Das Rathaus soll ein authentisches Aussehen bekommen, sagen die Denkmalbehörden von Stadt und Land. Das Gebäude wird einheitlich sandsteinfarben gestrichen. Es brauche sicherlich einige Zeit, bis die Neugestaltung eine übergreifende Akzeptanz erfahre, heißt es von der Verwaltung.

Stendal l Die Stendaler werden sich an eine neue Rathausfassade gewöhnen müssen. In den kommenden Wochen werden nicht nur die Fenster ausgetauscht, sondern die Wände in einem sandsteinfarbenen Ton gestrichen. Das Gebäude wird einheitlich gestrichen, die farblichen Hervorhebungen, die an Fensterrahmen und Giebelelementen derzeit noch vorhanden sind, wird es dann nicht mehr geben, sagte Georg-Wilhelm Westrum, Amtsleiter für Stadtumbau und Sanierung, gestern in einem Pressegespräch.

Seit 2012 sei intensiv über eine farbliche Neugestaltung der Fassade diskutiert worden, sagte Westrum. Von Anfang an war neben der Denkmalbehörde im eigenen Haus auch die Obere Denkmalbehörde in Halle in die Überlegungen mit einbezogen worden.

Die Plastizität der Giebel soll hervorgehoben werden

"Vom Klassizismus bis hin zum Barrock ist es in der Architektur üblich, dass verputzte Gebäude farblich komplett einheitlich gestaltet sind", sagte Helfried Weidner, Restaurator beim Landesdenkmalamt. Durch die einheitliche Farbe kämen die plastischen Elemente der Fassade, die bislang noch andersfarbig gestrichen sind, besser zur Geltung. "Durch Schattenspiel kommt die Plastizität intensiver heraus", sagte Weidner. Er gehe davon aus, dass das Gebäude vor dem 20.Jahrhundert ähnlich ausgesehen haben müsse. Die nun gefundene Lösung sei mithin authentisch. "Sie ist stilistisch rund und korrekt", sagte Weidner. Er wisse, dass Passanten oftmals gereitzt reagieren, wenn Gebäude insbesondere Fachwerkbauten einheitlich gestrichen würden.

Der derzeitig, altweiße Farbton sei sehr grell und fast schon aggressiv, sagte Weidner. Die Farbe hatte das Rathaus 1994 bei seiner letzten Fassadensanierung bekommen. Zu DDR-Zeiten hatten die Wände einen dunklen Sandton gehabt. "Das Gebäude soll sich harmonisch in das Gesamtensemble des Marktplatzes einfügen", sagte Westrum. Er hoffe, dass es mit der Zeit eine Akzeptanz für die Neugestaltung gebe.

Bereits seit Ende 2013 wird das Rathaus saniert. Zunächst waren am Dachstuhl Elemente eingesetzt worden, um die Statik zu verbessern. Es waren Risse entstanden - insbesondere am Büro des Oberbürgermeisters. Nach der Risssanierung werden die Fenster erneuert und dann die Nord- und Westseite gestrichen. Im kommenden Jahr folgt der Ost- und Südteil. Es sind Ausgaben dafür von rund 350000Euro geplant. 80 Prozent bekommt die Stadt vom Land. Bis Ende September sollen die Arbeiten in diesem Jahr abgeschlossen sein. Matthias Karl von der Stadtverwaltung warnt neugierige Stendaler, die sich für die neue Fassadenfarbe interessieren, vor: "Der erste Anstrich ist nicht der maßgebliche." Erst, wenn die Gerüste abgebaut sind, könne man die neue Fassade beurteilen.

Nach 2015 soll auch Gerichtsgaube für noch einmal rund 350000 saniert werden.

   

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