Ramme in einem Brief an die Tourist-Info beschwert.

Dieser scharfe Zungenschlag ist raus aus der Diskussion. Das zumindest hat die Infoveranstaltung vom Mittwoch geschafft. Die IMG als hundertprozentige Gesellschaft des Landes sei nicht auf Gewinn aus, machte Guido Dietrich deutlich. Die zehnprozentige Provision – nur ein Prozent gehe an die IMG, der Rest an die Tourist-Info in Stendal – werde nur im Erfolgsfall, wenn der Gast also tatsächlich anreist und zahlt, fällig. Dafür zeige das Buchungssystem dauerhaft die gewünschten Daten und Fakten des Hotels einschließlich einer Fotogalerie an. Dietrich an die Pensionsbetreiber: "Sie bestimmen, wann und mit wie vielen Zimmern Sie im System sein wollen." Auch Michael Standke, Leiter der städtischen Tourist-Info, warb für die Vorteile des Online-Buchungssystems: "Mit einem Klick kann der Gast sehen, wo ein Zimmer frei ist." "Das ist nur ein Angebot. Es ist eine Möglichkeit, ihre Auslastung zu verbessern", sagte Mitarbeiterin Anja Schulze.

OB Klaus Schmotz war um die Glättung der Wogen bemüht. Er versprach, dass alle Gastgeber, auch wenn sie dem Buchungssystem von IMG nicht beitreten, im bisherigen Gastgeberverzeichnis der Stadt Stendal bleiben, "wir werfen da keinen raus". Eines könne die Tourist-Information künftig allerdings nicht mehr leisten: Vermittlungstelefonate zwischen Gästen und Gastgebern.

Guido Dietrich hatte am Mittwoch Zahlen mitgebracht, die den Erfolg der Buchungsplattform belegen sollten. So sei die Anzahl der Buchungen 2009 im Vergleich zu 2008 um 13 Prozent gestiegen. Dem System sind bisher landesweit zehn Städte beigetreten. Tangermünde und Havelberg, Tourismusmagnete im Landkreis, sind allerdings nicht dabei.