Er war Gründungsmitglied der Band Olympia, spielte in verschiedenen anderen Formationen, ist jetzt als Solokünstler zu hören: Wolfgang Liebisch. Der Stendaler blickt auf fünf Jahrzehnte auf der Bühne zurück.

Stendal l Als Wolfgang Liebisch vor einigen Jahren die Geschichte zum Ostrock-Musical "Über sieben Brücken" geschrieben hat, schrieb er auch einen Teil seiner Geschichte auf. Er erzählt über den Musiker Tommy, fiktiv zwar, aber mit Parallelen zum jungen Musiker Wolfgang. 1946 geboren, fand er als Jugendlicher in Tangermünde zur Musik.

Als Schüler des Stendaler Winckelmann-Gymnasiums, im Alter von 14 Jahren, begann er mit dem Gitarrenunterricht, spielte auf einer Halbresonanz-Gitarre. Bald wollte er das nicht mehr allein oder mit dem Lehrer, sondern in einer richtigen Band. Und so wurde er Mitglied der Tangermünder Gruppe "Die Randos". Sie spielte Titel, die man zu dieser Zeit im Radio hören konnte. Damals war Wolfgang Liebisch 18 Jahre alt, das ist jetzt 50 Jahre her. Nach den ersten Auftritten in seiner Heimatstadt, unter anderem im Jugendklubhaus in der Ulrichstraße, folgten Auftritte in Stendal, "wo sich auch eine Rockszene entwickelte. Wir sind mit der Bahn nach Stendal gefahren, haben die Instrumente mitgeschleppt", erinnert sich Wolfgang Liebisch, dessen Bruder Harald oft mit ihm in einer Band spielte.

Die Band formierte sich um, nannte sich "The Fellows". Ein englischer Name war den Kulturfunktionären allerdings nicht recht, und so bekam die

neue Band den Namen "Die Kristalle". Bald erfreuten sich die Musiker großer Beliebtheit bei den Fans, nicht aber bei den Funktionären. Wegen "undefinierbaren Englisch-Gesangs und einer Lautstärke, die das normale Maß bei weitem überstieg", wurde nach vorheriger Verwarnung ein Spielverbot erteilt.

Zu dieser Zeit war Wolfgang Liebisch Student im Fachbereich Elektronik. Das Studium hat ihm später viel geholfen, wenn sich die Musiker und Techniker selbst helfen mussten, weil es vieles in der DDR nicht zu kaufen gab. Dass er nach dem Studium wieder zurück auf die Bühne geht, das hatte er schon früh für sich entschieden.

Und er tat es dann auch. Erst für drei Jahre als Mitglied der Heerener Tanzkapelle, kurz HTK, später in der legendären Gruppe Olympia. Die wurde 1972 gegründet - darum der Name in Anlehnung an die Olympischen Spiele in München - als Betriebsband des Tangermünder Faser- und Spanplattenwerkes, in dem Wolfgang Liebisch als Leiter der Rechenstation arbeitete. Festgelegt wurde, dass Olympia jährlich 30 Auftritte gibt. Und das taten die Musiker mit Leidenschaft - bei Betriebsfestspielen in Uchtspringe, beim Jugendtanz in Schernikau, beim Winzerfest in Büste, im Elbpark Tangermünde und an ganz vielen anderen Orten in der Republik. Selbst die Bauarbeiter an der Druschba-Trasse in der Sowjetunion konnten die Gruppe aus der Altmark hören.

Wolfgang Liebisch fand als Bandleader, Sänger und Gitarrist seine musikalische Heimat in der Band, die schon 1974 als "hervorragendes Volkskunstkollektiv" ausgezeichnet wurde und 1983 das Ehrendiplom von Radio DDR II und der Zeitung Junge Welt als viertbeste Amateurband der Republik bekam. Anfangs coverte Olympia bekannte Titel, ab Mitte der 1980er Jahre kamen eigene Stücke hinzu. Zu dieser Zeit stand Wolfgang Liebisch schon nicht mehr selbst auf der Bühne, sondern am Mischpult. Im Jahr 1990 löste sich Olympia auf - nach der Wende blieben die Zuschauer weg, die Fans konnten sich die Originalbands anschauen, die Musiker suchten neue berufliche Herausforderungen.

Wolfgang Liebisch musste das nicht, der hatte schon 1976 in Stendal den Musikinstrumentenhandel übernommen, den er noch heute betreibt. Zudem veranstaltet er Konzerte, betreut Tourneen, organisiert Veranstaltungen und ist seit 2009 sehr erfolgreich mit dem von ihm produzierten OstrockMusical "Über sieben Brücken" in ganz Ostdeutschland unterwegs.

Noch immer zieht es den 68-Jährigen selbst zurück auf die Bühne. Stimmungslieder, Schlager, Rock, Pop - in den Jahrzehnten und in verschiedenen Bands hat er fast alles gespielt. "Außer Countrymusik", sagt Wolfgang Liebisch. Darum tritt er seit dem vergangenen Jahr - "so als Hobby" - als Oly Wollie auf, als der Wolfgang von Olympia, wie der Name verrät. Bei Hochzeiten, Geburtstagen und anderen Familienfeiern greift er zur Rhythmusgitarre, setzt Cowboyhut und Sonnenbrille auf und singt, unterlegt von im Studio produzierten Playbacks. Beim Stadtseefest Anfang des Monats tat er dies auf großer Bühne, um sein Jubiläum zu feiern. "Ich wollte zeigen, dass ich es auch nach 50 Jahren noch nichts verlernt habe", sagt Wolfgang Liebisch.

 

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