Aus dem Tod von mehr als 50 Rindern und Pferden während des Hochwassers 2013 hatte der Stendaler Nabu-Kreisverband Konsequenzen gezogen. Das Bucher Brack wird mit schwer zu behandelnden Tieren nicht mehr beweidet. Nun kritisiert die Bürgerinitiative die Haltung auf westelbischem Deichvorland.

Tangermünde/Buch l Der Nabu habe Konsequenzen gezogen, gestand Anne Grellmann von der Bürgerinitiative am Sonntag während der Demo auf dem Tangermünder Marktplatz ein. Nach der Hochwassertragödie im vergangenen Sommer, während der über 50 Tiere ihr Leben lassen mussten, verzichtet der Verband darauf, das Bucher Brack beweiden zu lassen. Nun verwies Grellmann allerdings darauf, dass aktuell Deichvorland auf westelbischer Seite in Höhe des Bucher Bracks durch Tiere des Nabu beweidet wird. Sie unterstellte dem Nabu-Kreisverbandschef Dr. Peter Neuhäuser Unbelehrbarkeit. Denn auch dies sei ein Überflutungsbereich, in dem wild lebende Herden gefährdet seien.

Angesichts der Tatsache, dass seit Jahrhunderten das Deichvorland mit Vieh bewirtschaftet wird, zeigte sich Neuhäuser gegenüber der Volksstimme über diese Kritik erstaunt. Die dort vom Nabu gehaltenen Pferde seien auch nicht das einzige Vieh im Überflutungsbereich. Links und rechts neben diesen Tieren würden weitere Pferde und Kühe weiden, deren Besitzer augenscheinlich keiner Kritik ausgesetzt seien. "Die Beweidung im Deichvorland ist üblich und gewollt", macht der Nabu-Kreischef klar.

Weidegebiet ist über Fährweg gut zu erreichen

Ein Drama wie vor einem Jahr im Bucher Brack könne sich außerdem in dieser westelbischen Region nicht abspielen. Denn im Gegensatz zum Bucher Brack, welches praktisch einer Insel ähnelt, seien die nun genutzten Weiden durch den angrenzenden Fährweg gut zu erreichen und die Tiere könnten jederzeit abtransportiert werden. Außerdem verwies Neuhäuser darauf, dass derzeit in keinster Weise mit Hochwasser zu rechnen sei.

Grellmann ging auch auf die zivilrechtliche Auseinandersetzung zwischen ihr und Doreen Lemme von der Bürgerinitiative auf der einen Seite und dem Nabu, speziell Neuhäuser, auf der anderen Seite ein. Die beiden Frauen wüssten noch nicht, ob sie mit der vom Gericht vorgeschlagenen Mediation einverstanden seien. Neuhäuser bestätigte indes gegenüber der Volksstimme, dass er sich auf dieses Angebot einlassen würde. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen den Nabu-Kreischef, dem die Verantwortung für den Tod der Tiere vorgeworfen wurde, sind bereits eingestellt worden.

Rund 30 Demonstranten, teilweise in einheitlichen grünen T-Shirts mit der Aufschrift: "Auch auf Nabu-Weiden sollen keine Tiere mehr leiden" machten während dieser mittlerweile elften Demonstration ihrem Unmut Luft. Mit einer größeren Beteiligung sei nicht zu rechnen gewesen, so Grellmann. Schließlich sei es an diesem Tag sehr heiß gewesen und es sei Ferienzeit.