Die Stadtwerke müssen die Trinkwasserversorgung für die Mieter in Süd nicht wieder aufnehmen. Detlef Sköries zog gestern vor dem Amtsgericht seinen Antrag auf einstweilige Verfügung zurück.

Stendal l Die Sicherheitsvorkehrungen waren hoch gestern Vormittag im Amtsgericht. Die Besucher mussten zunächst durch eine Sicherheitskontrolle mit Metalldetektor wie am Flughafen. Vor dem Eingang zum Saal 303 wurden die Ausweise kontrolliert und im Saal selbst saßen zwei Polizisten. Verhandelt wurde der Antrag auf einstweilige Verfügung von Detlef Sköries aus Süd.

Er wollte, dass die Stadtwerke die Trinkwasserversorgung in Süd wieder aufnehmen. Seit dem 1. Juli können die gut 200 Mieter in den Stendaler Stadtteil Wasser nur noch aus vier Entnahmestellen bekommen. "Ich finde das eine Frechheit und Schikane von den Stadtwerken", sagte Sköries vor der Verhandlung gegenüber der Volksstimme. Nicht nur das Abstellen des Trinkwassers steht im Mittelpunkt seiner Kritik, sondern auch, dass die Gewinde an den Wasserhähnen abgeflext wurden. "Das machen wir so lange, bis der Letzte ausgezogen ist", habe einer der Monteure gesagt.

Wassereimer mit Metallspuren

Sköries verwies darauf, dass die Zustände seiner Meinung nach gegen Artikel 1 des Grundrechts verstoßen, der besagt, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. "Bei uns wohnen alte und gehbehinderte Menschen, eine Nachbarin von mir hat eine nierenkranke Tochter", zählte er auf. Nachdem Sköries im Gerichtssaal seinen Standpunkt dargelegt hatte, präsentierte er Richter Ralf Eickelkamp einen Maurereimer, auf dessen Boden deutliche Spuren von Metall zu erkennen waren. "Mit diesem Eimer habe ich nichts Anderes gemacht, als Wasser aus der Entnahmestelle zu holen", versicherte er. Außerdem präsentierte er einen Aushang der Stadtwerke vom Juni. Darauf wird das Abstellen des Trinkwassers am 1.Juli angekündigt.

Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Bräuer war zusammen mit Rechtsanwalt Klaus-Jürgen Adamietz vor Gericht erschienen. "Es geht um vier Objekte in Süd, zwei in der Bremer Straße, zwei in der Hanseallee", erklärte Bräuer. Mittlerweile seien Ausstände in Höhe von 150000 Euro aufgelaufen. Beim Landgericht Stendal sei bereits eine Forderungsklage über rund 123000 Euro eingereicht. Der Vermieter Raks AG habe in einem Schreiben vom 20.Juni den Schulbetrag von rund 138100 Euro anerkannt und eine Teilzahlung von 40000 Euro bis zum 30. Juni angeboten, geschehen sei aber nichts.

"Man muss auch nochmal ganz deutlich sagen, dass die rechtlichen Regelungen zur Wassersperre eingehalten wurden", betonte Adamietz. Außerdem gebe es die Entnahmestellen. Den Vorwurf von Sköries, dass das Wasser nicht sauber sei und er davon sogar Durchfall bekommen habe, mochte er nicht gelten lassen. "Eine Prüfung am 16. Juli hat keine Beanstandungen ergeben", sagte er.

Direkte Versorgung erscheint zu teuer

"Gäbe es denn nicht die Möglichkeit, die Mieter direkt zu versorgen", versuchte Richter Eickelkamp eine Lösung zu finden, zumal er den Vermieter als das eigentliche Problem ausgemacht hatte. "Das wäre zu aufwendig und offen gesagt auch zu teuer", sah Bräuer darin keine Alternative. "Die Raks hatte angeboten, die Mieten auf ein Sonderkonto einzahlen zu lassen, auf das die Stadtwerke Zugriff haben. Das Konto gibt es bis heute nicht, auch haben wir immer noch keine Aufstellung der einzelnen Mieten", sagte Adamietz.

Bei aller Unterschiedlichkeit der Positionen gab es auch Verständnis für die jeweils andere Seite. "Wenn die Außenstände so hoch sind, muss man reagieren, das ist doch klar", meinte Sköries. "Die Situation wird sich mittelfristig nicht verbessern, sondern eher noch dramatischer werden", mahnte Adamietz, der Sköries und den anderen Mietern zum Auszug riet. Eickelkamp wiederum riet Sköries, den Antrag auf einstweilige Verfügung zurückzuziehen. Sein Ansinnen sei zwar verständlich, die Stadtwerke seien aber der falsche Ansprechpartner. Sköries folgte dem Vorschlag.